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Star-Anwalt Matthias Prinz: „Sparmaßnahmen der Verlage sind problematisch“

Ist der Meinung, dass Geldentschädigungen oft zu gering sind: Rechtsanwalt Matthias Prinz.
Ist der Meinung, dass Geldentschädigungen oft zu gering sind: Rechtsanwalt Matthias Prinz.

Medien-Anwalt Matthias Prinz ist besorgt über Sparmaßnahmen in Verlagen. Weil Journalisten weniger Zeit für Recherchen hätten, leide der Qualitätsjournalismus. Im Gespräch mit dem Handelsblatt und MEEDIA erläuterte der Star-Anwalt auch seine Sicht auf den aktuellen Wirtschaftsjournalismus. Jörg Kachelmann, der Klagen gegen verschiedene Medien eingereicht hat, hätte er nicht vertreten.

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„Wir haben heute mehr Blätter, die guten Wirtschaftsjournalismus machen“, sagte Prinz. Der Medienrechtler warnt allerdings auch vor Kostendrückerei in Verlagshäusern. Sparmaßnahmen seien „problematisch“. In wirtschaftlich schweren Zeiten bliebe Journalisten weniger Zeit für tiefgehende Recherche. Dies führe an manchen Stellen zu Qualitätsverlusten, sagte der Medienrechtler, der Sohn des langjährigen Bild-Chefredakteurs Günter Prinz.

Im Interview mit dem Handelsblatt und MEEDIA erklärte Prinz, der u.a. die monegassische Familie und deutsche DAX-Konzerne als Anwalt vertritt, welchen Herausforderungen auch Medienrechtler im Zeitalter des Internet gegenüberstehen. Seine Aufgabe, Mandanten vor unwahrer Berichterstattung zu schützen oder diese wieder richtigzustellen, werde durch das Netz erschwert.  Prinz: „Die Verbreitung von Inhalten ist im Internet unglaublich schnell und kaum nachzuvollziehen.“ Auch verändere das Internet die Vorgehensweise. Die Unterlassungserklärung gewinne an Bedeutung. Der Unterlassungsanspruch sei „das Wichtigste, weil falsche Berichterstattung aus dem Internet verschwinden soll“, sagte Prinz.

Medien-Klage von Jörg Kachelmann: „Der Rechtsanwalt wird sich schon etwas dabei gedacht haben“

Als Promi-Anwalt erstritt Prinz Grundsatzurteile wie Gegendarstellungen auch auf Titelseiten von Zeitschriften und Zeitungen. Mit den aktuellen Klagen Jörg Kachelmanns gegen Bild und Bild.de, Bunte sowie Focus eröffnet sich eine neue Dimension, was die Höhe von Schadenersatzforderungen von Prominenten angeht. Gleichzeitig tritt eine neue Generation von Medienanwälten in die Öffentlichkeit. Prinz, der bereits seit den Achtziger Jahren aktiv ist, hätte den ehemaligen Wettermoderator des Ersten aber nicht juristisch vertreten, sagte er.

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Als Medienrechtler habe ihn der Strafprozess – Kachelmann war wegen Vergewaltigung angeklagt und freigesprochen worden – „nicht so sehr“ interessiert. Und auch die zivilrechtliche Klage gegen die Medien bringe Risiken für Kachelmann mit sich, gab Prinz zu Bedenken. So sei zu befürchten, dass „die Medien die Anschuldigungen erneut aufgreifen werden und die Unschuldsfrage erneut stellen.“ Dies könnte Kachelmann wieder negativ in die Schlagzeilen bringen. Aber: „Der Rechtsanwalt, der ihn vertritt, wird sich schon etwas dabei gedacht haben.“

Kachelmann fordert von Bild, Bunte und Focus mehr als drei Millionen Euro Schmerzensgeld. „Es gibt Fälle, in denen Menschen fälschlich als Kinderschänder bezeichnet wurden und von Gerichten lediglich 20.000 oder 30.000 Euro zugestanden bekommen haben. Ich war immer der Meinung, dass die Geldentschädigungen hierzulande zu niedrig sind“, sagte Prinz. „Vielleicht erreicht Herr Kachelmann ja eine Änderung der Rechtsprechung.“

Ein ausführliches Interview mit Matthias Prinz ist am Freitag (8. August 2014) in der Wochenendausgabe des Handelsblatt erschienen. Das Gespräch führten Volontäre der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. 

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