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Wurden Empfehlungslisten manipuliert? Deutsche Autoren planen Protest gegen Amazon

Amazon-Gründer Jeff Bezos
Amazon-Gründer Jeff Bezos

Nach dem öffentlichen Protest US-amerikanischer Autoren gegen Amazon planen auch deutsche Schriftsteller einen Aufruf gegen den Internetgiganten. In einem öffentlichen Brief, der kommende Woche veröffentlicht werden soll, fordern mehr als 100 deutschsprachige Autoren faire Vertriebspreise und fordern Leser dazu auf, dem Konzernchef Jeff Bezos per Mail ihre Meinung mitzuteilen. Dem US-Konzern wird vorgeworfen, Verlage und Autoren in Rabattverhandlungen durch Lieferungsverzögerungen und Manipulation von Empfehlungslisten unter Druck zu setzen.

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Die deutschsprachigen Schriftsteller steigen damit in den Kampf zwischen ihren US-amerikanischen Kollegen und Amazon ein. Am Wochenende erst veröffentlichte die New York Times einen offenen Brief des Autors Douglas Preston an Jeff Bezos, unterzeichnet von 900 Kollegen, darunter John Grisham, Stephen King und Nora Roberts. Sie alle werfen Bezos vor, Verlage und Autoren in Verhandlungen um Rabatte unter Druck zu setzen, indem Auslieferungen verzögert werden. Hintergrund ist eine seit Monaten anhaltende Auseinandersetzung der Hachette-Verlagsgruppe, bei der auch Preston unter Vertrag steht, mit dem US-Konzern über E-Book-Preise. Amazon antwortete auf den Brief der Schriftsteller mit der Forderung, Literatur müsse günstiger werden.

So scheint das Amazon auch in Deutschland zu sehen und bediene sich hier ähnlicher Methoden. Das teilte Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen, dem Handelsblatt mit: „Wir nehmen mit großer Besorgnis zur Kenntnis, wie der größte Online-Versandhändler Amazon in den letzten Monaten Autorinnen und Autoren einzelner Verlagshäuser boykottiert, aus der Backlist streicht und ihre Bücher an die Leser erst mit Verzögerung ausliefert.“ Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte sich deshalb erst kürzlich beim Bundeskartellamt über den Online-Händler beschwert. Amazon wies den Vorwurf jedoch zurück, im Zuge von Verhandlungen die Auslieferung von Büchern der Verlagsgruppe Bonnier, zu der Ullstein, Piper und Carlsen gehören, absichtlich zu verzögern. Reduziert worden sei in einigen Fällen die proaktive Lagerung von Büchern, sagte ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Habe ein Kunde ein nicht vorrätiges Buch gekauft, würde dieses trotzdem umgehend beim Verlag bestellt und der Kunde vorab über die Lieferdauer informiert.

In dem Protestbrief an Jeff Bezos, der dem Handelsblatt vorliegt und Anfang nächster Woche veröffentlicht werden soll, heiße es zudem, Amazon manipuliere Empfehlungslisten. „Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen.“ 

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Unterzeichnet wurde der öffentliche Appell an Amazon bereits von über 100 deutschsprachigen Schriftstellern, darunter Ingrid Noll, Günter Wallraff, der „Tatort“-Autor Fred Breinersdorfer und die österreichische Literatur-Nobelreisträgerin Elfriede Jelinek. Die Initiatoren sind die Autoren-Vereinigung PEN-Deutschland, die IG Autoren Österreich sowie der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen.

„Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören“, sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN Zentrums Deutschland, dem Handelsblatt. „Die Autoren werden von Amazon in Geiselhaft genommen.“

Um die Revolte gegen den internationalen Internetkonzern zu mobilisieren, wollen die Initiatoren ihr Anliegen ab kommendem Wochenende auch über die beiden Websites www.autoren-fuer-fairen-buchmarkt.de und www.fairer-buchmarkt.de verbreiten. Sobald der Brief veröffentlicht wurde, will auch Amazon zu dem Sachverhalt und den Anschuldigungen öffentlich Stellung nehmen.

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