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Weniger mobile Nutzer, dafür stärkere Bindung: das gläserne Bezahlmodell der Rhein-Zeitung

Marcus Schwarze: der  Digitalchef verlässt die Rhein-Zeitung mit noch unbekanntem Ziel
Marcus Schwarze: der Digitalchef verlässt die Rhein-Zeitung mit noch unbekanntem Ziel

Die Rhein-Zeitung macht weiter ernst mit ihrem Vorhaben, die Entwicklung der Nutzerzahlen im Netz nach Einführung der Bezahlschranke vollkommen transparent zu machen. Ein Experiment, das vorbildlich ist - und das sich jeder Regionalzeitungsmacher in Deutschland genau anschauen wird. Es gibt sowohl positive wie negative Effekte.

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Marcus Schwarze, der Digitalchef der Regionalzeitung mit Sitz in Koblenz, schlüsselt das Nutzer- und Abonnentenverhalten für den zurückliegenden August auf. Ende Juli hatte die Zeitung angekündigt, ab sofort seien nur noch zwei Artikel im Monat kostenlos auf der Seite zu lesen. Zuvor lag die Zahl der freien Artikel bei zehn im Monat.

„Voll aufgegangen“ sei die Strategie, die Website „zu einem Portal vorrangig für Abonnenten und Leser zu machen“. Mit anderen Worten: flüchtige Leser oder die sogenannten „fly-bys“, die zufällig auf die Seite kommen und dann auf Nimmerwiedersehen weg sind, sind für die Koblenzer nicht mehr wichtig. Dahinter steht der Gedanke des „Leser-Klubs“ – gepflegt werden sollen die Leser, die zahlen, die besonders loyal sind, die man darum auch besser monetarisieren kann, weil man ihre Namen und ggf. auch zusätzliche Daten hat.

Die wichtigsten Erkenntnisse nach der Verschärfung der Regeln:

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  • Gegenüber dem Vormonat Juli sank die Zahl der Visits um 17 Prozent auf 2,41 Millionen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Visits dagegen um 6 Prozent. Wobei die Rhein-Zeitung ihre Reichweite über die Jahre kontinuierlich steigern konnte – das ist ein Langzeittrend.
  • Die mobilen Visits sanken deutlich um 30 Prozent gegenüber dem Vormonat (Vorjahreswerte gibt es nicht, weil es damals noch kein separates Mobilportal gab). Schwarze führt dies auf die geringere Neigung von Abonnenten zurück, sich mobil mit den Zugangsdaten anzumelden. Gesichert ist diese Vermutung letztlich nicht.
  • Die gesamten Zugriffe auf die Seite sanken gegenüber dem Vorjahresmonat um 12 Prozent auf 9,3 Millionen. Der Rückgang sei „nicht so leicht erklärbar“, es könne sich aber gut um Sondereffekte handeln. Ein Blick in die Statistik der meisten Portale zeigt, dass die Zugriffszahlen anders als die Visits größeren Schwankungen ausgesetzt sind.
  • Beim Kundencenter der Zeitung liefen offenbar die Telefone heiß. Die Abonnenten wollten ihre Online-Zugangsdaten erfragen. Die Zahl der registrierten Nutzer stieg um knapp 25 Prozent auf 22.850. Darin enthalten: 9.231 Abonnenten des E-Paper (Vormonat: 8.936).
  • Im August verkauft wurden 432 Tagespässe für 90 Cent (Vormonat 110), 72 Monatspässe für 6,90 Euro (32) und 168 Web-Abos für 5,90 Euro im Monat (135). Ergibt die Summe von 1.876,90 Euro. Kleines Geld, so Schwarze, aber: „Es lohnt sich, die aufwendigen Internet-Mechaniken für den Einzelverkauf von Zugängen zu entwickeln und bereitzustellen.“

Für die Kollegen in anderen Regionalzeitungsverlagen heißt das: bitte vergleichen Sie jetzt!

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