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Der Flirt zwischen Tichy und dem Focus und warum der Spiegel nix über Wichmann brachte

Einige Spitzenkräfte der Inhalte verarbeitenden Industrie
Einige Spitzenkräfte der Inhalte verarbeitenden Industrie

Der Spiegel hält die Branche in Atem. Niemand wagt eine echte Prognose, wie der Mega-Krach zwischen Chefredakteur Wolfgang Büchner und der Redaktion ausgeht. Vermutlich nicht gut. In diesem Wochenrückblick widmen wir uns der Frage, warum der Spiegel bei der Entlassung von stern-Chef Wichmann schwieg. Und es geht um ein interessantes mögliches Engagement des Ex-WiWo-Chefredakteurs Roland Tichy.

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Die Holterdipolter Abberufung von Magazin-Chefredakteuren wird langsam zu einer unliebsamen Branchentradition. Im Mai wurde bekannt, dass WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy der Professorin Miriam Meckel weichen muss. Tichy wurde einer von mehreren Geschäftsführern der DvH Ventures, der Beteiligungsgesellschaft der Dieter von Holtzbrinck Medien (MEEDIA gehört zum DvH Medien Unternehmen Verlagsgruppe Handelsblatt). Damals hieß es, Tichy werde der WiWo als Kommentator erhalten bleiben. Ob Tichy wirklich in seinem alten Blatt kommentiert, wenn Miriam Meckel im Oktober antritt? Aus Burda-Kreisen ist zu hören, dass es Gespräche zwischen dem Münchner Verlag und Tichy gab. Es werde versucht, ihn für eine Tätigkeit beim Focus zu gewinnen. Wie es heißt, soll das Werben nicht unerfolgreich gewesen sein. Der meinungsfreudige und scharfzüngige Tichy soll wohl bald eine wie auch immer geartete publizistische Rolle beim Focus spielen. Unregelmäßige Kolumne, regelmäßige Gastbeiträge. Etwas in der Richtung.

Noch ganz frisch ist die Knall-auf-Fall-Entlassung von stern-Chefredakteur Dominik Wichmann. Normalerweise lässt der Spiegel keine Gelegenheit aus, in seinem Medienressort über Verwerfungen bei dem benachbarten stern zu reportieren. Mancher Branchen-Spezi wunderte sich darum, dass in der aktuellen Spiegel-Ausgabe von dieser Woche kein Wort zum Rauswurf Wichmanns zu lesen war. Wie es aus dem Umfeld der Spiegel-Chefredaktion heißt, gab es tatsächlich einen Artikel, der sogar bereits druckfähig war. In dem Artikel ging es wohl nicht nur um den geschassten Wichmann, sondern auch um dessen Nachfolger Christian Krug, den bisherigen Chef der Gala. Hätten nicht nur wir gerne gelesen. Chefredakteur Wolfgang Büchner habe die Veröffentlichung aber verhindert, weil der Artikel angeblich nicht den journalistischen Standards des Spiegel genügt haben soll. So wird es erzählt. Bei Gruner + Jahr dürften sie nicht sehr traurig darüber gewesen sein.

Bei der Bild waren sie weniger zurückhaltend. Dort hat man offensichtlich das “Brandstifter”-Cover, mit dem der Spiegel einst eine böse Story über die Bild illustrierte, nicht vergessen. Martin Heidemanns, Wulff-Jäger und Leiter des Investigativ-Ressorts bei Bild, griff persönlich in die Tasten und schrieb sinnig: “Spiegel in Flammen – Aber wer ist der Brandstifter?

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Er schließt mit einem Vergleich Spiegel-Redaktion – Schulklasse: “Würde nicht auch jede Schulklasse – und nicht nur die Erstklässler – ihren Lehrer abwählen, wenn dies möglich wäre? Bestimmt spätestens nach der ersten sechs, wenn die Versetzung gefährdet ist.” Hintergrund ist, dass die Spiegel Mitarbeiter KG, die Mehrheit am Verlag hält und über die Berufung oder Abberufung eines Chefredakteurs mit entscheiden kann. Eine einmalige Konstellation in der deutschen Medienlandschaft, die immer wieder auch für einmalige Probleme sorgt.

Bei der Bild würden sie sich so eine Revolution gegen ihren Chef, den bärtigen Kai, vermutlich nicht trauen. Wobei – ist KD überhaupt noch Bild-Chefredakteur? Er scheint mittlerweile Fulltime damit beschäftigt zu sein, sich Eiswasser über den Kopf zu leeren, das Buch seiner Frau zu promoten und zu twittern oder alle drei Dinge gleichzeitig zu tun. Und im Klappentext des „Silicon Wahnsinn“-Buchs von KDs Gattin Katja Kessler wird er auch schon nicht mehr als Chefredakteur geführt, sondern “nur” als Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe. Was ist da los?

silicon

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Die Leute vom Blog Mobile Rocket Science haben jedenfalls eine schöne Analyse der Twitter-Tätigkeiten des Kai Diekmann veröffentlicht. Das freut und ganz besonders, weil ganz viele MEEDIA-Texte über KDs Twittereien vorkommen. Kein Wunder, denn Kai Diekmann ist eines unserer Lieblingsthemen. Jörgen Camrath vom Wall Street Journal Deutschland hat das dankenswerterweise mit einer Blitz-Recherche belegt:

Ganz schön beeindruckend. Liegt natürlich daran, dass KD einfach endlos Stoff liefert. Oder anders gesagt: Wenn Giovanni di Lorenzo endlich anfangen würde zu twittern, sich einen Rübezahl-Bart wachsen lässt, Eiswasser über seinen Kopf leert und sich öffentlich mit Pocher, Kachelmann und/oder Markus Lanz zofft, dann würde die Artikelfrequenz über ihn sprunghaft ansteigen. SZ-Chefredakteur Kurt Kister müsste sich in der Tat sehr mächtig ins Zeug legen, würde er zu KD aufschließen wollen.

Hat sich eigentlich schon einer die Website www.istwolfgangbuechnernochspiegelchefredakteur.de gesichert? Nein? Dann aber fix!

Schönes Wochenende!

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