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„Wir glauben fest an eine neue Ära für innovative Content-Portale“

Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG, zu der unter anderem Focus Online und The Huffington Post gehören
Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG, zu der unter anderem Focus Online und The Huffington Post gehören

Die Tomorrow Focus AG zeigt sich zur Halbjahresbilanz sichtlich zufrieden. Nach einem durchwachsenen Start legten im zweiten Quartal die Umsätze im Publishing-Segment wieder zu. Im Interview mit MEEDIA erklärt ToFo-Vorstand Christoph Schuh, welche Maßnahmen dazu geführt haben und spricht über die Zukunftsperspektive redaktioneller Portale.

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Nach einem eher durchwachsenen Start ins Jahr hat die Tomorrow Focus AG im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Wie erklären Sie das?

In den Segmenten Travel, Publishing und Subscriptions verspürten wir in der Tat zunächst einen eher verhaltenen Start in das Jahr: Der Pauschalreisemarkt startete schwach und hatte Sondereffekte durch die WM zu verzeichnen. Im Premium-Displaymarkt bekamen wir die anfängliche Zurückhaltung großer Werbekunden und den resultierenden Preisdruck deutlich zu spüren. Der Datingmarkt war zum Jahresstart wettbewerbsintensiv und insgesamt stagnierend. Im zweiten Quartal hat sich die Situation insgesamt bereits verbessert und mit 10% Wachstum zum Vorjahr sind wir zurück auf zweistelligem Wachstumskurs.

Zulegen konnten Sie vor allem im Publishing-Segment nach 8% Rückgang in Q1 auf 9% Wachstum in Q2. Welche Maßnahmen haben Sie hier ergriffen?

Hier trägt insbesondere unser massives Engagement in gut vermarktbare Video-Reichweite deutliche Früchte: So konnten wir unsere Video-Abrufe innerhalb der letzten Monate mehr als verzehnfachen und bieten unseren Kunden nun alleine auf Focus Online über 25 Millionen Preroll-Werbeplätze pro Monat an. Ferner sind wir zunehmend erfolgreich mit maßgeschneiderten Vermarktungskonzepten im Bereich Native Advertising und Content-Marketing. Weiterhin erzielen wir inzwischen bei unseren Portalen zwischen 10 und 20 % Transaktionserlöse und machen uns damit unabhängiger vom zyklischen Werbemarkt. Und last but not least konnten wir die stark gestiegene mobile Reichweite von über 50% Anteil am Gesamtinventar im zweiten Quartal deutlich besser monetarisieren.

Wie sehen Sie die Zukunftsperspektive für redaktionelle Portale insgesamt?

Wir glauben fest an eine neue Ära für innovative Content-Portale, die mobile, social und lean konzipiert sind: Die stark steigende Smartphone-Nutzung befeuert gerade die Reichweite von Content-Angeboten deutlich. Allerdings werden aufgrund des abnehmenden Wachstums im Display-Segment und des zunehmenden Preisdrucks nur die Leuchtturmmarken in ihrem Segment erfolgreich sein. Unsere Marken wie Focus Online, HuffPost und Finanzen100 wachsen stark und erzielten im letzten Monat neue Alltime-Highs. Wir konzentrieren uns nun darauf, die deutlich gestiegen Reichweite über verschiedene Erlössäulen wie Werbung, Transaktion und auch Paid-Content noch besser zu monetarisieren.

Mobile ist aktuell der Boom-Sektor, viele klagen aber über einen Preisverfall bei den Werbeformaten. Sie auch?

In der Tat hat das massiv gestiegene Angebot an mobilem Werbeinventar in Kombination mit der noch vorhandenen Skepsis einiger Werbungtreibender, ob die kleine Bildschirmgröße von Smartphones für eine Brandingwirkung ausreichend ist, zu einem Preisverfall bei mobilem Inventar geführt. Dies gilt allerdings nicht für mobiles Videoinventar: Hier ist die Nachfrage sehr hoch und weiter steigend.
 
Nutzer von mobilen Endgeräten scheinen genervt von herkömmlichen, sperrigen Web-Werbeformen. Sind hier nicht kreative Innovationen gefragt, um die Zielgruppen nicht zu verprellen? Und wie könnten die aussehen?
 
Die simple Übertragung „klassischer“ Banner-Werbeformate auf mobile Devices hat sich als falsch erwiesen. Inzwischen sind stärker contentnahe und devicegerechte Werbeformen deutlich erfolgreicher und Facebook hat mit seiner mobilen Monetariserungsstrategie auch die Türen für andere mobile, werbefinanzierte Plattformen geöffnet.
Wir selber werden auf der dmexco im September eine Native Advertising Plattform vorstellen, die auch für mobile Devices interessante neue Platzierungsangebote bietet.

Bei der aktuellen Halbjahresbilanz der Tomorrow Focus bleibt unterm Strich aufgrund von Investitionen in neue Geschäftsfelder und Marketingoffensiven im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus in der Umsatzmarge. Was hat Sie zu den Mehrausgaben bewogen?

Tatsächlich konnten wir dem zehnprozentigen Umsatzwachstum auf exakt 100 Mio. Euro „nur“ ein dreiprozentiges Ergebniswachstum (EBITDA) auf 9 Mio. Euro gegenüberstellen.
Das liegt einerseits am verhaltenen ersten Quartal und andererseits an getätigten Sonderinvestitionen wie dem Aufbau der HuffingtonPost, zusätzlichen Produkt- und Marketinginvestitionen für HolidayCheck und den Investitionen in eine dedizierte Video-Redaktion bei Focus Online. Bei unserer Partnervermittlungsplattform ElitePartner konnte wir hingegen erfreulicherweise unsere Marge deutlich verbessern. Und bei der Ärtzeplattform jameda freuen wir uns über sehr stark zweistellig wachsenden Umsatz und Ergebnis.

Video-Content wird seit einiger Zeit als kommendes Werbeumfeld geradezu gehyped. Viele tun sich aber schwer, web-taugliche Formate jenseits von Youtube & Co. zu konzipieren. Worauf setzen Sie und was erwarten Sie mit Blick auf die Geschäftslage?

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Die Nachfrage der Werbungtreibenden nach Videoumfeldern übersteigt deutlich das Angebot. Viele Kunden shiften derzeit ihr Budget aus Standard-Display und aus TV in Richtung Video-Werbung. Publishing-Geschäftsführer Oliver Eckert und Focus Online-Chef Daniel Steil haben das Video-Team bei Focus Online stark ausgebaut und außerdem Video zum zentralen Baustein der Redaktion gemacht. Das bedurfte erheblicher organisatorischer Veränderungen und Anstrengungen, aber der Erfolg gibt uns recht.

Im Publishing-Bereich hat die Huffington Post eine besondere Aufmerksamkeit. Wie entwickelt sich das Portal?

Wir sind überaus zufrieden mit der Entwicklung von HuffingtonPost und liegen deutlich über unseren ambitionierten Zielen: Im vergangenen Monat hat das Team von Chefredakteur Sebastian Matthes erstmals mehr als 10 Mio. Visits erzielt. Aber auch die Werbeerlöse entwickeln sich in einem schwierigen Display-Marktumfeld gut. Unsere Strategie, mit der HuffPost-Partnerschaft im deutschsprachigen Raum eine neues News-Segment zu erschließen, ist voll aufgegangen.

Größter Umsatztreiber von Tomorrow Focus sind die Travel-Plattformen. Was erwarten Sie hier in den nächsten Jahren, wie sind da Ihre Pläne?

Nachdem wir vor wenigen Wochen auch die restlichen Anteile der holländischen Reise- und Wetterplattformen Zoover und Meteovista übernommen haben, steht nun die Integration der Assets in den verschiedenen Ländern im Vordergrund. Außerdem kommt in den nächsten Monaten eine komplett neue und innovative Technolgieplattform zum Einsatz, in die wir bei HolidayCheck mehrere Millionen Euro investiert haben. Mit Philipp Goos haben wir in Holland gerade einen neuen CEO installiert, der für uns schon beim Ärztebewertungsportal jameda einen herausragenden Job gemacht hat. Und: HolidayCheck gewinnt trotz massivem Wettbewerb in Deutschland derzeit weiter Marktanteile.

Das Reise-Bewertungsportal Holidaycheck gilt als die lohnendsten Akquisition der Tomorrow Focus überhaupt. Fürchten Sie nicht, dass ein so lukratives Geschäft bei Google Begehrlichkeiten wecken könnte, selbst in dieses Feld einzusteigen?
 
Für Google ist der Reisemarkt einer der wichtigsten Umsatz- und Ergebnistreiber ihres Geschäftes und insofern stehen wir hier im permanenten Wettbewerb. Allerdings sehen wir Google gerade im Reisemarkt zunehmend in einer Position der unerlaubten Ausnutzung seiner marktbeherrschender Stellung: Die in den letzten Monaten gelaunchten Applikationen Google Hotel Finder, Google Flights und die komplette Überarbeitung der Google Maps sind nun Ergebnistreffer der Google-Suche nach Hotels. Diese Google-Strategie der vorrangigen Platzierung sogenannter „One-Boxes“ steht im kompletten Gegensatz zu unseren „fair search“-Anforderungen und kann von uns so nicht geduldet werden. Aus diesem Grunde hat unsere Tochtergesellschaft HolidayCheck vor wenigen Tagen bei der EU-Kommission eine umfangreiche Beschwerde eingereicht, die wir mit Nachdruck verfolgen werden.

Ein auf dem Markt zu beobachtender Trend ist die starke Nachfrage nach Native Advertising und Content Marketing. Welche Erfahrungen machen Sie damit?

Wir sehen zwei langfristige Entwicklungen im digitalen Advertising: Einerseits weltweit standardisierte, über Realtime Advertising buchbare Werbeformen für Performance- oder Brand-Performance-Zwecke. Hier sind Google, Facebook und zunehmend auch Amazon die großen globalen Spieler. Daneben suchen Werbungtreibende zur Inszenierung ihrer Marken nach contentnahen und  exklusiven Werbemöglichkeiten und hochwertigem Video-Inventar. Hier sehen wir für unseren Vermarkter Tomorrow Focus Media zunehmend die Chance zu „Taylormade Advertising“. Unser strategischer Partner HuffingtonPost beweist in den USA, dass mit Content-Marketing, Native-Advertising und Video-Werbung bereits rund 50% der Erlöse von Premium-Portalen zu erzielen sind. Im Zusammenspiel mit dem auf Crossmedia spezialisierten Burda-Vermarktungspartner BCN können wir diese individuellen Werbeformen auch auf weiteren Plattformen wie Print, Event etc. ausrollen.

Trotz der spürbaren Aufhellung des Marktumfelds zur Jahresmitte scheint es schwierig, eine längerfristige Prognose für die Entwicklung der Display-Werbe-Spendings abzugeben. Was erwarten Sie?

Eine weitere Prognose ist in der Tat schwierig, da sich die Optionen für unsere Werbekunden ständig erweitern und es auch mittelfristig zu einem Inventar-Überangebot kommen wird: Einerseits erschließt das Realtime-Advertising auch Longtail-Inventar, andererseits weiten Facebook, Amazon und Twitter ihre Werbeangebote noch einmal deutlich aus und geben Nutzerdaten hinzu. Wir sehen den Display-Markt deshalb auch in den nächsten Monaten aufgrund des Überangebotes an Inventar preislich unter Druck, glauben aber an weiteres deutliches Wachstum bei der Videowerbung bei stabiler Preisentwicklung.

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