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RTL Group Halbjahresbilanz: Deutschland/Holland hui, Frankreich/Ungarn pfui

RTL Group CEOs Guillaume de Posch und Anke Schäferkordt präsentieren zum Abschied von Schäferkordt aus dem Gesamtvorstand starke Zahlen
RTL Group CEOs Guillaume de Posch und Anke Schäferkordt präsentieren zum Abschied von Schäferkordt aus dem Gesamtvorstand starke Zahlen

Gemischte Gefühle bei der Halbjahresbilanz 2014 der RTL Group, dem mit Abstand wichtigsten Umsatz- und Ergebnisbringer des so sehr auf Wachstum erpichten Medienhauses Bertelsmann. RTL Deutschland liefert einmal mehr ein Rekord-Ergebnis ab, RTL Niederlande wächst. Frankreich, Ungarn und Fremantle bereiten Sorgen.

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Aber zunächst die Nachrichten: Print Verlage wären vermutlich glücklich, wenn sie die Probleme der RTL Group hätten. Der TV-Konzern konstatiert einen sich weithin erholenden Werbemarkt. In allen europäischen Ländern, in denen RTL aktiv ist, zeigt der Trend nach oben. Ausnahme ist  Frankreich, wo der TV-Werbemarkt schätzungsweise um 2,4% zurückging. Die miese Gesamtwirtschaftslage beim Nachbarn dürfte der Grund sein.

Ansonsten präsentiert sich das Old-School-Modell mit Fernsehwerbung mitten in der digitalen Revolution pumperlgesund. Die gesamte RTL Group verzeichnete im 1. Halbjahr 2014 einen Umsatzrückgang von  2,755 auf 2,687 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBITA) ging von 552 auf 519 Mio. Euro zurück. Im Vergleich zur Anzeigen-Erosion in der Print-Branche ist das superstabil. Gründe für den Rückgang sind, wie angesprochen, der schwache Markt in Frankreich und die unselige Werbesteuer der Orban-Regierung in Ungarn. Wegen diesem Unfug muss die RTL Group in der Halbjahresbilanz immerhin 88 Mio. Euro abschreiben. Noch ein Grund für die leicht schwächelnde Gesamtbilanz: Die Produktionstochter FremantleMedia tut sich schwer und meldet ein von 47 auf 29 Mio. Euro eingebrochenes EBITA.

Die Umsatzrendite der RTL Group ist mit 19,3% (Vorjahreszeitraum: 20,0%) trotzdem noch fast unanständig hoch. In Deutschland erwirtschaftete RTL mit einem EBITA von 313 Mio. Euro mal wieder einen Rekordgewinn (+23%).

Was lernen wir aus der aktuellen RTL Bilanz? Drei Dinge:

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1. Das Geschäft mit klassischer TV-Werbung ist trotz Digitalisierung und trotz einzelner Probleme kerngesund und wird es vermutlich auf lange Sicht bleiben.

2. In punkto Wachstum ist für die RTL Group so ziemlich das Ende der Fahnenstange erreicht. Erschließt die Gruppe nicht mit Macht neue Märkte (zu teuer, politisch oft schwierig), kann man froh sein, das erreichte, sehr hohe Niveau halbwegs zu halten.

3. Digital gilt auch in der TV-Branche als heißer Zukunftsscheiß. RTL investiert mit einiger Verve in Online-Video-Vermarktung, Multichannel-Plattformen und so weiter. Bis von dort die dicke Digital-Kohle fließt, wird es aber wohl noch dauern. Die digitalen Umsätze der RTL Group wuchsen zwar um 10% auf 113 Mio. Euro. Im Vergleich zum Gesamtumsatz von über zweieinhalb Milliarden ist das aber Kleckerles-Zeug. Auch wenn man das bei RTL nicht so gerne hört: In Sachen Digitalgeschäft sind die von ProSiebenSat.1 mit ihrem digitalen Gemischtwarenladen besser und breiter aufgestellt (Games, Musik, Video, Rubrikengeschäft).

Für RTL Group-Eigner Bertelsmann sind die Lehren aus der aktuellen Halbjahresbilanz gleichermaßen Fluch und Segen. Segen, weil man sich nicht sorgen muss, dass die Cashcow RTL in Kürze tot auf der Weide umfällt. Fluch, weil die RTL-Kuh schon so fett ist, dass sie beim besten Willen nicht noch mehr draufpacken kann. Das von Bertel-Boss Thomas Rabe stets herbeigeredete Wachstum muss woanders her kommen. Nur von wo? Das ist die bleibende große Frage.

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