Das Ranking der absurdesten Rankingshow-Manipulationen

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Fernsehen Fast täglich berichten ARD-Anstalten derzeit über Unstimmigkeiten in eigenen Rankingshows. Redaktionen hätten sich über Online-Abstimmungen hinweg gesetzt - aus unterschiedlichsten Gründen. Was dabei ans Tageslicht kommt, grenzt teilweise schon an Realsatire. MEEDIA dokumentiert die absurdesten Manipulationen - natürlich in einem Ranking.

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Die MEEDIA-Redaktion hat in einem aufwändigen Verfahren über die absurdesten Rankingshow-Manipulationen abstimmen lassen – das Ergebnis wurde anschließend aber selbstverständlich vom Autor dieses Artikels nach Gutdünken komplett manipuliert:

Platz 8: WDR – „Die beliebtesten Fußballvereine aus NRW“

Zitat WDR: „Hier gab es eine außergewöhnlich große Häufung der Stimmen für den Drittligisten Preußen Münster. Der Club kam auf mehr Stimmen als die Erstligisten Dortmund und Schalke zusammen. Wann diese Häufung eingesetzt hatte, konnte die Redaktion nicht klären. Um dennoch ein aussagekräftiges Ergebnis präsentieren zu können, gab die Redaktion eine Umfrage unter 1.000 Personen in NRW in Auftrag. Dieses Ergebnis war dann die Grundlage für das Ranking in der Sendung.“

Ein Skandal! Jedes Kind weiß doch, dass Preußen Münster beliebter ist als Borussia Dortmund und Schalke 04 zusammen. Und durch die Manipulation des WDR wurde zudem die wertvolle Lebenszeit, die Edelfan Thomas Knüwer offenbar in das Beeinflussen des Online-Votings gesteckt hat, verschwendet.

Platz 7: rbb – „21 Dinge, die man in Berlin erlebt haben muss“ und „21 Dinge, die man in Brandenburg erlebt haben muss“

Zitat rbb: „Alle 21 zur Wahl stehenden Beiträge waren in der Sendung zu sehen, jedoch nicht in der Abfolge, die sich die rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Abstimmung gewünscht hatten. Die zuständige Redaktion habe eine andere Sendedramaturgie für wirkungsvoller gehalten und daher die Reihenfolge verändert.“

Wirkungsvoller. Andere Sendedramaturgie. Und vor allem: 350 (!) Teilnehmer. Wie bitter ist es bitteschön, wenn bei einer Online-Abstimmung über „Dinge, die man erlebt haben muss“ bei einer großen öffentlich-rechtlichen Anstalt ganze 350 Leute mitmachen?

Platz 6: hr – „Die beliebtesten Klassiker des Kinderfernsehens“

Zitat hr: „Außerdem wurden aus dramaturgischen Gründen zwei Plätze getauscht, damit nicht zwei Trickfilme hintereinander platziert wurden.“

Zugegebenermaßen eine sehr richtige Manipulation. Welcher Zuschauer hätte es auch verkraftet, zwei Trickfilme hintereinander in einem solchen Ranking zu sehen?

Platz 5: NDR – „Die schönsten Mühlen Norddeutschlands“

Zitat NDR: „In einer weiteren Sendung war versehentlich ein Mühlenmuseum mit zur Abstimmung gestellt worden, in der Sendung sollte es aber um historische Einzelmühlen gehen. Obwohl das Museum beim Voting 89 Clicks erzielt hatte, wurde es im Ranking nicht berücksichtigt.“

Ein Mühlenmuseum in einem Mühlen-Ranking. Das geht nun wirklich nicht.

Platz 4: hr – „Geniale Verbindungen – Hessens spannendste Brücken“

Zitat hr: „Eine Position wurde aufgrund einer massiven, erkennbar von einer kleinen Gruppe gesteuerten Stimmabgabe für eine Brücke verändert, die das Ergebnis verzerrt hätte. Eine weitere Position wurde aufgrund der mangelnden Qualität des Bildmaterials nach der Online-Abstimmung verändert.“

„Spannendste Brücken“? Hahahahaha. Sehr schön aber die Formulierung, dass „eine kleine Gruppe“ das Ranking „massiv verändert“ habe. Verdammte Brücken-Extremisten!

Platz 3: NDR – „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“

Zitat NDR: „… wurde der Elftplatzierte („Planten un Blomen“, 81 Clicks) auf Rang zehn vorgezogen, auf dem tatsächlich der Rhododendronpark Ammerland (88 Clicks) gelandet war. Grund: Für „Planten un Blomen“ stand besseres Bildmaterial zur Verfügung.“

Stefan Niggemeier hat sich dem bizarren Rhododendron-Skandal schon gewidmet. Gerüchten zufolge weint der Rhododendron im Ammerland immer noch wegen des schwachen elften Platzes.

Platz 2: WDR – „Die beliebtesten Kunstwerke in Nordrhein-Westfalen“, „Die beliebtesten Wanderwege in Nordrhein-Westfalen“ und „Die beliebtesten Tänze der Nordrhein-Westfalen“

Zitat WDR: „Bei drei Sendungen kam es beim Online-Voting zu Stimmengleichheit bei den Letztplatzierten. Diese ‚Kandidaten‘ hatten vom Publikum … keine … Stimmen bekommen. Die Redaktion hat diese Plätze dann nach anderen Kriterien, wie zum Beispiel Besucherzahlen oder Nennungen in Veröffentlichungen vergeben.“ Bei den Kunstwerken „auf Basis der Bewertung in einschlägiger Fachliteratur und nach Auswertung der Besucherzahlen der Museen“, bei den Wanderwegen „durch Hinzuziehung ähnlicher Ranglisten beliebter Wanderrouten im Internet“ und bei den Tänzen „auf Expertenrat“.

Beschämender kann die Offenlegung von Votings für Prime-Time-Shows gar nicht mehr sein. Das Publikum kann über 15 bzw. 20 Kunstwerke, Wanderwege und Tänze abstimmen – und drei der 15 bzw. 20 Kandidaten bekommen keine einzige Stimme. Wie können Redaktion und Senderverantwortliche nicht spätestens da auf die Idee kommen, dass das Konzept mal gehörig überarbeitet werden müsste? Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen insgesamt bei den Abstimmungen teilgenommen haben. Aber es kommt noch schlimmer:

Platz 1: WDR – „Die beliebtesten Talsperren in Nordrhein-Westfalen“, „Die beliebtesten Spektakel in Nordrhein-Westfalen“ und „Die unheimlichsten Orte in Nordrhein-Westfalen“

Zitat WDR: „Im Jahr 2013 kam es bei drei Sendungen zu einer sehr geringen Beteiligung beim Online-Voting. Die Redaktion hat daher ergänzend für diese drei Sendungen eine Umfrage bei 1.000 Personen in NRW bei einem Institut in Auftrag gegeben, deren Ergebnis Grundlage für die Reihenfolge der Sendung wurde.“

Die endgültige Bankrotterklärung solcher Rankingshows. Die größte ARD-Anstalt WDR schafft es für Shows, die in der Prime Time ausgestrahlt werden, nicht, genügend Mitspieler zu animieren, um ein halbwegs sinnvolles Ergebnis zu bekommen? Wie viele haben denn geklickt? 100? Oder noch weniger? Kann es also sein, lieber WDR, dass einfach niemanden interessiert, welches „die beliebtesten Talsperren in Nordrhein-Westfalen“ sind?

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