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Schluss mit dem TV-Genörgel: Warum „Die Höhle der Löwen“ sehenswert ist

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Peinlichkeiten, Mitleid, Sympathien: Die Startup-Show "Die Höhle der Löwen" bietet alles, was ein Reality-Format bieten muss. Und doch ist die neue Vox-Sendung viel mehr als die unzähligen ausgelutschten Suchen nach Topmodels oder Superstars: ein kluges Format, das Beachtung verdient.

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2013 gab es in Deutschland laut KfW-Gründungsmonitor 868.000 neue Gründer. Vor allem in Hotspots wie Leipzig, Köln und natürlich Berlin wagen immer mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen ein Startup. Das neue Vox-Format „Die Höhle der Löwen“, das gestern Abend zur Primetime um 20.15 Uhr Premiere feierte, greift diesen Trend auf: Junge Unternehmer haben die Chance, fünf Investoren (die Löwen) von ihren Business-Ideen zu überzeugen. Die Löwen, das sind Reiseunternehmer Vural Öger, „Home-Shopping-Queen“ Judith Williams, Erlebnisgeschenk-Mogul Jochen Schweizer, Seriengründer Frank Thelen und Verpackungsspezialistin Lencke Wischhusen. Sind die Jungunternehmer mit ihrem Pitch (Anpreisen einer Idee) erfolgreich, investieren die Löwen in das jeweilige Konzept. Und mehr noch: Sie stehen den Gründern auch als Mentoren zur Seite.

Das Format ist bereits in über 20 anderen Ländern äußerst erfolgreich – und das zu Recht. Die Show gibt spannende Einblicke in die Welt des Unternehmertums und dokumentiert schonungslos, dass nicht jede vermeintlich weltverändernde Idee auch tatsächlich markttauglich ist. Die Löwen verhandeln hart – mit den Unternehmern und untereinander. Das macht die Sendung spannend, der Zuschauer rechnet mit oder grübelt, wie er selber reagiert hätte: Als sich ein junger Mann auf einen 60/40-Deal mit drei Löwen für seine allergikerfreundliche Matratzen einließ (60 Prozent Unternehmensbeteiligung für die Investoren!) ging ein digitales Raunen durch Twitter:

Neben den Einblicken in die Business-Welt und dem Lerneffekt für den Zuschauer ist „Die Höhle der Löwen“ aber auch vor allem eins: unterhaltsam. Die Show kommt ohne Bloßstellungen der Kandidaten und ohne Druck auf die Tränendrüsen aus – und befriedigt dennoch den Voyeurismus der Zuschauer: Wenn die fünf Löwen eine Idee, von der der Unternehmer im Einspieler noch mit glänzenden Augen und voller Überzeugung schwärmt, in drei Minuten eiskalt auseinander nehmen („Das ist reiner Bullshit“), möchte man sich als Zuschauer vor Scham unter der heimischen Sofadecke verkriechen. Dennoch hat man nie das Gefühl, die Kandidaten würden vorgeführt. Vox bildet hier tatsächlich die Realität ab – schließlich geht es bei den Investoren um ihr eigenes Geld. Da ist es verständlich, dass sie keine Rücksicht auf zittrige Stimmchen und zerplatzte Träume nehmen. Oder wie Vural Öger es auf den Punkt bringt: „Wir können ja nicht aus Mitleid investieren“.

Einen kurzen Angstmoment gab es jedoch im zweiten Drittel der Sendung, als in einem Einspieler plötzlich dramatische Musik und Zeitlupen-Optik à la RTL und „Deutschland sucht den Superstar“ als Stilmittel eingesetzt wurden, um die Geschichte über das Ehe-Aus der vorgestellten Kandidaten zu erzählen. Es bleibt zu hoffen, dass die kurze Szene ein einmaliger Ausrutscher war. Ansonsten ist „Die Höhle der Löwen“ ein Lichtblick in der Fernsehlandschaft.

Das hier geht raus an alle Dauernörgler und „Das deutsche Fernsehen hat keinen Mut“-Sager: Schaltet ein, sorgt dafür, dass die guten Quoten weiterhin oben bleiben. Damit „Die Höhle der Löwen“ nicht – typisch deutsch – auf die billigen Ausstrahlungsränge nach 23.00 Uhr verwiesen wird.

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