Roboterjournalismus: SID und Burda interessieren sich für Text-Automatisierung

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Publishing Roboterjournalismus könnte schon bald auch in Deutschland in der Praxis zum Einsatz kommen. Nach Informationen von MEEDIA und WirtschaftsWoche verhandelt der Sport-Informations-Dienst derzeit mit der Kommunikationsagentur Aexea über eine Kooperation. Aexea gehört zu der Handvoll Pioniere in Deutschland, die mit der Produktion von automatisierten Texten experimentieren. Auch Burda Media zeigt Interesse.

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Die finalen Unterschriften der Vertragspartner stehen zwar noch aus. Die Verhandlungen zwischen dem SID und der Stuttgarter Agentur, die sich auf die Erstellung automatisch generierter Inhalte spezialisiert hat, sind offenbar aber sehr weit fortgeschritten. Jens Wagner, Technik-Chef beim Sport-Informationsdienst, bestätigt, dass sich das Unternehmen in den „letzten Feinabstimmungen“ mit Aexea befinde.

Der SID beschäftigt an seinem Hauptstandort Köln sowie in Büros in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und München eigenen Angaben zufolge rund 75 feste und über 100 freie Mitarbeiter, die Redaktionen, Verbände und Vereine mit Sportnachrichten beliefern. Dabei wirbt der SID mit ausgebildeten Fachjournalisten, die „höchste journalistische Qualität“ gewährleisten. Mit Details zu einer potentiellen Kooperation hält sich das Unternehmen zurück. Auch über generelle Vorstellungen, wie Algorithmen angewendet werden könnten, und welche Erwartungen die Nachrichtenagentur an die Technologie hat, will Wagner nicht weiter sprechen.

Es liegen derzeit also keine Informationen vor, wie eine Zusammenarbeit zwischen dem Medienunternehmen und Aexea konkret aussehen könnte. Vor einigen Monaten kündigte die Agentur an, auf der Suche nach einem Partner für ein eigenes, vollautomatisiertes Sportportal zu sein und hat mittlerweile auch einen Dummy gelauncht, der vom Algorithmus mit Vorabmeldungen zur Fußballsaison bestückt wird. MEEDIA berichtete bereits darüber, wie sich Aexea-Geschäftsführer Saim Alkan das Projekt vorstellt. Demnach sei es möglich, Leser mit auf eigene Interessen zugeschnittene Nachrichten zu beliefern.

Ganz gleich, ob er sich für Philipp Lahm oder die Tischtennis Kreisliga interessiert“, so Alkan damals. Hat das Unternehmen nun also einen Partner gefunden, der über eine entsprechend große und detaillierte Datenbank mit Sportinformationen verfügt? Andersherum ist vorstellbar, dass der SID beispielsweise für seinen Tickerdienst an der so genannten „AX“-Software interessiert ist. Dass sich Roboter-Texte im Sportbereich beweisen, zeigen Beispiele aus den USA. Die Website Statsheet.com ist spezialisiert auf Basketball-News, ein vergleichbares Projekt für Baseball setzt die Northwestern University um.

Auch Burda zeigt Interesse an Roboterjournalismus

Neben den fortgeschrittenen Verhandlungen beim SID bekundet auch das Verlagshaus Hubert Burda Media Interesse an der Roboter-Technologie. Wie Digital-Vorstand Stefan Winners gegenüber MEEDIA und der WirtschaftsWoche bestätigt, habe es Gespräche mit den Schwaben gegeben. Dabei sei es aber um „Interesse an Entwicklungen in diesem Bereich“ gegangen. An den Gesprächen beteiligt waren auch Verantwortliche von Focus Online. An dessen Betreiber, die Tomorrow Focus AG, ist Burda mehrheitsbeteiligt. Konkrete Projekte seien aber noch nicht geplant.

Ein Sprecher von Burda sagte zu MEEDIA: „Wir beschäftigen uns kontinuierlich mit möglichen Produktinnovationen, auch im redaktionellen Bereich. Hier sind unter anderem die Möglichkeiten und Chancen semantischer Texterkennung für uns äußerst interessant.“ Bei der Überlegungen der Textautomatisierung gehe es aber „um Variationen von vorhandenen Texten, und nicht um deren grundsätzliche Erstellung. Entsprechende Technologien sehen wir daher nicht als Ersatz für die journalistischen Kernprodukte von Burda“. Neben Aexea befinde man sich „fortlaufend im Dialog mit diversen potentiellen Partnern“.

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