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Auch der Spiegel-Betriebsrat stellt sich gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner

Wolfgang Büchner
Wolfgang Büchner

Der umstrittene Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner hat nun auch den Betriebsrat des Hauses gegen sich. Sein Versuch, die beiden renitenten Print-Ressortleiter Armin Mahler und Lothar Gorris mit großzügigen Abfindungen loszuwerden, stößt beim Betriebsrat auf Empörung. Der Betriebsrat hat nun auch einen Protesbrief gegen Büchner geschrieben, der vom Branchendienst Turi2 in voller Länger veröffentlicht wurde. Nun richten sich alle Augen auf die Gesellschafter.

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Protest- bzw. Brandbriefe gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner zu schreiben, ist beim Spiegel derzeit mächtig en vogue. Zuerst haben die Print-Ressortleiter einen Brief verfasst, in dem sie klarstellten, dass sie mit Büchner nicht weiter zusammenarbeiten können und wollen. Nun legt der Betriebsrat nach. In dem von Turi2 veröffentlichten Schreiben heißt es u.a.: „Wir finden es in jeder Hinsicht unverantwortlich, dass die Neubesetzung dieser Stellen schon betrieben wird, während es noch keine Einigung mit den aktuellen Inhabern dieser Stellen gibt. Dabei sollen die beiden Ressortleiter nicht nur ihre Ressortleiterfunktion verlieren, sondern das Haus sogar ganz verlassen. Das stellt eine neue Dimension im Umgang mit Mitarbeitern dar, nämlich einen Kultur- und Tabubruch in unserem Haus. Dieses Vorgehen der Chefredaktion erschreckt, zumal damit der von den Gesellschaftern eingeforderte Konsens einseitig aufgekündigt wird.“ Offenbar sucht Büchner per Aushang schon nach einem Nachfolger für Wirtschafts-Chef Mahler zu Ende September, obwohl er sich mit ihm noch gar nicht geeinigt hat. Büchners Offerte, erstmal zwei Wochen in Urlaub zu gehen, haben Mahler und Gorris jedenfalls abgelehnt.

Der Betriebsrat schreibt weiter: „Es entsteht darüber hinaus der Eindruck, dass sich die Chefredaktion ohne sachlichen Grund und nicht nachvollziehbarer Eile unliebsamer Ressortleiter entledigen will.
Wir befürchten, dass dieses Vorgehen dem Spiegel insgesamt Schaden zufügt und das Vertrauen in die Führung immer weiter abnimmt.“ Nachdem Büchner mit dem Plan, alle Ressortleiterstellen neu auszuschreiben und Print- und Online-Ressortleitungen zusammenzulegen, die Lage eskalieren ließ, versicherte er, dass es ihm keineswegs darum gehe, unliebsame Kritiker aus den Reihen der Print-Ressortleiter loszuwerden. Nun praktiziert er genau das Gegenteil und bestärkt seine ärgsten Kritiker. Büchners Verhalten lässt sich in dieser Frage nicht mehr rational erklären. Außer, er würde es aktiv darauf anlegen, von seinem Posten entbunden zu werden.

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Laut Turi2 soll in der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG nun Druck auf Marianne Wellershoff ausgeübt werden, die sich bisher hinter Büchner gestellt hat. Spiegel-typisch soll dies offenbar mit einer Unterschriftenaktion geschehen. Der nächste „Brandbrief“ folgt vermutlich. Am Mittwoch tagte die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, allerdings ist nicht bekannt mit welchem Ergebnis. Gut möglich, dass sich das Gremium zuerst mit Mit-Gesellschafter Gruner + Jahr abstimmen will. In der Tat sind nun die Gesellschafter gefragt. Wenn sie nicht bald eingreifen und ein Machtwort sprechen, droht sich der Spiegel selbst zu zerlegen. Der Betriebsrat hat bereits angekündigt zu einer Betriebsversammlung einzuladen. Gütlich kann dieser Konflikt offenbar nicht mehr beigelegt werden.

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Alle Kommentare

  1. Differenzieren! Das eine ist die Veränderungsresistenz der Print-Redaktion, das andere das Bulldozer-Verfahren à la Büchner ohne Rücksicht auf Verluste aus verletzter Eitelkeit. Weder das eine, noch das andere kann gut gehen. Der Kardinalfehler von Anfang an war doch Büchner überhaupt zum Chefredakteur zu machen. Ohne journalistisches Gewicht und Profil in einer Redaktion der Alpha-Tiere war das zum Scheitern verurteilt. Man hat den Eindruck es geht beim SPIEGEL nur noch um Umstrukturierung, Online, Vertriebskonzepte. Ein gutes Blatt braucht aber auch gute Themen und Inhalte für die ein Chefredakteur verantwortlich ist.

    1. Die Hintergründe zur Causa Büchner – HSBC habe ich auf LifeGen.de inkl. Schriftverkehr gepostet. Interessierte Leserinnen und Leser können die Files dort auch downloaden.

  2. Sollten Redakteure nicht recherchieren und schreiben statt ihre monatlangen internen Machtspielchen zu pflegen? Wo bleibt der harte Durchgriff des Chefs? Ich bin die ewigen Angriffe auf Büchner leid.

    1. Genau. Sie sollten recherchieren und aufdecken – und genau das hat Büchner nachweislich in einem Geldwäscheskandal verhindert, in dem die britische Großbank HSBC verwickelt ist. Um dann, rein zufällig wie sich versteht, dem SPON eine „Powered by Sage“ Kampagne zu erlauben. Das ist nicht nur redaktionell unabhängige Schleichwerbung – SAGE ist ein enger Geschäftspartner von HSBC. Gegen die Vorgänge ermittelt jetzt übrigens die US Börsenaufsicht SEC. Also: DARUM muss Büchner gehen…

      1. Sehr geehrter Herr Georgescu,

        ist die Tatsache, dass Wolfgang Büchner die Aufdeckung des Geldwäscheskandal nachweislich verhindert hat, irgendwo dokumentiert?

        Vielen Dank für eine Antwort
        Herzlichst, Brig Goldenbaum

        übrigens waren die meisten bei Spon damals ganz froh als WB zur dpa ging – ich machte zu der Zeit grad eine Vertretung bei Spon

  3. Was habt ihr eigentlich alle gegen Büchner? Warum hetzt jeder gegen ihn und nicht gegen die aufsässigen, jedeR Veränderung abgeneigten Redakteure? Was soll die journalistische Hetze?
    Klasse statt Masse. Es sind nicht immer die Ameisen, die Recht haben.

    1. Doch, genau das wäre am besten. Erst wenn das Blatt tot oder wirtschaftlich ruiniert ist und die verbohrten Printler sich den Ast abgesägt haben, auf dem sie sitzen, werden sie vielleicht aufwachen. Kein Kandidat von Format wird sich die Büchner-Nachfolge antun, wenn er weiß, dass er oder sie nur von Gnaden der Print-Ressortchefs handeln kann. Wes Geistes Kind die Printler sind, beweisen sie ja auch mit ihrem Verhalten gegenüber Wellershoff: pures Mobbing!!

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