Prestige-Projekt: ein Blick in die Bild-Multimedia-Reportage über den 1. Weltkrieg

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Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat sich zum 100. Mal gejährt. Bild veröffentlichte zu diesem historischen Datum die Multimedia-Reportage "Im großen Krieg. Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein". MEEDIA hat sie gelesen.

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„Auch bei uns ist der Frieden keine Selbstverständlichkeit. Nichts schärft dafür mehr das Bewusstsein als der Rückblick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts und auf dessen Urkatastrophe.“ Mit diesen Worten leitet Bild-Chefredakteur Kai Diekmann auf Bild.de die interaktive Multimedia-Reportage über das Leben des Leutnants Fritz Rümmelmann ein, der im Alter von nur 23 Jahren im Ersten Weltkrieg an der französischen Front fiel.

Bei der Entwicklung hat sich die Redaktion an dem Parade-Beispiel für multimediales und interaktives Storytelling orientiert – an „Snowfall“ von der New York Times. Der Aufbau als Scrollytelling-Reportage, die Unterteilung in mehrere Kapitel sowie die großen animierten Titelbilder erinnern stark an das Projekt der NYT. Und „Im großen Krieg“ ist ähnlich aufwendig und detailverliebt produziert wie sein amerikanisches Pendant.

In insgesamt acht Kapiteln wird die Geschichte von Fritz Rümmelein erzählt, von seiner Geburt bis zu seinem Nachlass in der Gegenwart. Der Leser kann die damalige Stimmung greifen und beinah emotional nachvollziehen. Junge Menschen, die voller Euphorie und romantischen Vorstellungen in den Krieg ziehen, um dort erst Ernüchterung und dann unfassbaren Schrecken zu erleben.

Die Konzentration der Reportage liegt neben dem Text auf der Darstellung alter Dokumente, die Bild-Autor und Historiker Ralf Georg Reuth entdeckte: private Fotoaufnahmen, Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Zeugnisse von Rümmelein. Die Dokumente wurden digitalisiert und in die Reportage eingebunden – allein dadurch hat „Im großen Krieg“ einen hohen Informationswert. Denn die geschichtsträchtigen Dokumente sind so theoretisch für viele Menschen zugänglich gemacht (zumindest für die BildPlus-Abonnenten).

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Brief von Fritz Rümmelein an seinen Großvater

Zusätzlich zur Hauptgeschichte findet der Leser zahlreiche Hintergrundinformationen, die am Rand der Reportage ausklappbar sind. Das sind vor allem Videos, in denen Experten zu Wort kommen und altes Filmmaterial aufbereitet wird:

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Auch die Bilderslider sind sehenswert, die einen direkten Vergleich zwischen zwei Fotoaufnahmen vom selben Ort möglich machen:

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Darüber hinaus werden dem Seiten-Besucher unterschiedliche Karten geboten: eine Welt- und Europakarte, eine von der Westfront und eine, die den Frontverlauf von Rümmelein anzeigt:

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Es ist eine Erleichterung, dass die Bild trotz einiger weniger Ausnahmen („mit Leichen übersät“) in der Reportage auf die typisch reißerische Bild-Sprache verzichtet. Ansonsten sollte der Leser auf jeden Fall viel Zeit mitbringen, um sich auf die lange Geschichte in Ruhe einzulassen.

Insgesamt ist „Im großen Krieg. Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein“ sehr gelungen – auch wenn sie nach „Snowfall“, „Arabellion“ & Co. nicht mehr vor Innovationen übersprudelt. Die Reportage ist ein klassisches Scrollyteling-Stück geworden. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, ganz im Gegenteil.

Mit „Im großen Krieg. Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein“ will die Bild nach eigenen Angaben das Bewusstsein für die Geschichte schärfen. Die Digitalisierung und Aufbereitung alter Foto- und Videomaterialien ist dabei sicherlich ein sinnvoller Weg. Da die Reportage jedoch nur für BildPlus-Abonnenten zugänglich ist, wäre es interessant zu erfahren, wie groß die Reichweite des Stücks tatsächlich ist. So oder so: „Im großen Krieg“ ist ein Prestige-Projekt der Boulevardmarke.

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