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„Kleinkariertes Denken hilft nicht“: Springer-Chef Döpfner peilt Ergebnis von 1 Milliarde Euro an

Springer-CEO Mathias Döpfner
Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner

Springer-Chef Mathias Döpfner hat auf einer Management-Tagung einen Wachstumskurs ausgerufen. Ab sofort gehe es "ohne Wenn und Aber" um die Größe des Unternehmens. Ein EBITDA von einer Milliarde Euro sei "absolut möglich". Im vergangenen Jahr erreichte Springer etwa die Hälfte, also knapp eine halbe Milliarde Euro. Döpfner: "Kleinkariertes Denken hilft nicht".

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Döpfner hatte seine Rede am 28. August in Berlin gehalten. Premiere: die Manager unterhielten sich auf Englisch. Schließlich stammten vierzig Prozent der Mitarbeiter aus dem Ausland, vierzig Prozent der Erlöse ebenso. Neben einigen Döpfner-Standards gab es eine Reihe von interessanten Bemerkungen. Darunter vor allem das ausgerufene Ziel von einer Milliarde EBITDA, also dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. 2013 lag das bereinigte EBITDA des Konzerns bei 454 Millionen Euro.

Ein offizielles Video von der Konferenz gibt es auch:

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Die wichtigsten (übersetzten) Döpfner-Zitate aus der Rede:

  • „Ich erinnere mich noch an mein erstes Führungskräftetreffen bei Axel Springer im Jahr 2001. Zu der Zeit war Axel Springer ein sehr männliches, sehr weißes deutsches Unternehmen, und frei heraus gesagt: es gab ein gewisses Maß an negativen Schwingungen im Saal. Heute sind wir bedauerlicherweise zwar immer noch relativ männlich – wir haben hier heute einen Frauenanteil von etwa zwanzig Prozent. Das reicht nicht, aber wir sind schon deutlich vielfältiger, und, wie ich gesagt habe: Wir sind viel internationaler und ein vollkommen anderes Unternehmen.“
  • „Das EBITDA der von uns verkauften Unternehmensteile war im Zeitraum von Januar bis April dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich rückläufig, während unsere deutschen Bezahlmodelle unverändert starke Erlöse verzeichneten. Dies ist ein klares Zeichen, dass es für uns der richtige Schritt war. Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich auch aus Sicht der Funke Gruppe als der richtige Schritt erweisen wird und dass dort die beste Heimat für die Zeitungen ist.“ (über den Verkauf von Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, Hörzu und Co. an Funke)
  • „Wir können es uns nicht leisten, auf der einen Seite die analoge Fraktion zu haben, die an der Vergangenheit festhält, und die digitale Fraktion auf der anderen Seite, die an der Zukunft arbeitet. Dies schafft Gewinner und Verlierer.“
  • „Wir sind ein operatives Unternehmen und keine Finanzholding, die ihre Finanzbeteiligungen hält. Dies ist mir sehr wichtig….Wir sind definitiv keine Holding. Wir wollen auch keine Holding werden, sondern wir bleiben ein Unternehmen und, was noch wichtiger ist: Wir bleiben ein Unternehmen im Familienbesitz.“ (über ein Zitat aus dem vergangenen Jahr – Döpfner hatte gesagt, Springer sei „eine operative Holding“)
  • „Ich bin vom Familiengeist zutiefst überzeugt und sagte 2001 in meiner ersten Rede, in der ich die neue Strategie vorstellte: ‚Das Vorbild für dieses Unternehmen muss immer das der Familie sein….‘ Wir bleiben diesem Modell eines Familienunternehmens treu. Wir mögen eine Patchworkfamilie sein, keine Frage, aber die Patchworkfamilie ist schließlich die moderne Version der Familie, mir gefällt das!“
  • „Journalismus ist und bleibt unser genetischer Code.“
  • „Die Transformation des Konzepts von Papier ist faszinierend….Ich warte auf den Moment, an dem Papier elektronisches Papier ist….Auf diesen Moment warte ich seit 2003 und freue mich daher sehr auf die erste Septemberwoche, wenn wir uns mit Vertretern des Topmanagements von Samsung treffen, die uns den Prototyp des ersten von Samsung hergestellten faltbaren Geräts zeigen wollen. Es wird sich dabei um einen faltbaren Bildschirm handeln, vermutlich nicht das, was ich gerade beschrieben habe, aber auf jeden Fall etwas anderes als ein Tablet.“
  • „Wenn nämlich ein Monopolist, der sich von einer Suchmaschine zu einer Werbeplattform gewandelt hat, seine marktbeherrschende Macht missbraucht und in der Lage ist, die Reichweite von Ladenzeile innerhalb eines Tages um siebzig Prozent zu drücken, wird die Gefahr deutlich: Die Gefahr besteht für Ihr Geschäft, und dies gilt auch für etliche Unternehmen, für Rubrikenanzeigen, Vermarktungsmodelle und selbstverständlich für Preisvergleiche.“ (über Google)
  • „Mir ist es vollkommen egal, ob Sie hier in Shorts, Flip-Flops, in Jeans und T-Shirt oder in Anzug und Krawatte herkommen. All dies spielt keine Rolle. Es ist mir auch egal, wo Sie arbeiten – ob Sie von morgens neun Uhr bis zehn Uhr abends im Büro arbeiten oder ob Sie im Strandcafé sitzen, tolle Dinge tun und Präsentationen für potenzielle Anzeigenkunden erstellen. Mit ist es egal, wo Sie arbeiten. Mir ist es egal, wann Sie arbeiten. Mir ist es egal, wie Sie arbeiten. Mir liegt allein an der Leistung und an Ihrem Beitrag zum Wert von Axel Springer.“
  • „Jetzt, im nächsten Schritt, geht es ohne Wenn und Aber um Wachstum. Allein Kosten zu sparen, umzubauen oder dergleichen Maßnahmen zu ergreifen, führt uns nirgendwohin. Wir müssen uns jetzt auf das Wachstum konzentrieren und in diesem Zusammenhang im großen Maßstab denken. Kleinkariertes Denken hilft nicht. Warum sollte Axel Springer kein Unternehmen sein, das einen EBITDA von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr erreicht? Warum sollte Axel Springer kein Unternehmen sein, das eine Marktkapitalisierung von zehn Milliarden Euro und einen Börsenkurs von einhundert Euro erreicht? Warum ist das nicht möglich? Einige der Finanzexperten im Unternehmen sagen mir: ‚Hör auf zu träumen! Das ist unrealistisch. Das schaffen wir nicht.‘ Gut, es steht mir nicht zu, an dieser Stelle ein solches Ziel vorzugeben. Ich kann Sie aber auffordern, mich dabei zu unterstützen, das Ziel zu erreichen. Warum denn nicht? Eine Milliarde EBITDA ist absolut möglich, wenn wir dies wollen und die Chancen nutzen – und vielleicht können Sie mir helfen, zu beweisen, dass die Controller irren.“ (aktuell steht die Aktie bei 45 Euro)
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