Büchners zahme Replik auf den Brandbrief der Spiegel-Ressortleiter

Wolfgang Büchner
Wolfgang Büchner

Mit einem Brandbrief haben sich alle zwölf Print-Ressortleiter des Spiegel jüngst von der Strategie ihres Chefredakteurs Wolfgang Büchner distanziert. Vor allem die geplante Zusammenlegung der Ressortleitungen von Print und Online stößt auf scharfen Widerstand. Büchner antwortet den Ressortleitern nun seinerseits mit einem Brief, der erkennbar bemüht ist, die Schärfe aus dem Konflikt zu nehmen. Dabei aber auch erstaunlich zahm bleibt.

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Der Brandbrief der Spiegel-Ressortleiter  an die Gesellschafter vom 8. September ließ an Deutlichkeit nichts vermissen. Das ausführliche Schreiben (das hier von MEEDIA dokumentiert wurde) war eine erneute Abrechnung mit dem Konzept von Chefredakteur Wolfgang Büchner. Ein weiteres Signal der Print-Ressortleiter, dass sie mit Büchner nicht mehr zusammenarbeiten wollen. Hier nun Büchners Replik im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 8. September 2014.

Es freut mich, dass Sie sich intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir die Strukturen so weiterentwickeln können, dass davon sowohl DER SPIEGEL als auch SPIEGEL ONLINE profitieren. Es ist gut, dass wir nun miteinander über den besten Weg diskutieren, wie wir die Kompetenzen und Energien der Redaktionen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE zum Vorteil des gesamten Unternehmens gemeinsam nutzen können.

Wie Sie wissen, führe ich in diesen Tagen ausführliche Gespräche mit den Ressortleitern von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE über unsere Digitalisierungsstrategie „SPIEGEL 3.0“. Diese Gespräche werden in Kürze abgeschlossen sein.

Nach Abschluss dieser Phase freue ich mich darauf, mit Ihnen sowie den Ressortleitern von SPIEGEL ONLINE ausführlich über die Ausgestaltung der künftigen Ressortleitungen zu diskutieren und alle sich daraus ergebenden Fragen zu besprechen.

Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld, eine Einladung für den weiteren Austausch geht Ihnen rechtzeitig zu.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Büchner

Es wirkt fast, als habe Wolfgang Büchner den ersten Brief der Ressortleiter nicht gelesen. Er „freut sich“, dass diese sich „intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir die Strukturen so weiterentwickeln können“. Die Ressortleiter machen eine klare Kampfansage und Büchner „freut sich“.  Inhaltlich setzt sich Büchner überhaupt nicht mit den Vorwürfen und Kritikpunkten der Ressortleiter auseinander. Es handelt sich hier um ein hoch diplomatisches Schreiben ohne echten Inhalt. Tatsächlich dürfte die sehr weiche und zahme Antwort Büchners vor allem als Signal nach außen gewertet werden. Motto: An ihm soll es nicht liegen, wenn das Tischtuch endgültig zerschnitten wird. Das ist die einzige Botschaft, die sich aus Büchners Antwort herauslesen lässt. Im Prinzip muss die Debatte, wie der Spiegel nach dem Chefredakteur Büchner geführt werden kann hinter den Kulissen bereits auf Hochtouren laufen.

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