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Was der gescheiterte Springer-Ringier-Deal über die Strategie der beiden Verlage verrät

Springer-CEO Mathias Döpfner (Foto: dpa) und Michael Ringier (Foto: Ringier AG)
Springer-CEO Mathias Döpfner (Foto: dpa) und Michael Ringier (Foto: Ringier AG)

Kein neues Beilagen-Futter für Welt: Wie der Spiegel in seiner neuen Ausgabe berichtet, wollte Springer die beiden Ringier-Magazine Cicero und Monopol übernehmen und als Supplement jeweils einmal pro Monat der Welt beilegen. Seit dem Frühsommer liefen die Verhandlungen. Doch vor gut zwei Wochen wurden die Gespräche dann abgebrochen. Der gescheiterte Deal erlaubt allerdings interessante Einblicke in die Strategie der beiden Verlage.

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So zeigt sich, dass Springer offenbar versucht, über spannende Beilagen die Auflage und Attraktivität der Welt zu stützen. Bislang liegt der Tageszeitung einmal pro Monat das frisch gegründete Monatsmagazin Bilanz bei. Zumindest zum Start soll das Wirtschaftsblatt für ein kräftiges Auflagenplus der Welt am Kiosk gesorgt haben. Ein Kunstmagazin und ein Qualitätstitel zur politischen Kultur würden an weiteren Freitagen das Beilagen-Angebot der Springer-Tageszeitung durchaus abrunden.

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Die Welt am Sonntag praktiziert schon länger eine ähnliche Taktik mit Icon. Die Erscheinungsfrequenz der Mode- und Lifestyle-Beilage wurde zudem gerade erst auf zehn Ausgaben pro Jahr erhöht.

Auf der anderen Seite zeigt der gescheiterte Deal, dass Ringier durchaus bereit wäre, seine Titel zu verkaufen beziehungsweise für Partner offen zu sein scheint. Laut Spiegel sollen die beiden Magazine ein Minus von rund einer Million Euro pro Jahr erwirtschaften.

Allerdings scheint der wirtschaftliche Druck bei Verleger Michael Ringier nicht derart hoch zu sein, dass er um jeden Preis verkaufen will oder muss. So sollen die Verhandlungen auch daran gescheitert sein, dass es den Schweizern nicht gefallen hätte, dass die Magazine künftig billiger produziert werden sollten.

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Gegenüber MEEDIA bestätigte ein Springer-Sprecher die Gespräche. „Es ging dabei um die Überlegung hinsichtlich einer Lizenz- und Beilagen-Strategie, die für beide Seiten eine attraktive Option gewesen wäre und die sich aber aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Umsetzung nicht realisieren ließ. Daher haben beide Seiten beschlossen, die Gespräche hierzu nicht fortzusetzen.“

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Es sollen Gespräche unter Freunden gewesen sein. Denn immerhin arbeiten die Verlage seit vielen Jahren gut zusammen. So bündeln die Unternehmen in der Ringier Axel Springer Media AG, die zu je 50 Prozent von beiden Konzernen gehalten wird, ihr Mittel- und Osteuropa-Geschäft.

Nach dem Deal ist vor dem Deal. Auch wenn die Zusammenarbeit mit Monopol und Cicero vorerst gescheitert ist, lässt sich getrost davon ausgehen, dass Springer nach weiteren Partnern oder potentiellen Beilagen für die Welt Ausschau halten wird. Der Erfolg von Zeit und Süddeutscher Zeitung mit ihren wöchentlichen Magazinen zeigt, dass die Welt-Strategie gute Erfolgsaussichten hat.

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Alle Kommentare

  1. bzgl Springer sind zwei Dinge bemerkenswert:

    1) der Verlag setzt seit fast einem Jahr wieder auf journalistische Inhalte (N24, Gründung Bilanz, Kooperation Politico, jetzt das Interesse an Monopol und Cicero). Die Unkenrufe nach dem Verkauf der Regonalzeitungen und der Programmpresse lagen daneben. Springer will ein Verlagshaus, Döpfner ein Verleger bleiben

    2) Springer entdeckt das Werbegeschäft neu. Dagegen haben viele der oben genannten Projekte (mit Ausnahme von Politico) keine direkte Paid Content-Perspektive

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