„Wie wollen wir Zeitung machen?“: DuMont überprüft (mal wieder) seine Digitalstrategie

Will DuMonts „Digitale Transformation“ vorantreiben: Vorstand Robert von Heusinger.
Will DuMonts "Digitale Transformation" vorantreiben: Vorstand Robert von Heusinger.

Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) ist immer noch auf der Suche nach einer langfristigen Ausrichtung für Print und Online. Zu Beginn des Jahres hat die Konzernspitze beide Felder geschäftlich getrennt und auch unter eine eigene redaktionelle Führung gestellt. Wird es dabei bleiben? Eine Projektgruppe soll nun die "Digitale Transformation" untersuchen.

Anzeige

Chefredakteure und Geschäftsführer aller DuMont’schen Standorte hätten sich verständigt, ihre Produkte “an die moderne Mediennutzung” anpassen zu wollen. Das hat die Spitze des Berliner Verlages ihren Mitarbeitern in einem Schreiben, das MEEDIA vorliegt, in der vergangenen Woche mitgeteilt. Auch alle anderen Standorte sollen bereits informiert worden sein.

Die Chefredakteure und Geschäftsführer werden die Funktion eines Art „Aufsichtsrates“ einnehmen, dem MDS-Vorstandsmitglied Robert von Heusinger und stellvertretend DuMont Net-Chef Patrick Wölke vorsitzen. Neben Digital-Chefredakteur Thomas Kemmerer wird von Heusinger auch die operative Gruppenleitung übernehmen, im kommenden Jahr allerdings von Thilo Knott abgelöst, der von Spiegel Online als Chefredakteur Digitale Transformation in den Stab des MDS-Vorstand wechselt. Im Team sollen je ein Mitarbeiter der Berliner Zeitung, der Mitteldeutschen Zeitung, von DuMont Net, dem Kölner Stadt-Anzeiger, der Hamburger Morgenpost sowie zwei Vermarktungsmitarbeiter agieren.

In den kommenden Wochen sollen alle Informationskanäle des Hauses auf den Prüfstand gestellt werden. Am Ende soll ein Konzept erarbeitet werden, das den Umgang mit allen Kanälen definiert und auch einen Plan für die Vermarktung bereitstellt.  Auch eine mögliche Neuorganisation redaktioneller Prozesse sei möglich. Nach einer Testphase beim Kölner Express sowie der Mitteldeutschen Zeitung sollen im März 2015 auch die anderen Medien des Hauses beginnen nach den neuen Ideen arbeiten.

“Auch die Zeitung wird von der Transformation erfasst”

Interessant an den Kölner Plänen ist die Frage, welche Auswirkungen sie auf das noch junge Projekt „Schwarze Null“ haben werden. Zu Beginn des Jahres hatte DuMont das digitale vom analogen Geschäft getrennt, Mitarbeiter für die Online-Medien in eine Tochter ausgegliedert und unter eine eigene Führung von Thomas Kemmerer und Patrick Wölke gestellt. Die beiden sollen dafür Sorge tragen, dass das Digitalgeschäft möglichst rasch den Break-Even erreicht. Nun schreiben die Geschäftsführer und Chefredakteure des Berliner Verlags – Michael Braun, Stefan Hilscher, Brigitte Fehrle und Hans-Peter Buschheuer – an ihre Mitarbeiter, “dass wir unsere Arbeitsorganisation und Produktionsstruktur so verändern, dass die unterschiedlichen Kanäle, mobil, web, app, print, gleichwertig und angemessen bedient werden.” Dies solle geschehen, ohne neue Stellen zu schaffen.

Bedeutet dies, dass die Trennung wieder aufgehoben ist? Projektleiter und Vorstand Robert von Heusinger erklärt gegenüber MEEDIA, die bisherige Strategie sei erweitert worden: „Mit dem Projekt digitale Transformation gehen wir die Sache wieder einmal grundsätzlich an. Wie auf die Mega-Trends Mobile und Bewegtbild reagieren? Wie wollen wir morgen Zeitung machen?“ Die Abtrennung vom Digital- und Printgeschäft sollte ersteres effizienter machen. „Damit sind wir erfolgreich.“

Jetzt stellt sich die Frage, wie das Printgeschäft gesteuert werden soll. Im Berliner Verlag heißt es: “Auch die Zeitung wird von der Transformation erfasst.“ Zwar würden die Berliner Zeitungen weiterhin ein “wichtiger Kanal” sein, der aber “angesichts des sich ändernden Nutzungsverhalten neu durchdacht” werde. Was dies langfristig für die Berliner Print-Medien bedeutet: unklar. „Erst wenn das Konzept für die Marken Berliner Zeitung und Berliner Kurier steht, kann am Standort geplant werden. Kurzum: Ab Sommer 2015 wird’s konkret.“ Laut Heusinger wäre eine Umverteilung vorhandener Ressourcen möglich. „Wir haben immer wieder auch in den Redaktionen gespart, die alten Strukturen aus  glorreichen Zeiten aber oft beibehalten. Auch über diese Strukturen werden wir nachdenken müssen, zumal wenn wir mehr Kollegen für Inhalte auf den digitalen Kanäle einsetzen wollen.“

„Es kann schon sein, dass wir die Trennung von Print und Digital kaum noch aufrecht erhalten können.“

Dafür soll umgeschult werden. Die DuMont-Verlage müssten ihre Leute auf die Digitale Transformation einstellen, meint von Heusinger, selbst ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Berliner Zeitung. „Es kann schon sein, dass wir die Trennung von Print und Digital kaum noch aufrecht erhalten können.“ Dies müsse aber erst noch analysiert werden. „Und sollte es so sein, dann ist das nichts Schlimmes. Im Gegenteil.“

Klar ist, dass die Aufgabe keine einfache wird – und auch weiterhin gespart werden muss. Jüngst bestätigte der Kölner Verlag, dass es bei der Hamburger Morgenpost zu Entlassungen von rund 10 Prozent der Belegschaft kommen wird. Die Betriebsräte befürchten weitere Einsparungen im gesamten Konzern. Über die Umstrukturierungen bei DuMont Schauberg hat MEEDIA  bereits mehrfach berichtet. Nach einer Horror-Bilanz für 2012 konnte der Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer für 2013 wieder schwarze Zahlen verkünden. Nach Abtretung der insolventen Frankfurter Rundschau (und einem damit verbundenen 112-Mio.-Euro-Verlust für 2012) stehen nun wieder 1,6 Millionen Euro unterm Strich. Die Umsätze aber sind weiterhin fallend. Detaillierte Angaben hat MDS nicht gemacht, weshalb unklar bleibt, wie es um das digitale Geschäft wirklich bestellt ist.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Wie auf die Mega-Trends Mobile und Bewegtbild reagieren? Wie wollen wir morgen Zeitung machen?“ Finde den Fehler… 🙂 Weder Mobile noch Bewegtbild brauchen eine „Zeitung“. So wird das nix. Die Kunden informieren sich immer mehr mobil und auf Bildschirmen. Bildschirme sind für Bewegtbild. Das ist kein „Trend“- das ist ganz einfach die Form, in der die Kunden in Zukunft Journalismus und Information konsumieren werden. Wie bei jedem anderem Produkt auch braucht man dann eine effektive, konkurrenzfähige Herstellung und eine Vermarktung die es verkauft. Hat man das erledigt und den Bedarf richtig eingeschätzt dann klappt’s auch mit dem Kunden. 🙂 „Zeitung machen“ liefert ein Produkt, welches man drucken kann. Man kann es drehen, wenden, schrumpfen und kostensparen wie man will- egal. Man kann es an Kiosken verkaufen. Aber in den völlig anderen Märkten Mobil und Bewegtbild wird es leider schlicht nicht gebraucht.

    1. Dem möchte ich als einstiger printdino, der die digitale Transformation schon ein gutes stueck hinter sich hat und mit ihr arbeitet, widersprechen.es kommt vielmehr auf die intelligente crossmedia-vernetzung von print und online und bewegtbildern an.wenn das Gesamtpaket stimmt, erhält der Nutzer qualitaet, die online allein nicht bietet. Die konstantesten erlöskunden fuer neue Medien kommen immer noch aus dem printbereich.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige