„Brutaler Einschnitt“: stern-Redaktion protestiert gegen 26 Kündigungen

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G+J-Chefin Julia Jäkel

Publishing Die Redaktion des stern hat mit einem Offenen Brief auf die Ankündigung des Verlags Gruner + Jahr reagiert. 26 Mitarbeitern soll betriebsbedingt gekündigt werden (MEEDIA berichtete). "Wir glauben nicht, dass Entlassungen ein Weg aus der Medienkrise sind", heißt es in dem Schreiben. Der Einschnitt sei "brutal".

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Konkret fordert die Redaktion Vorstandschefin Julia Jäkel auf, die Kündigungen nicht auszusprechen. Schließlich schreibe sowohl der stern wie auch G+J schwarze Zahlen. Die Redaktion werde durch die 26 Stellen, die wegfallen sollen, „nachhaltig beschädigt“.

Die Sparpolitik sei zudem „zutiefst ungerecht“. Es fielen u.a. Stellen weg in der Bildbearbeitung, der Bildredaktion, dem Leserdienst, in der Info-Grafik. Man entledige sich der Mitarbeiter, darunter viele Frauen, „die mit wirklich großem Fleiß viel Arbeit übernommen haben“. Die Redaktion sei für Jäkel und den restlichen G+J-Vorstand „nur noch ein Kostenfaktor“.

Vor allem Vorstandschefin Jäkel wird harsch kritisiert. Sie tue nun das Gegenteil dessen, was sie vor eineinhalb Jahren bei ihrem Antritt versprochen habe, nämlich einen „Aufbruch“ wagen. Insgesamt sollen über einen längeren Zeitraum bei G+J 400 Stellen abgebaut werden.

Nichtsdestotrotz wurde beim stern schon vor dem nun angekündigten Stellenabbau gespart – dabei fielen auch Stellen weg. Dies sei aber bisher „mit Augenmaß“ geschehen, bescheinigt die nicht namentlich gekennzeichnete Redaktion. Im Umfeld des Magazins heißt es, dass der Protest sich nicht nur auf den Brief beschränken, sondern weitere Aktionen folgen könnten.

MEEDIA dokumentiert den kompletten Brief:

           Offener Brief an den Vorstand unseres Verlages Gruner+Jahr

Der Vorstand unseres Verlages Gruner+Jahr will 26 Kollegen des stern betriebsbedingt kündigen. Die gesamte Redaktion fordert den Vorstand nach ihrer am Vollversammlung am 9. September auf, diese Kündigungen nicht auszusprechen. Gruner + Jahr und insbesondere der stern schreiben nach wie vor schwarze Zahlen. Wir glauben nicht, dass Entlassungen ein Weg aus der Medienkrise sind.

Der stern hat in den vergangenen Jahren gespart. Sachkosten, Personalkosten. Kolleginnen und Kollegen sind gegangen, vorzeitig, und in Altersteilzeit. Das ist leise, unaufgeregt, mit Augenmaß über die Bühne gegangen, und so, dass die journalistische Leistungsfähigkeit weitestgehend erhalten blieb. Sparen allein ist kein Konzept. Was wir jetzt erleben, ist ein brutaler Einschnitt, der die Redaktion nachhaltig beschädigt – und der zutiefst ungerecht ist.

Es trifft Kollegen, die exzellente Arbeit leisten: in der für uns so wichtigen Bildbearbeitung, in der Bildredaktion, dem Leserdienst, bei Gesund Leben, in der Außendarstellung mit den redaktionellen Initiativen und in der Info-Grafik. Die Info-Grafiken des stern sind in den vergangenen Jahren immer wieder mit Preisen ausgezeichnet worden.

Eine Kollegin der Fotoredaktion schrieb uns zu den Entlassungen in ihrer Abteilung: „Man entledigt sich der Frauen, die mit wirklich großem Fleiß viel Arbeit übernommen haben und uns damit den Rücken freigehalten haben. Mit ihrem Wissen und Können werden sie uns nicht nur fehlen, sondern womöglich auch der Konkurrenz dienen. Das Signal, das an uns gesendet wird, ist: egal, ob fleißig, egal, ob guter Job, egal ob Engagement, egal, ob Wissen und Können vorhanden – wenn Du die falsche Kostenstelle hast, hast Du Pech.“

Die Redaktionen waren immer das Herz des Verlages. Heute sind sie nur noch ein Kostenfaktor. Frau Jäkel: Qualität hat ihren Preis. Der Preis sind die Personalkosten. Der Preis Ihres sogenannten „Effizienz-Programmes“ sind die Menschen, die gehen müssen. Die sich nicht mehr begeistern dürfen für ihr Tun. Das ist exakt das Gegenteil dessen, was Sie vor eineinhalb Jahren sagten, als Sie das Haus auf einen großen Aufbruch einschworen.

Die Redaktion des stern
Hamburg, den 9. September 2014

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Alle Kommentare

  1. Sinkende Auflagen liegen daran, dass sich immer mehr Bürger von den Mainstreammedien nicht mehr belügen lassen wollen, auch wenn der Bundeshosenanzug aus dem Kanzleramt das so bestimmt. Früher gab es das „Neue Deutschland“ Heute sehen wir kaum noch einen Unterschied!

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