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Was hinter den geplatzten Deals der Vox-Startup-Show „Höhle der Löwen“ steckt

Die zweite „Höhle der Löwen“ startet im August bei Vox
Die zweite "Höhle der Löwen" startet im August bei Vox

Mit jeder Folge mehr Zuschauer: Für Vox ist die neue Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" bereits nach vier Wochen eine Erfolgsgeschichte. Gleichzeitig macht sich Kritik breit: Unter dem Druck der Show würden sich Gründer in unfaire Deals zwängen lassen, einige platzen im Nachhinein wieder. In Wahrheit bildet die Show nur einen winzigen Teil der Investment-Realität ab.

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1,84 Millionen Zuschauer zählte das neue Reality-Format „Die Höhle der Löwen“ in dieser Woche und verzeichnet damit, seit der ersten Ausstrahlung vor einem Monat, einen Zuschauerzuwachs. Der Kampf um die Gunst der „Löwen“, bzw. deren Geld, ist in vielerlei Hinsicht interessant: Er gibt Einblicke in die Businesswelt, der Zuschauer lernt was dabei und das Format ist dazu noch unterhaltsam.

Unlängst wurde jedoch Kritik laut, in der Show abgeschlossene Deals seien im Nachhinein gar nicht zustande gekommen. Von den bislang insgesamt zehn Deals handelt es sich dabei um das Autoreinigungsunternehmen Mycleaner, sowie das Wiener Start-up Locca. In beiden Fällen wurden die Deals im Zuge der Nachverhandlungen gekippt, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Deals scheiterten in den Nachverhandlungen

Die Mycleaner-Gründer Abdula Hamed und Slawa Kister revidierten von sich aus ihre Entscheidung, auf den Deal mit Löwin Judith Williams einzugehen. Während der Sendung hatten die beiden keine Gelegenheit das Angebot mit ihren Gesellschaftern und Mitgründern zu abzusprechen. „Nach der Sendung haben wir uns intern intensiv Gedanken gemacht und dazu entschlossen aus mehreren Gründen den Vorschlag von Frau Williams abzulehnen“, erklärt Kister gegenüber MEEDIA. Grundsätzlich habe aber eine Investitionsabsicht bestanden.

Der Deal des Wiener Unternehmens Locca, das kleine Ortungsgeräte für Kinder und Haustiere herstellt und vertreibt, platzte ebenfalls im Zuge der nachträglichen Verhandlungen – diesmal von Seiten des Löwen Frank Thelen. Grund waren fehlende Rechte am Quellcode der Firmen-Software. In einem Interview mit dem Online-Portal Deutsche Startups erklärt Thelen dazu: „Wir konnten nicht darauf vertrauen, das Produkt ohne Ärger mit dem Fremdanbieter in den Markt zu bringen.“ 

Schief lief in diesem Fall aber vor allem die Kommunikation zwischen den Beteiligten. Julian Breitenecker, einer der Gründer von Locca, hatte zuvor bereits angekündigt, die Mängel zu beheben. Im selben Zug nannte er die Löwen als Investoren „schon sehr eigen“, weil die gesamte Risikoprüfung per Email stattgefunden habe. „Man kann nicht acht Jahre Entwicklung in einer Mail versenden. Ich würde einen CEO auf der Stelle feuern, wenn er so leichtfertig mit geistigem Eigentum umgehen würde“, fügte Breitenecker hinzu.  

Investor Frank Thelen verlor daraufhin das Vertrauen in die Locca-Gründer und kündigte an: „Wir werden nicht in Locca oder andere Gesellschaften des Gründers investieren.“ Breiteneckers Aussagen in einigen Medien hätten ihn verärgert. „Ich wollte genau diese unschönen Details nicht in die Öffentlichkeit tragen, damit er von seinen Fehlern lernen kann und dann eine zweite Chance bei anderen hat“, sagte Thelen gegenüber Deutsche Startups.

Die Realität beginnt erst nach der Show
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Hinter den 15-20 Minuten Verhandlungsgespräch in der Sendung stecken also weit mehr Überlegungen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Tatsächlich sitzen Gründer und Löwen oft bis zu zwei Stunden zusammen, bevor eine Entscheidung fällt. Die Sendezeit aber ist begrenzt und so wird der Schlagabtausch auf wenige Minuten eingedampft. Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist lediglich ein Pitch, ein Wettbewerb um Zustimmung und Interesse der Geldgeber. Die echten Verhandlungen beginnen erst nach der Show.

Das ist den Beteiligten aber durchaus bewusst, zumindest wenn man Gründer Slawa Kister Glauben schenkt. Er sagt: „Die gegenseitigen Aussagen müssen vor Vertragsunterzeichnung (…) geprüft werden. Das ist ein vollkommen üblicher Prozess bei allen Join Ventures, Firmenkäufen und Unternehmensbeteiligungen.“

Trotzdem führt die Show-Situation dazu, dass nicht nur auf den Gründern ein unüblicher Druck lastet. Auch die Löwen treffen Entscheidungen, die sie außerhalb der Sendung nicht getroffen hätten. „Es kamen teilweise schwache Gründer in die Show und wir wollten einfach Deals machen“, räumt Frank Thelen ein. Glücklich sei er damit nicht – sollte es eine zweite Staffel geben, würde er anders vorgehen.

Kritiker bemängeln, dass der Zuschauer dadurch eine verzerrte Realität vermittelt bekommt. Als Reality-Show, ist „Die Höhle der Löwen“ aber vor allem eines: eine Show. Show. Hier geht es darum, Wirklichkeit zu inszenieren – nicht, sie abzubilden.

Gutes Marketing für Startups

Genau davon können die Gründer am Ende profitieren, ob mit Deal oder ohne. „Am wichtigsten ist bei so einem Auftritt der Medien- und Werbeeffekt. Dieser ist für ein Startup in der frühen Phase unbezahlbar“, sagte MyCleaner-Gründer Slawa Kister in einem Interview mit Seedwatch. Das Unternehmen hat es mittlerweile geschafft, den Vertrieb ihres Reinigungsmittels im Alleingang voranzutreiben, bestätigte Kister auch gegenüber MEEDIA. Allein während der Sendung sei die Nachfrage in ihrem Online-Shop rapide angestiegen.

Auch Julian Breitenecker von Locca bereut die Teilnahme an der Sendung keineswegs. „Wir hatten seit der Ausstrahlung unglaublich viel Traffic auf der Seite, viele Zuschriften, viele neue Facebook-Fans und alleine in drei Tagen rund 500 Bestellungen“, sagt er. „Ich würde es tatsächlich jedem Startup empfehlen, weil es für das Marketing der Wahnsinn ist.“

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Alle Kommentare

  1. Wenn die „Sendung“ mehr Show als Realität abbildet seien die Fragen erlaubt…Show für was? Man gebe ein bisschen „Halbinformation“ die welche Realität abbilden? Wann beginnt die Desinformation ? Braucht VOX Startups um Werbung zu plazieren?
    Die Einschaltquoten kommen aus welcher „Zielgruppe“? …….

    Zu Herrn Thelen fällt mir sein Interview in Focus ein. Auf die Situation angesprochen….Er führe im Einführungstrailer mit einem Porsche vor…die Antwort…“Da stand grad ein Porsche herum und man hat mich gebeten mit dem mal eine Runde zu drehen…“

    Ein Investor mit einer solchen Denke…oha…Gib mich 1000 Euro und isch lieeebbeee DISCH kaputt ?

    Die Sendung ist peinlich..nur noch peinlich…!

    [ 🙂 denke der Beitrag wird nicht veröffentlicht, trotzdem Danke für den Versuch der Sendung einen „Anstrich“ zu geben ]

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