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Eiswasserkübel statt #Ferguson: die Macht des Facebook-Algorithmus

#Icebucketchallenge statt #Ferguson: Auf Facebook ist der Fall des erschossenen Michael Brown nahezu unsichtbar
#Icebucketchallenge statt #Ferguson: Auf Facebook ist der Fall des erschossenen Michael Brown nahezu unsichtbar

Während Journalisten in der US-Stadt Ferguson von Polizisten an ihrer Arbeit gehindert und teilweise sogar festgenommen werden, dient vor allem der Kurznachrichtendienst Twitter vielen Menschen als aktuelle Informationsquelle. Unter dem Hashtag #Ferguson und #MichaelBrown twittern Nutzer Bilder und Infos zu den Vorgängen im US-Bundeststaat Missouri. Auf Facebook spielt Ferguson dagegen eine viel kleinere Rolle.

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Statt Nachrichten aus und über die Vorgänge in Ferguson bekommen Nutzer auf Facebook derzeit vor allem Videos zu sehen, in denen sich bekannte und unbekannte Menschen Eimer voller Eiswasser über den Kopf schütten.

Der Grund für diesen Effekt ist das Algorithmus-System des sozialen Netzwerks. Der News-Feed folgt hier nicht ausschließlich einer zeitlichen, sondern auch einer individuellen Chronik. Bestimmt wird diese durch vorangegangene Aktivitäten des jeweiligen Nutzers: Likes, Kommentare und angeklickte Links. Zwar kann man sich auch auf Facebook Listen mit favorisierten Accounts anlegen, um deren Posts gebündelt zu sehen. Einzelnen Themen, wie bei Twitter über die Hashtag-Funktion, kann aber hier nicht gesondert gefolgt werden.

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Die „algorithmische Zensur“ ist laut Mathew Ingram nicht nur ein technisches, sondern auch ein soziales Problem. Er vergleicht Facebook mit einer digitalen Zeitung, die Nachrichten selektiert, statt sie ungefiltert auf die Konsumenten loszulassen.

Das Problem daran: Im Gegensatz zu echten Zeitungen sitzen bei Facebook keine Redakteure, die ihrer Selektion journalistische Nachrichtenwerte zugrunde legen. Der Algorithmus wirkt vielmehr als eine Verstärkung subjektiver und individueller Interessen. Die Realität passt sich hier dem Nutzer an.

Zwar versucht Facebook verstärkt, sich gewisse Funktion von Twitter zu eigen zu machen. So hat das Netzwerk mittlerweile eine Follow-Funtion, die es Nutzern erlaubt, anderen Accounts zu folgen, ohne deren Zustimmung zu benötigen.

Trotzdem nutzen die meisten Mitglieder das Netzwerk vor allem für soziale Kontakte und digitales Schlendern statt zur gezielten Informationssuche. Der Klick aufs neue Urlaubsfoto oder das lustige Video von Bill Gates, in dem er sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf schüttet, ist da nur logische Konsequenz. Wer sich plötzlich nach informativen oder anderen Inhalten sehnt, muss sich seiner Spuren entledigen – und das ist nicht so einfach.

Wired-Journalist Mat Honan versuchte es, indem er 48 Stunden lang einfach jeden Beitrag in seinem News-Feed mit einem „Like“ versah. Statt mehr interessante Inhalte zu generieren, überschwemmte Honan seine Facebook-Wand jedoch mit noch mehr Müll, wie er schreibt: „By liking everything, I turned Facebook into a place where there was nothing I liked. To be honest, I really didn’t like it. I didn’t like what I had done.“

Dem Facebook-Algorithmus kann man nicht entkommen. Wer also Nachrichten zu #Ferguson statt zu #icebucketchallenge lesen möchte, muss auf Facebook entweder gezielt suchen, mühsam die richtigen Accounts zusammenstellen – oder gleich Twitter nutzen.

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