Spiegel rechtfertigt sich nach massiver Kritik für „Stoppt Putin“-Cover

Spiegel.jpg

Publishing Wenn Medien prominent politische Haltung beziehen, ruft das in der Regel Kritiker auf den Plan. "Stoppt Putin jetzt" titelte diese Woche der Spiegel. Er wurde dafür vor allem in sozialen Netzwerken mit Kommentaren eingedeckt. Die Dimension der Kritik war offenbar so groß, dass der Spiegel reagierte – auf seinem zwischenzeitlich angestaubten SpiegelBlog.

Werbeanzeige

Das Phänomen der Kommentarlawinen, die bei kontroversen Themen vor allem über Facebook auf Medien niedergehen, ist nicht neu. Bis zu einem gewissen Grad ist Beteiligung ausdrücklich gewünscht – gilt das Web doch als Partizipationskanal. Medien fordern Rückmeldungen ihrer Nutzer ein. Betonen sogar, es gehöre zur Zukunft des Medienmachens, den Dialog mit dem Nutzer zu führen.

Manchmal kann der Dialog auch überwältigen. So ist seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts zu beobachten, dass Medien, die auch nur ansatzweise Kritik an der Politik Russlands üben, massiv von prorussischen, (meist) anonymen, Stimmen angegangen werden. So erging es auch dem Spiegel nach seiner Titelzeile „Stoppt Putin jetzt!“

„Während manche Nutzer die russische Politik in der Ukraine verteidigten, warfen einige besonders erregte Nutzer dem Spiegel vor, das Titelbild sei ‚kriegstreiberisch'“, heißt es im SpiegelBlog. Und weiter: „Das ist eine absurde Behauptung, die weder durch das Titelbild gedeckt wird noch durch die Artikel im Heft.“

Das Cover war mit zahlreichen Fotos von Opfern des Flugzeugabsturzes in der Ukraine bebildert. Was ein eigenes Thema ist, ob man die Opfer in dieser Art, mit aus dem Internet gezogenen Fotos, zeigen sollte. Die Kritik, die nun in Foren und Netzwerken laut wurde, bezog sich allerdings in erster Linie auf die Titelzeile. Die, schreibt der Spiegel nun in seiner Rechtfertigung/Klarstellung, lege keine militärische Aktion gegen Russland nahe, sondern beispielsweise „harte wirtschaftliche Sanktionen“. Das sei auch die Position der Bundesregierung, so fordere es auch ein Leitartikel im Spiegel.

Die Kommentarkultur im Netz bleibt ein heißes Eisen, die Debatten über den Umgang mit massiven, manchmal auch organisierten Nutzerkommentaren, halten an. Es gibt Formen von Gegenöffentlichkeit, die Medien zu akzeptieren haben, die sie sogar begrüßen sollten. Und es gibt Formen, mit denen sie sich sehr schwertun. Vermutlich auch darum die Entscheidung, das ansonsten relativ brachliegende SpiegelBlog für die Stellungnahme zu aktivieren.

Das Spiegel-Cover erinnert übrigens ein wenig an den Titel „Hit him hard„, das der Economist im August 2013 zum Thema Syrien brachte. Der Spiegel selbst brachte ebenfalls im vergangenen Jahr ein kritisches Erdogan-Cover. Im Fall Snowden sprach sich die Redaktion dafür aus, dem Whistleblower politisches Asyl in Deutschland zu geben. Die Zeitschrift Message hatte sich bereits im Frühjahr dem Thema „Objektivität im Journalismus“ gewidmet.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige