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Deutsche Magazin-Titel zwischen Putin, nackten Weibern und so

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Jessas. Woche schon wieder vorbei. Spiegel-Putin-Cover. Diekmann vs. Kachelmann. Leser drohen mit dem schrecklichen Disavow-Tool. Dritter Weltkrieg vor der Tür. Büchner twittert Handynummer. Immer wieder Twitter. Wie soll man das nur alles unter einen Hut kriegen?

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Ruhig und durchschnaufen und beginnen mit dem Beginn. Dem Beginn dieser Woche. Da kam der Spiegel mit diesem Titelbild auf den Markt:

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Die eher reißerische Zeile plus die teils aus dem Internet zusammengeklaubten Opferfotos von Flug MH17 kamen nicht überall uneingeschränkt gut an. Das ganze Themenfeld Russland/Ukraine ist propagandamäßig aber auch wirklich ganz schön vermint. So meldete eine Spiegel-Käuferin via Twitter, dass in ihrem, am Kiosk erstandenen, Exemplar des Nachrichtenmagazins eine Art Gegen-Propaganda-Flugblatt zu finden war.

So eine platte Guerilla-Aktion macht den Spiegel nicht eben unglaubwürdiger. Ganz abgesehen davon veröffentlichte die deutsche Bald-Ober-Buzzerin, Juliane Leopold, als Beitrag zur Debatte um die Reißerischkeit des Putin-Titels bei Twitter eine kleine Zusammenstellung von Spiegel-Covern früherer Jahre:

Soll wohl heißen: Der Spiegel war schon immer irgendwie reißerisch und – jawohl! – auch sexistisch. Schon erstaunlich, was die in den 70ern alles für Themen mit nackten Weibern bebildert haben. In diesem Zusammenhang ist recht witzig, dass neulich der Focus dafür gebasht wurde, das Thema Krebs mit einer nackten Frau auf dem Titel zu illustrieren.

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Dabei war das – wie wir jetzt lernen – Old School. Der Spiegel hatte das schon 1974 (!) drauf.

Bildschirmfoto 2014-08-01 um 14.04.16

Die nackte Krebs-Frau auf dem Focus war so besehen eine Art Hommage an die Titel-Kunst der 70er Jahre. Gebracht hat’s allerdings nix.

Aus der Rubrik „Seltsame Irrungen und Verwirrungen der SEO-Welt“: In dieser Woche erreichte die Redaktion eine Mail, in der um Löschung eines Links zu der Firma Saubermacher gebeten wurde. Warum verlinkt MEEDIA zu einem Profi-Entsorger aus Österreich? Wir hatten vor einiger Zeit über den damaligen Chef der Firma berichtet, Horst Pirker. Der sollte als neuer Chef zur Verlagsgruppe News nach Wien wechseln. Also relevantes Zeug, Link zum aktuellen Unternehmen rein, fertig. Es gehe um „Einbußen in der Sichtbarkeit“, so die Auskunft der Dame bei dem Saubermacher-Dienstleister auf unsere Frage, warum dieser Link entfernt werden solle. Die Sichtbarkeit der Saubermacher in allen Ehren, aber Links auf Nachfrage entfernen? Nö. Da müsste erst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kommen. Alles klar, lautete jedenfalls die Replik auf unsere Ablehnung des Wunsches. Dann werde eben das „Disavow-Tool“ zum Einsatz kommen – was heißt, dass der Link-Fleck auf der weißen Saubermacher-Weste gewissermaßen entfernt wird. Wow, die Entsorger machen ihrem Namen alle Ehre. Und damit ihnen die Arbeit nicht ausgeht, hier gleich nochmal ein Link zu den Saubermachern. Hihi.

Kommen wir vom drohenden Dritten Weltkrieg (Ukraine), abgesaugten Links und geschmäcklerischen Debatten der Titelgestaltung von maladen Wochenmagazinen zu den wirklich wichtigen Themen: Kai Diekmann und Jörg Kachelmann haben sich diese Woche auf Twitter gezofft. Ja ist es denn die Möglichkeit!? Kachelmann erfand dabei den eigentlich ganz netten Diekmann-Spitznamen “Bartelbär”, dem ein Spaßvogel natürlich sofort einen eigenen Twitter-Account spendierte.

Twitter, Twitter, immer wieder dieses Twitter. Auch Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner ist passionierter Twitterer. Am Freitag passierte ihm da etwas allzu Menschliches, er hat sich vertwittert und ganz kurz seine Handynummer, die eigentlich als private Direct Message rausgehen sollte, öffentlich gemacht. Und der Jan Böhmermann hat’s gemerkt. Shit happens. Immerhin wussten wir mit allen Wassern gewaschenen Online-”Rechercheure”, dass es sich hier nur um die echten Herren Büchner und Böhmermann handeln kann, denn beide Twitter-Accounts sind mit dem in Medienkreisen äußerst begehrten blauen Twitter-Häkchen authentifiziert. Das blaue Häkchen zeigt an, dass Twitter die Identität der twitternden Person verifiziert hat. Damit soll zum Beispiel verhindert werden, dass sich ein Spaßvogel bei Twitter als der Papst oder – sagen wir mal – Harald Schmidt ausgibt und irgend ein namhafter Chefredakteur darauf reinfällt.

Ohne dieses Twitter wäre die Welt vielleicht nicht unbedingt sicherer aber ganz sicher ein bisschen langweiliger.

Schönes Wochenende!

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