Elektroauto-Szene: Große Aufregung über Testbericht in auto motor sport

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Wer sich für ein Elektroauto interessiert, für den ist die Reichweite des "Stromers" kaufentscheidend. Wenn die traditionsreiche auto motor sport also mehrere Pkw auf ihre Laufleistung testet, dann schaut die Autobauerbranche genau hin. Doch nach einem großen Vergleichstest begehren nicht die Automobilkonzerne auf - es sind die Fahrer.

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Was war passiert? Bei einem Test hat die auto motor sport zusammen mit dem TÜV mehrere Elektro-Autos gegeneinander antreten lassen: BMW i3, Nissan Leaf, Renault ZOE, smart ed, Tesla Model S, Tesla Roadster und VW e-Golf. Mit dem Ergebnis, dass die gemessenen Reichweiten teils sehr stark von den Angaben der Hersteller abwichen – und von denen anderer Vergleichstests.

„Deutliche Abweichung ist erschreckend“

Wer jetzt Klagen der Autobauer erwartet, der liegt falsch. Tatsächlich haben sich Autofahrer mobilisiert und eine eigene Testfahrt mit umfangreichen Messungen organisiert. „Die Details kann jeder für sich selbst interpretieren, aber die deutliche Abweichung des ams-Tests zur Realität ist erschreckend. Sollen doch angeblich Fachleute des TÜV Süd gemeinsam mit der ‚Auto Motor und Sport‘ diesen Härtetest erdacht haben“, lässt sich auf E Auto TV nachlesen. „Insbesondere den Werten des Tesla Model S mit dann nur angeblichen 184 km Reichweite im Sommer bei 120 km/h, aber auch kleineren Autos wie der Nissan Leaf mit vermeintlich nur 71 km Reichweite, stehen ganz andere persönliche Erfahrungen entgegen.“

Die ams reagierte unterdessen und verteidigt den Testablauf: „Unsere Tests erfolgen nach festgelegten Standards. Sie gelten für alle Autos, um Autofahrern eine echte Vergleichbarkeit zu liefern. Deshalb sind auto motor und sport-Tests nicht mit Testergebnissen privater Autofahrer auf einer Autobahn zu vergleichen“, sagt Alexander Bloch, Chefreporter Technik bei auto motor und sport.

Tests nicht nur bei optimalen Bedingungen

Die Tesla-Freunde kritisierten unter anderem, dass die Wagen im Test bei 30 Grad Celsius Außentemperatur auf 20 Grad Celsius im Innenraum heruntergekühlt wurden und gleichermaßen bei Frost gefahren wurden. Der Einsatz der Klimaanlage geht natürlich zu Lasten der Akkuleistung und verringert dadurch die Reichweite. „Wir haben die Elektroautos bei Frost und bei Hitze von plus 30 Grad getestet“, kontert Bloch. Auf der seit Jahrzehnten genutzten ams-Teststrecke, dem zertifizierten Bosch-Prüfzentrum Boxberg in Baden-Württemberg, absolvierten alle Elektroautos unter anderem bei 30 Grad einen Verbrauchs- und Reichweitentest bei konstant 120 km/h.

So fuhren die Autos bei dieser Hitze mit eingeschalteter Klimaanlage und weiteren Stromverbrauchern, was bekanntermaßen die Reichweite stark reduziert. Zudem erfolgte ein weiterer temperaturkontrollierter Labortest beim TÜV Süd bei minus sieben Grad, was ebenfalls die Batterieleistung belastet. „Solche Bedingungen gibt es in jedem Winter und jedem Sommer, so dass die Leser von auto motor und sport wissen wollen, wie sich die Autos bei solchen Bedingungen verhalten“, so Bloch. „Es ist klar, dass die Reichweiten bei Frost und Hitze deutlich unter denen liegen, die private Autofahrer bei 20 Grad auf einer Autobahn erreichen“, erklärt Bloch. Solche Härtetests seien aber sinnvoll, weil Fahrer von Elektroautos auch bei Schnee und Hitze ihr Ziel noch erreichen wollen, und nicht nur bei optimalen Bedingungen.

Kritik an Arbeitsweise von ZDF und WDR

Kein Verständnis hat Chefredakteur Jens Katemann, dass die Kollegen von heute journal und der WDR-Lokalzeit über die Kritik berichtet haben, ohne auto motor und sport zu den Vorwürfen zu hören. „Es gehört zu den journalistischen Gepflogenheiten, in solch einem Fall den Betroffenen um Stellungnahme zu bitten“, so Katemann. Der Chefredakteur lädt die Kollegen ein, bei einem Autotest der Redaktion dabei zu sein, und sich selbst ein Bild der hohen Testkompetenz zu machen. auto motor und sport hat dem Verein „Tesla Fahrer und Freunde“ zudem angeboten, den Test in Boxberg zu wiederholen. Eine Antwort stehe noch aus.

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Alle Kommentare

  1. Hallo,
    ich bin über mehrere Links zu diesem Thema bei Ihrer Seite hier gelandet. Ich selbst fahre kein Model S, sondern einen elektrischen Kleinwagen. Sehr gut finde ich, dass Sie den Reichweitentest der Elektrofahrer unter Praxisbedingungen auf der Autobahn vom 24.08.2014 in Hilden verlinkt haben.

    Was mir fehlt, ist ein Hinweis darauf, dass es sich beim „Extremtest der ams“ in Boxberg lediglich um 31km gefahrene Strecke handelte, aus der dann nach einer fragwürdigen Testprozedur eine Gesamtreichweite „errechnet“ (!!!) wurde. In einem Nachtest am 12. September 2014 in Boxberg, den man bei 13° Celsius, Starkregen und böigem Wind schon eher als „Extremtest“ bezeichnen konnte, erreichte das Model S 258km Reichweite bis zur „Null-Anzeige“. Danach fährt das Auto erfahrungsgemäß noch 10-20km im „Notmodus“.
    Starker Regen erhöht den Verbrauch bei jedem Auto um etwa 15-20%.

    Ja, Härtetests sind sinnvoll! Aber dann sollte eben auch tatsächlich getestet und nicht „errechnet“ werden. Um die Absurdität des ersten „Härtetest der ams“ aufzuzeigen, übertrage ich das Verfahren auf ein herkömmliches Auto:
    Das vollgetankte, in der Sonne aufgeheizte Fahrzeug wird gestartet, um im Stand mit der Klimaanlage den Innenraum auf 20°C herunterzukühlen. Danach wird eine kurze Meßstrecke gefahren, Sprit nachgefüllt und aus der nachgefüllten Spritmenge der Verbrauch für diesen „Extremtest“ errechnet …

    Dass ein solcher „Test“ völlig sinnfrei ist, ist schnell nachvollziehbar. Erst recht, wenn wie bei der ams ein großes schwarzes Auto (hier das Model S) mit einem kleinen weißem Auto (E-Golf) verglichen wird …

    Da ist es nur „die Kirsche auf dem Sahnehäufchen“, dass das Model S mit dem besonders ineffizienten Notladekabel geladen wurde („um einheitliche Bedingungen zu schaffen“), obwohl bei Tesla Drehstromladung 11kW der Standard ist. Das wäre etwa vergleichbar mit einem Test, bei dem eines der Autos zwar vom Hersteller für SuperPlus Kraftstoff entwickelt wurde, weil aber der andere Testwagen nur Normalbenzin … Gleiche Bedingungen würde für mich das Nutzen des vom Hersteller empfohlene (Standard-)Ladeverfahren bedeuten!
    Es wurde in der „Meßtabelle der ams“ ja nicht einmal erwähnt, dass das Model S die umfangreichsten Möglichkeiten zur Aufladung (2,3kW, 3,6kW, 11kW, 22kW, 50kW“Chademo“, 130kW“Supercharger“) anbietet.

    Ich meine, die Empörung der Autofahrer war mehr als berechtigt über diesen „Extremtest der ams“.

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