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Jigar Mehta über den Medienwandel: „Wir sollten einen Schlachtplan entwickeln“

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Innovations-Spezialist Jigar Mehta beim Scoopcamp

"Wir sollten einen Schlachtplan für die Zukunft der Medienbranche entwickeln", sagt Jigar Mehta, ein Spezialist für Innovationen in der Medienbranche. Der ehemalige Videojournalist der New York Times war einer der Hauptredner beim Scoopcamp in Hamburg. Mit MEEDIA sprach er über die Folgen des "Media Innovation Report" der New York Times und über die schwierige Zusammenarbeit zwischen Medienunternehmen und Start-ups.

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Was ist das größte Hindernis, wenn man klassische Medienunternehmen und Start-ups zusammenbringen will?
Du musst Leute innerhalb der Medienunternehmen finden, die sich zu den Anwälten der Gründer machen. Die diese wenn nötig auch gegen Widerstände blocken. Die als Übersetzer, als Vermittler tätig werden. In der Regel müssen das Manager zusätzlich zu ihren übrigen Aufgaben übernehmen. Für Gründer sind Medienmarken wie HuffingtonPost und BuzzFeed etwas interessanter, weil ihre Gründer selbst Start-up-Unternehmer sind. Sie verstehen wie es ist, ein junges Start-up zu gründen, die haben Mitgefühl.

Das heißt: Innovatoren arbeiten lieber mit anderen Innovatoren zusammen?
Ja. Aber es gibt natürlich auch Beispiele, wo Gründer es mit etablierten Medienkonzernen versuchen. Rupert Murdochs News Corp. (heute 21st Century Fox, d. Red.) kaufte Ende 2013 die Soial News-Plattform Storyful. Das Unternehmen soll weiter eigenständig geführt werden.

Sehen Sie zurzeit mehr Erfolge oder mehr Misserfolge, bei der Integration oder Zusammenarbeit zwischen Konzernen und Start-ups?
Zurzeit mehr Misserfolge. Das liegt daran, dass es den handelnden Personen in den Medienunternehmen nicht gelingt, Win-Win-Situationen zu schaffen. Die wollen mit dem Kauf eines Start-ups in erster Linie nur Probleme des Konzerns lösen. Oder sie wollen das Start-up vom Markt wegkaufen. Sie denken also in erster Linie an ihr Interesse. Es muss aber gelingen, dass die Gründer ihr Unternehmen auch weiterentwickeln können.

Gibt es eigentlich viele Talente, die für inhaltegetriebenen Start-ups arbeiten wollen oder selber welche gründen? Das schnelle Geld lässt sich da ja eher nicht machen.
Medienunternehmen müssten sich besser in die Welt der Gründer hineindenken. Bis es in der klassischen Medienbranche zu einem Deal kommt, können schon mal neun Monate vergehen. Für ein Start-up ist das eine sehr sehr lange Zeit. Wenn dann beispielsweise ein Verlag irgendwann beim Start-up anruft und sagt: wir wollen den Deal machen – dann kann die Antwort schon mal lauten: aber wir haben unseren Laden doch schon dichtgemacht. Oder, solche Beispiele gibt es auch – die Medienunternehmen schauen sich ein Start-up genau an, kaufen es dann aber nicht, sondern bauen das Konzept einfach nach.

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Sie waren auch unter den Experten, die für den New York Times Innovation Report befragt wurden. Der sagt im Kern, dass sich das Unternehmen, die Marke immer noch zu langsam in der digitalen Welt weiterentwickelt. Was macht diesen Report so besonders?
Das, was im Report steht – darüber reden wir eigentlich schon seit etwa sechs Jahren. Es ist die Art und Weise, wie der Report geschrieben ist – es ist so, als ob endlich die Zeichen der Zeit verstanden wurden. Als Medienunternehmen ist es nicht möglich, den Report zu lesen und nicht…

…in Panik zu verfallen?
Nein. Obwohl, das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Was ich meine – der Klimawandel in den Medien wird real. Es passiert. Du kannst weiter dein altes Geschäft betreiben, vielleicht für zehn Jahre. Oder du kannst sagen: ich weiß, wohin es geht und ich verhalte mich danach. Wir müssen uns auf der Stelle drehen, unsere Richtung ändern. BuzzFeed etwa ist total für das Jahr 2014 gemacht. Es gibt dagegen eine ganze Generation von Leuten, die den Wert der New York Times als Institution sehen, sie aber nicht lesen. Wir sollten also eine Schlachtplan entwickeln und uns danach verhalten. Viele Leute haben eine Strategie, aber nur wenige setzen sie dann auch um.

Jigar Mehta war am vergangenen Donnerstag einer der Hauptredner beim Scoopcamp 2014 (MEEDIA ist Medienpartner). Er ist Media Innovation Strategist, Digital Entrepreneur und Journalist. Er arbeitet an der Schnittstelle von Medien, Technologie und Innovation. Er war Gründungsmitglied von Matter Ventures, einem Startup Accelerator, der Gründer unterstützt und in Medienunternehmen investiert, die mit modernen und gewinnbringenden Formaten das Ziel einer informierten, und vernetzten Gesellschaft verfolgen. Zuvor war er an der Gründung von Groupstream beteiligt, einer kollaborativen Storytelling Plattform, die aus dem im Netz geborenen Projekt „18 Days in Egypt“ entstand. Mehta war 2010 John S. Knight Stipendiat an der Stanford University und arbeitete zuvor als Reporter und Videojournalist bei der New York Times.

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