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Gratis-U2-Album: Marketing-Debakel für Apple nach Twitter-Shitstorm

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Es war einer der skurrilsten Augenblicke der Apple-Keynote: Tim Cook holte U2 auf die Bühne und kündigte den kostenlosen Download des neuen Albums "Songs of Innocence" an. Doch der vermeintliche Coup wird zum Bumerang: Das Social Web ist voll von Klagen über die 72 MB Speicherplatz, die das Überraschungs-U2-Album unaufgefordert verbraucht.

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Wann ist der perfekte Augenblick um aufzuhören? Diese Frage muss sich Tim Cook genauso gefallen lassen wie U2. Die Keynote lief gut für den Apple-Chef: iPhone 6 (Plus)? Geliefert! Apple Pay? Überraschungserfolg! Apple Watch? Zumindest vielen Tech-Fans gefiel’s! Nach 1:45 Stunden hätte es Cook dabei belassen können, doch der Apple-CEO musste noch eine Band auf die Bühne holen, die offenkundig ihre besten Tage seit einem Jahrzehnt hinter sich hat – U2.

Die irischen Stadionrocker, die mit „The Joshua Tree“ und „Achtung, Baby“ ihre größten Hits vor 27 bzw. 23 Jahren verbuchen konnten, ließen sich tatsächlich im Jahr 2014 vor Apples Karren spannen. Es war nicht das erste Mal, dass die Rocklegenden in einer Keynote des Techpioniers aufgetreten waren. 2004 enthüllten U2 mit Steve Jobs etwa die (Red) Edition des iPod und verkündeten die Verfügbarkeit ihres gesamten Musikarchivs auf iTunes.

Skurriler Bühnen-Auftritt von U2 und Tim Cook

Doch zehn Jahre später lief irgendwas bei der Präsentation des Gratis-Downloads von „Songs of Innocence“ für die 500 Millionen iTunes-Kunden schief. Tim Cook wirkte auf der Bühne des Flint Centers plötzlich wieder steif wie zu schlechtesten Keynotes, Bono wie ein alternder Rockstar, der nach den millionenschweren Knochen springen muss, die ihm hingeworfen werden – entsprechend demütig verbeugte er sich vor Cook und huldigte dem Apple-Boss als „Zen-Meister“.

Im Zeitalter von Streaming-Diensten wie Spotify, die Musik gratis mit Werbeunterbrechungen anbieten, wirkt das 72 MB schwere Download-Geschenk so antiquiert wie vergiftet. Es sieht aus, als wollte Apple das Vorab-Album von Jay Z bei Samsung kontern, das der HipHiop-Superstar im vergangenen Jahr dem koreanischen Techriesen gegen einen millionenschweren Marketingdeal zur Verfügung stellte.

Web spottetet über U2-Gratisalbum 

Das Problem: U2 ist nicht Jay Z, sondern eine Band, die vielleicht dem gealterteren Apple-Vorstand gefällt, aber nicht unbedingt mehr den zeitgemäßen Geschmack der coolen Käuferschaft trifft. Und entsprechend fielen dann auch die Tweets aus, die wenig später nach dem erzwungenen Gratis-Download zirkulierten.

Tim Cook wird nach seiner 2 Stunden 3 Minuten langen Keynote gelernt haben: Manchmal ist weniger eben doch mehr…

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Alle Kommentare

  1. Herr Jacobsen, wer keine Ahnung hat sollte die Klappe halten. Ich hoffe nur, Sie sind ein harmloser Idiot, der irgendwas mit Medien macht.

  2. naja, etwas unbeholfen und unnötig fand ich die Aktion bei der Keynote auch. Ich finde allerdings grundsätzlich, dass solche Kurz-Auftritte von Bands bei jeder Art von Produktvorstellung irgendwie deplatziert, affig und hölzern wirken. Selbst bei den MTV Music-Award war das ja oft so 😉 ….das sollte einfach grundsätzlich lassen.

  3. Ach hier ist Herr Jacobsen abgeblieben… nachdem er bei Maclife regelrecht geschäftsschädigend seine „speziellen“ Ansichten kundtat und sich massenhaft Leser beschwerten.
    Naja, dann weiß ich ja schon einmal, welches Medium ich nicht mehr lese.

  4. Daher das Unbehagen, was viele (immer noch) mit den sozialen Medien und den so genannten Digital Natives haben…

    Während Ebola in Afrika droht die ganze Infrastruktur zu zerstören und Journalisten von IS geköpft werden, hält das Netz einen gratis Download von U2 für echt schlimm.
    Und noch empörender: beim Shitstormen werden die Twitterer auch noch von der NSA ausspioniert.
    Oh Mann.

  5. Mal von der anderen Seite betrachtet: Was sind 72 MB? Wer das Album vernünftig, also nicht als MP3 hören will, kann mit diesem Download eh nichts anfangen. Über Musikgeschmack lässt sich streiten, über (technische) Qualität nicht.

  6. Sorry, aber das ist doch totaler bullshit! Das Album ist großartig, ich habe es gestern allein 3mal gehört. Ich bin 47 und mit Sicherheit mitten in der Zielgruppe. Ein paar Jährchen sollte man nämlich schon gearbeitet haben, um sich die Apple-Spielzeuge leisten zu können. Und wo ist das Problem? Ob es ich es downloade, bestimme ich doch selbst. Jede Spiele-App hat ein paar MB heutzutage, so what? Wie sagt der Volksmund völlig old school: Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul! U2 gehört zu den größten und erfolgreichsten Bands auf diesem Planeten, übrigens ganz egal, ob man sie mag oder nicht. Und wer Robert Plant auf dem iTunes-Festival gesehen hat, der macht gute Musik garantiert nicht am Alter fest. Bullshit!

  7. Es mag ja sein, dass U2 nicht mehr den geschmack der „Coolen Käuferschicht“ entspricht, aber da sowohl iPhones als auch iPads in Massen von weniger coolen Geschäftsleuten bis hinauf zum Vorstand großer Unternehmen gekauft und genutzt werden, kann sich Apple nicht allein auf JayZ und die „coolen“ Musiker stützen, denn damit lockt man die Geschäftswelt schwerer hinter dem Ofen hervor. Der tablet-Markt zum Beispiel ist überwiegend gesättigt, was B2C anbelangt. Auch auf der IFA hörte man deutlich, dass die Hersteller der Geräte, auch Smartphones, nun auf B2B einschwenken werden, da hier noch Wachstumspotential besteht. Und cih zweifele nicht daran, dass man in diesen Bereichen mit U2 mehr Käufer erreicht als mit JayZ.
    Nun kann man mir natürlich vorwerfen, als Fan von U2 ohnehin voreingenommen zu sein, denn ich habe mich sehr über das Geschenk gefreut. Aber generell kann Apple nicht allein dank der „Coolen Käuferschicht“ bestehen. Sie brauchen auch die nicht so coolen Business-Kunden. Daher ist hier viel Geschrei um nichts.

  8. U2 haben vor drei Jahren die offiziell erfolgreichste Tour aller Zeiten (!) abgeschlossen… oder, um es mit Nils Jacobsen zu sagen: „haben ihre besten Tage seit einem Jahrzehnt hinter sich.“

    1. Mit der ganz nebenbei größten und aufwändigsten Bühnenkonstruktion aller Zeiten (die erste 360 Grad Bühne). Mal ganz davon ab war das letzte Jay-Z Album Schrott (weil Timbaland anscheinend wirklich seine besten Jahre hinter sich hat)…da trau ich U2 mehr zu

  9. Wer ein Problem mit – 72 MB Speicherkapazität wegen eines Albums hat, der hat in Wahrheit ganz andere Probleme mit seinem iDevice.
    Und wenn man obendrein sein System im Griff hat, dann wird auch nichts! automatisch drauf geladen, was man nicht selber möchte.
    Jaja .. es könnte wie immer so einfach sein;-)

  10. Manchmal könnten all die Shitter aufhören wie senile Alte jeden Pupsgedanken in der Öffentlichkeit unter sich zu machen und auf die eigene Toilette gehen.

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