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„Verletzung der Pressefreiheit“: dritter deutscher Journalist in Ferguson festgenommen

Bislang wurden bereits drei deutsche Journalisten in Ferguson festgenommen.
Bislang wurden bereits drei deutsche Journalisten in Ferguson festgenommen.

Bereits in den Morgenstunden deutscher Zeit wurde bekannt, dass die beiden Journalisten Ansgar Graw und Frank Herrmann in der Stadt Ferguson festgenommen worden waren. Sie befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Dafür berichtet nun die Bild, ihr Reporter Lukas Hermsmeier sei inhaftiert worden. Wo er sich derzeit befinde, sei unklar.

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Vor zehn Tagen wurde in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri ein schwarzer Jugendlicher erschossen. Von der Polizei. Warum Michael Brown sterben musste, ob er die Polizisten bedroht hat, oder ob er unbewaffnet und ohne Not getötet wurde, ist bisher unklar. Die Stadt erlebt seit einigen Tagen schwere Ausschreitungen – Demonstranten protestieren gegen die Polizei und fordern eine umfangreiche Aufklärung des Falls. Und sehr viele Medien berichten aus Ferguson.

In der Nacht wird Lukas Hermsmeier verhaftet. Warum ist völlig unklar. Momentan befindet er sich an einem unbekannten Ort. Und soll ins St. Louis Country Jail in Clayton Missouri gebracht werden“, heißt es in dem Bericht der Bild-Zeitung. Bei Axel Springer solidarisieren sich Bild-Journalisten mit ihrem Kollegen. Der ist seinem Twitter-Account zufolge mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Hermsmeier ist nicht der erste deutsche Journalist, der in der Kleinstadt in Konflikt mit der Polizei kommt. Wie die Welt berichtet, wurden der Welt-Journalist Ansgar Graw sowie Frank Herrmann, der für mehrere Regionalzeitungen (u.a. Rhein-Zeitung) schreibt, am frühen Montagnachmittag in Handschellen ins Gefängnis in St. Louis gebracht, nach drei Stunden aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Graw und Herrmann waren gerade bei Recherchen an einer ausgebrannten Tankstelle nachzugehen, die sie auch fotografierten. Polizeibeamte vor Ort zeigten sich feindlich gegenüber den Journalisten, wie Welt-Reporter Graw berichtet.„Sie sind auch Journalist?“, zitiert er einer der Polizisten. „Dann schämen Sie sich! Alle Journalisten müssen sich schämen! Sie alle stellen die Ereignisse hier völlig falsch dar!“

Begründet wurde die Festnahme damit, dass die beiden Journalisten der Aufforderung, die Tankstelle zu verlassen und weiterzugehen, nicht nachgekommen wären. Graw und Herrmann weisen die Vorwürfe jedoch zurück und beschuldigen die Polizei, Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern: „Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können“, sagte Graw laut Welt-Bericht. „Das ist eine eklatante Verletzung der Pressefreiheit.“ Auch andere deutsche Journalisten sehen sich in ihrer Arbeit erheblich eingeschränkt, wie beispielsweise der ZDF-Reporter Christoph Röckerath.

Das Vorgehen der Beamten im Fall des erschossenen Michael Brown wurde in den vergangenen Tagen mehrfach kritisiert. Pointer.org hat eine Liste der bisher festgenommenen Journalisten angelegt, die das Online-Portal laufend aktualisiert und bislang zehn solcher Fälle zählt. Unter anderem war ein Journalist der Washington Post in einem Fast-Food-Restaurant festgenommen worden. Scott Olson, ein Fotograf der Agentur Getty, wurde am Montag von der Polizei in Ferguson verhaftet. Neben Festnahmen berichten Medien von weiteren Behinderungen in der Berichterstattung durch die Polizei: So wirft ein  Kamerateam des arabischen Senders Al Jazeera den Beamten vor, sie mit Tränengas und Gummigeschossen attackiert zu haben. 

Mittlerweile melden sich zu den Vorgängen in Ferguson auch die Reporter ohne Grenzen zu Wort: „Es ist völlig inakzeptabel, dass die Polizei in Ferguson Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit behindert und sogar inhaftiert“, sagt ROG-Vorstandssprecherin Astrid Frohloff in Berlin. „Wir verlangen umgehend, dass die Journalisten in Ferguson ihre Arbeit machen können, ohne Angst haben zu müssen, von der Polizei aufgehalten, festgenommen oder gar beschossen zu werden. Die aktuellen Vorkommnisse stellen gravierende Verletzungen der Pressefreiheit dar.“

 

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