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Netflix-Gründer Reed Hastings: „Streaming bleibt für die nächsten 100 Jahre“

Mann mit einer globalen Mission: Netflix-Gründer Reed Hastings
Mann mit einer globalen Mission: Netflix-Gründer Reed Hastings

Es ist vielleicht der Launch des Jahres in der Medienindustrie. Zumindest gemessen an der Aufmerksamkeit der Medien selbst. Am Dienstag startete Netflix, die Streaming-Plattform für Serien und Filme aus den USA. MEEDIA war bei der Launch-Party und sprach mit Netflix-Gründer Reed Hastings.

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Mehr als 60 Journalisten werden am Dienstag durch ein angemietetes Haus in Berlin-Friedrichshain geschleust. Am Eingang ein amerikanischer Briefkasten, überall das Netflix-Logo. Am Eingang – „bitte hier nach rechts“ – rein ins Wartezimmer. Dort laufen Netflix-Programme auf einem Großbildschirm. Drei bis vier Journalisten warten auf die Audienz mit Reed Hastings, dem Gründer von Netflix. Erste Texte werden in Laptops gehackt. Mitarbeiterinnen bestellen Shuttles zum Flughafen. Ein Teil des Teams fliegt gleich weiter nach Wien.

Netflix

In einem von mehreren identisch eingerichteten Zimmern – Sofa mit Netflix-Kissen, dahinter eine Wand in Holzoptik mit Bildern von Netflix-Filmen und -Serien – begrüßt Hastings. Ein unauffälliger, aber distinguierter Mittfünfziger. Aufgeräumt, nicht aufgeregt. Abgeklärt. An seiner Seite Kommunikationschef Jonathan Friedland, der im Gegensatz zu seinem Chef eher übellaunig wirkt. So viele Interviews, so viele Fragen. Und vermutlich immer die gleichen Fragen.

„Sind Sie gelangweilt, Herr Hastings?“ „Nein! Das ist hier wie mit dem Zeigen von Kinderfotos. Man will immer noch eins mehr zeigen. Schau mal dies! Und dies!“ Netflix, das ist Hastings‘ Kind. Was Hastings von den vielen Startup-Gründern in Kalifornien unterscheidet – er gründete seinen Laden schon 1997. Der Umsatz seines Unternehmens nähert sich rasant der Grenze von fünf Milliarden Dollar. Das macht selbstsicher.

Auf einem Tisch liegen ausgedruckte Mini-Profile der eingeladenen Journalisten. Hastings legt gleich los, ohne Einstiegsfrage. Warum Deutschland? Wir versuchen es, wir müssen hier sein, es ist ein wichtiger Markt. Ein Journalist fragt: „Warum sind Sie sich so sicher, dass es hier in Deutschland klappt?“ Antwort: „Wir sind nicht sicher.“ Hat er mit Rupert Murdoch über den verflixten deutschen Markt gesprochen? Nicht mit Rupert, aber mit James Murdoch. „It’s tough in Germany“, es wird verdammt hart.

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Aber, und das ist entscheidend – Netflix hat gar keine Alternative zur Welteroberung. Was YouTube für kostenlose Videos ist, will Netflix für bezahlte Streaming-Inhalte werden. Es wäre seltsam, würde Hastings entscheiden, dass der deutsche Markt zu schwierig sei, weil es dort bereits eine Reihe von Konkurrenten gibt, die ebenfalls guten Service und gute Inhalte bieten. Wer so denkt, hat die Mechanismen des digitalen Marktes nicht verstanden.

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Dazu kommt natürlich, dass Hastings nicht mit einem gehypten, aber dafür schlechten Produkt antritt. Sein Produkt ist sehr gut. Es versteht sich von selbst, dass Hastings sagt, Netflix biete die beste Bildqualität, das beste Streaming, „einzigartige“ Inhalte. Neutral betrachtet, bietet Netflix einen sehr guten Service und Inhalte, die als Grundstock gut sind, „good enough“ für den Start, aber sicherlich ausgebaut werden. Eines der wichtigsten Argumente für den US-Anbieter ist aber: die Macher haben die meiste Erfahrung und sie streamen mehr Inhalte als jeder andere Mitbewerber. Sie verfügen über die meisten Nutzer-Daten weltweit. All das sind Wettbewerbsvorteile.

Aber ist es nicht am Ende nur die Marke, die entscheidet, wer bleibt und wer vom Markt verschwindet? Nein, beharrt Hastings, es sei der Service, es seien die Inhalte. Außerdem spreche er gar nicht davon, Wettbewerber zu erledigen. Netflix konkurriere ja gar nicht unbedingt mit den anderen Anbietern. Man konkurriere einzig und allein um die Zeit der Nutzer: „Wir müssen den Wettkampf um die Zeit gewinnen.“ Was ist sein Ziel? In den kommenden Jahren ein Drittel der Haushalte als Abonnenten anwerben.

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Am Abend dann die Netflix-Party in der Komischen Oper in Berlin. Großer Auflauf, mehr als 1.000 geladene Gäste, eine typische Veranstaltung, zu der Medienmenschen gehen, weil es eine Art Status-Termin ist. Wer hier ist, kann am nächsten Morgen mitreden. Dabei passiert an sich nicht viel. Hastings spricht gegen neun Uhr ein bis zwei Sätze, Produktchef Ted Sarandos stellt einige anwesende Schauspieler vor. Dann wieder Party-Geplauder. Viele TV-Manager sind da, auch von RTL, ProSiebenSat.1, natürlich von Produktionsfirmen, die sich Hoffnung auf Aufträge machen.

Auf einer großen Leinwand im Saal laufen Trailer, doch der Saal selber bleibt gesperrt. Zwei Kulissen sind aufgebaut, von den Serien „House of Cards“ und „Orange is the new Black“. Hier gibt’s Whisky und Billard, dort gibt’s eine Gefängniskantine, in der Frauen in orangenen Sträflingsklamotten Parmesanknödel und Schoko-Mousse ausgeben. Später wird noch eine kleine Schlägerei inszeniert, zu der sich die Frauen ankreischen.

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Der Abend in der Komischen Oper und die Organisation der Interviews tagsüber macht klar: der Aufwand, den Netflix treibt, ist hoch, sehr hoch. Aber das Unternehmen hat viel Geld von Investoren im Rücken. Es ist dann eben doch die Marke. Netflix inszeniert sich als cooles digitales Accessoire, als Must-have für Trendsetter. Die Amerikaner mieten die Komische Oper für einen Abend – weil sie es können. Der Buzz ist auf ihrer Seite. Am Ausgang gibt es ein Schächtelchen. Kostenlose Netflix-Abos, auch zum Verteilen an Freunde und Bekannte. Die kleinen Kärtchen werden die Botschaft von Reed Hastings verbreiten: „Streaming wird mindestens für die nächsten hundert Jahre bleiben.“

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