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Rocket Internet: ein Börsenschnellschuss mit vielen Fragezeichen

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer

Es soll nun ganz schnell gehen: Nur eine Woche nach dem IPO von der einstigen Tochter Zalando wagen sich auch die Milliardenmacher selbst an die Börse. Am 8. oder 9. Oktober soll das E-Commerce-Konglomerat Rocket Internet an der Frankfurter Börse gelistet werden. Aber wissen Anleger eigentlich, was sie da zeichnen?

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Zack, zack, zack: Das Mantra, mit dem sich die Samwer-Brüder seit 15 Jahren in der digitalen Wirtschaft permanent auf der Überholspur bewegen, wird auch zum Leitmotiv des Börsengangs von Rocket Internet. Schon in zwei Wochen soll Rocket an die Börse fliegen und das Lebenswerk der extrem umtriebigen Samwer-Brüder milliardenschwer krönen.

Dass Timing alles ist, machte gerade der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba vor, der aus dem Stand zum zweitwertvollsten Internet-Konzern der Welt avancierte. Keine Frage: Es ist eine gute Zeit, um als wachstumsstarker E-Commerce-Anbieter an die Börse zu streben. Genau diesen Windschatten nutzt auch der Berliner Online-Modeversender Zalando, an dem die Samwer-Brüder noch mit 17 Prozent beteiligt sind, aus – schon in einer Woche wird der größte Börsengang eines deutschen Internet-Unternehmens seit der Jahrtausendwende über die Bühne gehen.

Zwei Wochen vor dem IPO: Börsenprospekt fehlt noch

Und nach dem IPO ist bei den Samwers dann vor dem IPO: Wie am Sonntag im Spiegel bekannt wurde, streben die notorischen Internet-Gründer nur eine Woche später mit ihrem eigenen Konglomerat Rocket Internet an die Kapitalmärkte. Eine Bewertung von 5 Milliarden Euro wird angestrebt, 750 Millionen Euro sollen durch das IPO erlöst werden  – ganz ähnlich wie bei der Beteiligung Zalando.

Doch der Börsengang, der von der Hamburger Berenberg Bank, J.P. Morgan und Morgan Stanley angeführt wird, wirft einige Fragen auf. Verrückt: Bis heute liegt von Rocket Internet kein Börsenprospekt vor, der die bisherige Geschäftsentwicklung dokumentiert bzw. auf Geschäftsrisiken hinweist. Nach Zustimmung der BaFin werde er im Download-Bereich bereitstehen, teilt Rocket Internet auf seiner Webseite zum IPO mit.

Rocket Internet entgeht im Entry Standard Quartalsberichten und Ad-hoc-Pflicht

Möglich wird die aufreizende Verschwiegenheit des Internet-Inkubators durch die ungewöhnliche Wahl des Börsenlistings: Nicht wie für ein Unternehmen in der Größenordnung gewöhnlich, im Prime Standard, sondern im Entry Standard will Rocket Internet debütieren.

Der Vorteil für die Samwers: Die lästigen Quartalsberichte, bei denen die Seriengründer die Hosen vor Investoren runterlassen müssten, stehen im Entry Standard ebenso wenig an der Tagesordnung wie Pflicht zur Ad-hoc-Meldung bei kursrelevanten Geschäftsentwicklungen oder Personalien.

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Aktionärsschützer warnen

Aktionärsschützer können die mangelnde Transparenz der milliardenschweren Börsenkandidaten nicht nachvollziehen. „Das sollte allen Anlegern eine Warnung sein“, erklärte etwa Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gegenüber Welt Online.

Übermittelt ist zumindest die extrem selbstbewusste Selbsteinschätzung der Berliner, die sich jetzt schon als „führende E-Commerce-Plattform in Schwellenländern“ sehen – mit dem Ziel „die größte Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas zu werden“.

Börsenwert könnte auf Dax-Niveau liegen

Durch die inzwischen über 50 Beteiligungen verfügen die Berliner bereits über ein globales Netz an Online-Mode-Shops (Dafiti in Lateinamerika, Lamoda in Russland, Zalora in Asien-Pazifik, Jabong in Indien und Namshi im Nahen Osten) oder Online-Versandhäusern (Jumia in Afrika, Lazada in Südostasien oder Linio in Lateinamerika). Hierzulande sind vor allem die Web-Einrichtungshäuser wie Home24 und Westwing bekannt.

Die Samwers halten über ihren Global Founders Fund mit 52,3 Prozent die Mehrheit am Internet-Konglomerat Rocket Internet. Der Kinnevik-Konzern, der gleichzeitig größter Anteilseigner bei Zalando ist, hält 18,1 Prozent, United Internet 10,4 Prozent, die Philippine Long Distance Telephone Company 8,4 Prozent, Access Industries 8,3 Prozent und Holtzbrinck Ventures 2,5 Prozent.

Wenn die Bewertungsträume der Samwers wahr werden, könnte Rocket Internet aus dem Stand mit einer Marktkapitalisierung von 5 Milliarden Euro bereits auf Dax-Niveau fliegen: Die Schlusslichter Lanxess und K+S bringen es auf 4,2 bzw. 4,6 Milliarden Euro.

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