Wegen Sparmaßnahmen: Gruner + Jahr setzt Henri Nannen Preis 2015 aus

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© dpa

Vor dem Hintergrund des aktuellen Sparprogramms verordnet Gruner + Jahr dem Henri Nannen Preis im kommenden Jahr eine Pause. Sparmaßnahmen und Stellenabbau würden nicht zu einer feierlichen Preisverleihung mit rotem Teppich passen, heißt es. Die Maßnahme sei aber keine Grundsatzentscheidung gegen den Henri Nannen Preis. Gleichwohl könnte die Pause zum Anlass genommen werden, Art und Weise der Henri-Verleihung grundsätzlich zu überdenken.

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Ein G+J-Sprecher begründet die Henri-Pause gegenüber MEEDIA wie folgt: „Vor dem Hintergrund der kommunizierten Sparmaßnahmen und dem damit verbundenen Stellenabbau hat sich die stern-Chefredaktion gemeinsam mit dem G+J-Vorstand nach intensiver Diskussion entschieden, den Henri Nannen Preis 2015 auszusetzen. Insbesondere die traditionell  in feierlichem Rahmen begangene Preisverleihung erscheint uns in dieser Lage nicht angemessen. Zudem ist davon auszugehen, dass Wettbewerb und Preisverleihung von der fortlaufenden Diskussion um Sparmaßnahmen und Stellenabbau überlagert würden und dass sich auch die Preisträger einem öffentlichen Diskurs stellen müssten, der mit ihrer ausgezeichneten Leistung nichts zu tun hat. Wir wollen nun die Zeit nutzen, um mit den verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen bei G+J und natürlich auch gemeinsam mit den Mitgliedern der HNP-Jury, darüber nachzudenken, wie der Henri Nannen Preis in Zeiten tiefgreifender Veränderungen der Medienlandschaft modernisiert und weiterentwickelt werden kann.“

In der Vergangenheit gab es den einen oder anderen Skandal rund um den Henri. So wurde dem Spiegel-Reporter René Pfister der Preis aberkannt, weil dieser eine Szene aus dem Modellbahnkeller Horst Seehofers nur vom Hörensagen schilderte. SZ-Reporter lehnten den Preis auf offener Bühne ab, weil auch Bild-Reporter für die Enthüllungen rund um Ex-Bundespräsident Christian Wulff ausgezeichnet wurden. Und schließlich kündigte Jacob Appelbaum an, seinen Henri einschmelzen zu lassen, weil er erst spät von angeblichen Nazi-Verwicklungen des Namensgebers Henri Nannen erfahren habe. Von der Einschmelzungs-Aktion hat man freilich seit der Ankündigung nix mehr gehört.

Aber die Skandale und Skandälchen sind nur das eine. Sie machten die Henri-Verleihung jedesmal spannend – wenn sie auch den Veranstaltern manchesmal den Schweiß auf die Stirn trieben. Der Henri Nannen Preis hat sich trotz allem als wichtigster deutscher Journalistenpreis etabliert. Schwerer als die Skandälchen wiegt womöglich die – auch interne – Kritik, dass der Henri sich zu sehr um die alte Print-Welt dreht. Stern, Spiegel, Geo, Zeit und Süddeutsche Zeitung schanzten sich im Wesentlichen gegenseitig die Auszeichnungen zu. Digitales spielte – wenn überhaupt – nur eine Nebenrolle. Auch bei Gruner wurde diskutiert, ob eine gediegene Gala-Veranstaltung mit Smoking und Red Carpet überhaupt noch zeitgemäß ist, während mancher Print-Titel ums Überleben kämpfen.

Und nicht zuletzt ist der Henri Nannen Preis auch ein Kostenfaktor. Die Veranstaltung schlug in der Gruner-Bilanz stets mit rund 1,5 bis 2 Mio. Euro zu Buche. Anders als etwa bei Burdas Bambi wurde beim Henri weitgehend auf Sponsoring verzichtet. Die Henri-Pause ist also vor allem ein Signal, dass nicht geprasst werden soll, während anderswo der Gürtel schmerzhaft enger geschnallt wird. Dass die Pause genutzt werden kann, um über Sinn und Ausrichtung des Henri grundsätzlich nachzudenken, ist womöglich ein willkommener Nebeneffekt.

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Alle Kommentare

  1. Der HNP war nicht erst seit Pfisters Flop opsolet. Dieser dokumentierte nur, dass sich einige elitäre selbsternannte sogenannte Edelfedern die Preise und Pfrüde zuspielten – und irgendwann scheiterten mussten an ihrem Ego. Nein. Der Preis war seit seiner Erfindung als EEK-Preis eine Farce – das Feuer der Schittkauer Mühle war schließlich keine Reportage aus Augenschein sondern eine Märchenerzählung – und HN machte es nicht anders: auch ein Märchenerzähler – so war der Preis. Insofern: Abschaffen, endgültig, für immer, zur Ehre der redlichen Journalisten.

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