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“Mord ist die beste Medizin”: der neue Münster-”Tatort” im MEEDIA-Check

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Es ist soweit. Endlich wissen wir: Der "Tatort“ aus Münster kann auch solide. Bislang unterhielten uns die Quoten-Stars Thiel und Professor Boerne stets aufs vortrefflichste. Doch in diesem Medizin-Krimi ist alles nur Durchschnitt: Die Story, der Humor, der Plot und selbst die Schauspieler. MEEDIA attestiert: Dieser Fall leidet leider an erzählerischer und filmischer Blutarmut.

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Die Story:
Die zehnjährige Zeugin Mia (Lena Meyer) meint auf einem Schulausflug in den Botanischen Garten Zeugin eines Mordanschlages geworden zu sein. Mit ihrem Vater alarmiert sie die Mordkommission. Doch erst einmal will ihr Kommissar Thiel (Axel Prahl) nicht glauben. Erst als das vermeintliche Opfer, ein Mitarbeiter der Krankenhaus-Apotheke stirbt, fängt die Polizei an zu ermitteln.
Passenderweise weist sich zeitgleich Professor Boerne (Jan Josef Liefers) selbst in das Hospital ein. Der Hypochonder ist besorgt um den Zustand seiner Leber. Schnell kommt er auf die Idee, dass wenn er nun schon einmal in dem Krankenhaus ist, er auch gleich bei den Ermittlungen helfen könne. Eher kompliziert entwickelt sich so ein Krimi um gepanschte Chemotherapien.

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Die Story hinter der Story:
Thiele und Boerne werden auch weiterhin ein besonderes Verhältnis zum deutschen Schlager haben. Das kommt daher, dass Til Schweiger dem Münster-„Tatort“ noch immer vorwirft nur deshalb eine bessere Quote als sein eigener erster „Tatort“ geholt zu haben, weil Schnulzenkönig Roland Kaiser mitspielte. Seine Theorie: Es haben ein paar Schlagerfans mehr beim Krimi eingeschaltet und deshalb machten Thiele und Boerne das Quoten-Rennen. Im vergangenen Film wurde deshalb gleich einmal Frank Zander auf einem Parkdeck erschossen. Jetzt muss sich Boerne ein Krankenzimmer mit einem fanatischen Schlager-Fan teilen, der ihn in den Wahnsinn treibt.

Sind die Ermittler in Form?
Im Grunde schauen die Zuschauer einem alten Ehepaar 90 Minuten bei der Arbeit zu. Liefers und Prahl spulen routiniert ihre Gags ab. In jeder gemeinsamen Szene fehlt es stets etwas an Pfiff. Trotzdem sind die beiden selbst an ihren Durchschnittstagen noch besser als weite Teile der Konkurrenz.

Der Satz zum Mitreden bzw. Mitstreiten:
„Nicht nur Proktologen kennen sich mit Ärschen aus“. Dieser Satz geht in jedem Krankenhaus, immer.

Was taugt das Drehbuch?
Das Buch von Dorothee Schön kommt seltsam gehemmt daher. Es ist kein Drama, kein Melodram, aber auch keine Komödie. Die Macher hätten sich frühzeitig entscheiden sollen, ob sie eine lustige Hospital-Posse oder ein trauriges Krebsdrama mit lustigen Momenten erzählen wollen. Der Story fehlt schlicht der nötige Druck. Das Buch, wie auch der ganze Film wirken blutleer.

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Pluspunkt: das Ensemble. Es gibt kaum eine Reihe im deutschen Fernsehen, die bis in die festen Nebenrollen so liebevoll besetzt ist, wie der „Tatort“ aus Münster. Ob nun die Pathologie-Helferin Alberich, Thiels taxifahrender Vater oder die quarzende Staatsanwältin: Sie alle sorgen für den besonderen Reiz der Filme.

Minuspunkt: das Ensemble. Ob nun die Pathologie-Helferin Alberich, Thiels taxifahrender Vater oder die quarzende Staatsanwältin: Sie alle kommen diesmal zu kurz. Dafür, dass sie für den besonderen Reiz der Filme sorgen, schenkt das Buch ihnen zu wenig Zeit und zu wenige Pointen. Abgesehen davon sind die anderen Nebenrollen diesmal arg lieblos besetzt. Für den vermeintlich größten Quotenerfolg der nächsten Wochen, hätten sich die Macher ruhig mehr Mühe geben können.

Eher peinlich:
Die Zimmerpartner von Boerne sollten wohl als eine Art Running Gag aufgebaut werden. Sie sind allerdings nur platte Witzfiguren.

Fazit:
Niemand kann über gepanschte Chemotherapie-Medikamente lachen. Das Thema ist einfach zu schwer verdaulich für das leichte münsteraner Team. Die Programm-Verantwortlichen sollten solche Themen lieber anderen Ermittlern überlassen. Trotzdem macht es natürlich immer Spaß dem gesamten Ensemble bei der Arbeit zuzusehen – nur diesmal nicht ganz so viel, wie sonst.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10: 6

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Alle Kommentare

  1. Ein seriöser Kritiker sollte das Zitieren schon korrekt beherrschen.

    Richtig war: „Und nicht nur Proktologen kennen sich mit ArschLÖCHERN aus.“

    Wahrscheinlich hat der Rezensent den Tatort gar nicht gesehen. Und selbst wenn, dann unaufmerksam oder nicht vollständig.

    Das war wohl nix – sechs, setzen! Zurück auf die Journalistenschule!

  2. Da liegt der Autor des Artikels aber vol daneben. Es war wieder mal ein guter Tatort! Wir haben uns gestern Abend bestens unterhalten gefühlt. Ich habe das Gefühl, viele schreiben Kritiken nur noch um ihrer Selbst willen. Hier merkt man dem Autor den Zwang an, den Tatort schlecht reden zu wollen. „Nun schreiben Sie aber mal mal was Negatives!“

  3. Sehr spannend und unterhaltsam. Empfehlenswert! Kann die Kritik nicht verstehen. Einzig Herrn Professors Aussage über Hodenkrebs bedingt durch Cannabis Konsum war ein Armutszeugnis. Bei ca. 13 Mio erreichten Zuschauern zerstört sie doch viel der jahrelangen Bemühungen um Aufklärung und Legalisierung auch zu medizinischen Zwecken. Sehr dumm Herr Professor!!! Wer es nicht glaubt: http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/videoblogschneider314.html

  4. Schön wenn sich hier ein Redakteur anmasst für alle zu sprechen ….Niemand kann über gepanschte Chemotherapie-Medikamente lachen..

    Woher die Erkenntnis ??. Soll ein Münsteraner Tatort zum „lachen“ sein ? Oder ansatzweise Probleme anschneiden ? Das es zb. angesprochene Statistiken gibt steht außer Frage.

    By the way. Leider kann ich nicht direkt erkennen ob es sich bei unterer Einblendung „Alexander Becker“ auch um den Autor dieses Artikels handelt.

  5. Thiel und Boerne sind unsere Highlights beim Tatort. Entgegen allen anderen Tatort Charakteren sind sie keine Terrier, die auf Teufel komm raus dem Verdächtigen am Kittel hängen. Gemeinsam mit ihnen zu ermitteln macht Spass. Sich dabei ihre gegenseitig ausstoßenden aber stets freundschaftlichen Bosheiten anzuhören ist das Salz in der Suppe. Dieser Tatort hat mich nicht vom Hocker gehauen aber auch nicht wegschalten bzw. weggehen lassen. Das kann ich von anderen Tatorten der Kollegen nicht immer behaupten! Viel Spass beim Sehen.

  6. Da liegt der Autor aber voll daneben…
    Das war mit Abstand der witzigste Tatort, den ich bisher gesehen habe.
    Jan Liefers hat mal wieder brilliert. Aber vielleicht hat manch einer den feinen Humor nicht verstanden -)
    In jedem Fall besser als Sexualverbrechen und Extremgewalt.
    Bitte unbedingt mehr davon im Tatort.
    Regina

  7. Der Tatort war spitze!
    Kann die Kritik nicht nachvollziehen.
    Vor allem die Dialoge waren wieder hervorragend!
    Weiter so Thiel und Boerne

  8. Sehe ich völlig anders – ich fand die letzten Münster-Folgen zu bemüht überkandidelt, diesmal stimmte die Mischung aus Gags und Story besser. Mir hat’s gefallen.

  9. Klasse, genau auf den Punkt. Nicht jeder traut sich, das beliebteste Tatort-Duo zu kritisieren. Und ganz zu Recht: Durchschnittsware, alles etwas lieblos. Try again Münster. Nächstes Mal

  10. Inhaltlich kann ich über diese Kritik noch nicht viel sagen – ich werde mir meine eigene Meinung bilden, wenn ich den Film gesehen habe… worauf dieser Artikel mir nicht übermäßig viel Lust macht. Allerdings fällt es mir schwer, den Inhalt ernst zu nehmen, wenn der Artikel so vor Tipp- und Sprachfehlern strotzt (Zeichensetzung, Groß- und Kleinschreibung, zweifelhafte Verwendung des Wortes „solide“…). Für einen privaten Blog ist das völlig in Ordnung, aber hier wirkt das ein wenig unprofessionell.

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