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Sieh die Welt: Neues digitales Magazin für Reportagen geht an den Start

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Nach Weeklys, Krautreporter und Substanz stellt sich ein neues digitales Reportage-Magazin der Öffentlichkeit vor: Sieh die Welt will wöchentlich Geschichten aus aller Welt erzählen, multimedial in Wort, Bild und Ton. Finanziert werden soll das Magazin durch die Spenden seiner Leser. MEEDIA hat mit den Gründern gesprochen.

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Jeden Montag um 13 Uhr soll eine neue Geschichte auf Sieh die Welt von der Welt da draußen erzählen. „Die Idee ist es, dem Leser Geschichten zu bieten, die subjektiv und ohne Klischees Schicksale, Orte und Lebenswelten wiedergeben. Ein Deutschland-Bezug oder Aktualität sind uns nicht so wichtig“, sagt der freie Journalist Oliver Alegiani, der das Magazin gemeinsam mit dem Autor und Fotografen Markus Huth in Hamburg gegründet hat.

Multimedial und aus aller Welt

Wie unterschiedlich die Themen und Darstellungsvarianten sein können, zeigen die ersten Artikel, die seit gestern im Netz stehen: Im Beitrag „Das Tal des Elefanten“ berichtet Kathrin Klaus aus Thailand über einen Flüchtlingspark für Elefanten. Der freie Fotograf Axel Heimken war mit der Bundeswehr im Norden Afghanistan Sprengköpfe entschärfen und präsentiert die Bilder seiner Herbstreise 2011 unter dem Titel „Im Bauch der Panzerkröten.“ In „Das vergessene Paradies“ schließlich dokumentiert der Fotograf Nick Jaussi in einem Film aus statischen Bildern mit Audio-Hinterlegung das Leben der Dona Alba aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, die in ärmsten Verhältnissen mit ihren kranken Familienmitgliedern lebt. Weitere Geschichten kommen aus einem indischen Slum oder aus dem Krater eines indonesischen Vulkans.

Magazin für Reportagen

Huth-Alegiani

Sieh die Welt-Gründer Markus Huth und Oliver Alegiani (r.)

Die exotischen Destinationen der Geschichten und deren Mischung aus Bildern und Erlebnisbericht legen beim ersten Blick ins Magazin einen Vergleich mit digitalem Reisejournalismus nahe. Reisetipps werde man hier aber vergeblich suchen, erklärt Alegiani: „Sieh die Welt soll in erster Linie ein Magazin für Reportagen sein. Es geht darum, dass unsere Autoren aus der Welt berichten: Mal aus subjektiver Wahrnehmung, mal von bestimmten Orten oder Ereignissen.“ Derzeit schöpft das Magazin dafür aus einem Pool von offiziell 15 erfahrenen Journalisten und Fotografen.

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„Wir glauben an die Selbstbestimmung des Lesers“

Finanziert wird das digitale Heft zunächst über sogenannte Spendenabos: Leser können das Magazin mit 30, 60 oder 120 Euro im Jahr unterstützen. Je nach Spendenpaket bekommen Unterstützer entweder regelmäßige Newsletter des Magazins zugesandt, werden Mitglied eines Ehrenclubs, der ihren Namen in einer digitalen „Hall of Fame“ platziert, oder bekommen ein Exemplar der jährlich geplanten Hardcover-Version mit den besten Geschichten aus dem ganzen Jahr.

Ein Abonnenten-Verhältnis wolle man trotzdem vermeiden, so der Gründer Alegiani. Die Geschichten werden daher weiterhin für alle Nutzer zugänglich bleiben. „Wir glauben an die Selbstbestimmung des Lesers. Jeder soll Zugang zu unseren Geschichten haben. Und jeder, der möchte, dass es mehr davon gibt, sollte sich bewusst machen, dass es gute Reportagen nicht umsonst geben kann. Dementsprechend muss auch jeder für sich entscheiden, wie viel er geben mag und kann.“

Als realistisches Finanzierungskonzept für den Onlinejournalismus von heute lässt sich Sieh die Welt aber noch nicht einordnen. Denn vergütet wird hier bisher niemand: Die Autoren schreiben und fotografieren vorläufig nur für Ruhm und Ehre, wie Alegiani sagt – „und weil sie Lust auf dieses Experiment haben.“ Sollten sich jedoch genügend Unterstützer finden, wolle man die Autoren auch nachträglich noch fair bezahlen. Crowdfunding, die Vorfinanzierung eines Projekts über Websites wie Startnext, die eine Bezahlung hätte ermöglichen können, lehnen die Gründer ab: „Wir wollten kein Geld für ein Produkt sammeln, das es noch nicht gibt.“ Vielmehr wollte man zuerst zeigen, was man vorhat und dann die Leser entscheiden lassen.

Für die weitere Finanzierung schließen Alegiani und Huth zusätzlich zu den Spendenabos auch Kooperationen mit Sponsoren nicht aus – solange die redaktionelle Unabhängigkeit gewahrt bleibe.

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