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Die BamS und der Islam: Wie Marion Horn eine Hetzschrift zum Debatten-Öffner umdeutet

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BamS-Chefredakteurin Marion Horn

"Es ist schlecht, wenn man einen Kommentar hinterher einordnen muss." Stimmt. Aber Marion Horn, der Chefin der Bild am Sonntag, blieb wohl nichts anderes übrig, als nach dem islamfeindlichen Kommentar ihres Vize Nicolaus Fest eine Woche später eine Einordnung hinterherzuschieben. Plus viele kritische Kommentare von Lesern zu dokumentieren.

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Kleine Erinnerungsstütze: In der BamS vom 27. Juli hatte Fest den „Islam als Integrationshindernis“ bezeichnet. Kurzform (wobei, der Kommentar an sich war schon sehr kurz): Der Islam als solches „stört“ den Autoren. Kriminalität, „Ehrenmorde“, Verachtung für Homosexuelle. Fatal war an diesem Kommentar, dass er pauschal eine Religion als rassistisch und demokratiefeindlich brandmarkte. Eine Unterscheidung zwischen Islam und dem radikalen Islamismus fand nicht statt – sie wird offenbar vom Autoren auch nicht anerkannt, bzw. zumindest bezweifelt. Die Reaktion ließ nur wenige Stunden auf sich warten – Bild-Chef Kai Diekmann, der auch Herausgeber der BamS ist, legte einen eigenen Kommentar nach und ließ einen weiteren explizit gegen den Fest-Kommentar schreiben. Die Kritik an Fest kam von Bild, glich aber einer Reaktion des Unternehmens Axel Springer.

Noch am Abend hatte sich Marion Horn für möglicherweise entstandene „Eindrücke“ entschuldigt. Es folgte am gestrigen Sonntag eine ganze Doppelseite. In ihrem Kommentar „Islam – wir brauchen die Debatte“ versucht Horn den Spagat zwischen einer Erklärung, wie der Kommentar gemeint gewesen sein soll, und einer öffentlichen Entschuldigung. Fest sei es um Verbrechen gegangen, die „im Namen des Islam“ begangen werden – und sie, Horn, habe sich für einen Abdruck entschieden, auch wenn sie die Sichtweise von Fest nicht teile. „Eine Fehleinschätzung, denn wir haben mit diesem Kommentar viele Menschen verletzt.“

Erklärung, Entschuldigung – und Blick in die Zukunft. Im dritten Teil ihres Kommentars zeigt die Chefredakteurin auf, warum und wie aus einem Fehler auch etwas Gutes entstehen kann. Denn „nur“ mit einem öffentlichen Kniefall kann sie die Geschichte nicht enden lassen. Eine ganze Latte von Leserkommentaren sollen belegen, wie die Reaktionen ausfielen – und natürlich auch die Offenheit demonstrieren, mit dem die BamS ihren Kommentar-Shitstorm aufarbeiten will. Unter den Teppich kehren, das weiß die Social Media-versierte Horn, ist keine Option. „Lange ist über dieses wichtige Thema nicht mehr so offen und kontrovers diskutiert worden“ – findet zumindest die BamS-Chefin.

Eingesprengselt sind einige Kommentare, die mit Fests Ansicht konform gehen – oder zumindest fordern, „Probleme beim Namen zu nennen“. Beispiel: „Ich danke Herrn Fest sehr für seine klaren Worte, drücke Riesen-Respekt aus und wünsche ihm viel Kraft, den Gegenwind und die ganzen ritualisierten Blödigkeiten, die jetzt kommen, zu überstehen!“ Subtext: bitte mal herschauen, liebe Kritiker, es gibt ja sehr wohl Menschen, die genau das denken, was der Herr Fest aufgeschrieben hat. 

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Keine Frage – es ist Pflicht und Aufgabe der Medien, dem Publikum keine eindimensionale Einheits-Mainstream-Welt vorzugaukeln. Besser wäre es gewesen, eine solche Diskussion nicht mit einer Hetzschrift der ersten Güteklasse zu führen. Das weiß natürlich auch Marion Horn. Sie deutet nun eine veritable Hetzschrift zu einem Debatten-Öffner um. Das ist ein durchschaubares Manöver. Aber vermutlich das Klügste, was sie in dieser Situation machen konnte.

Auf das aktuelle Titelthema des Monatsmagazins Cicero verwies Bild-Chef Diekmann bereits in der vergangenen Woche.

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