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Ja, ja, die Journalisten: „Männertreu“ mit Matthias Brandt als Omnipotenz-Herausgeber

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Am Mittwochabend in der ARD: der Film "Männertreu" mit tollen Schauspielern (Matthias Brandt, Suzanne von Borsody) und einem Drehbuch von Thea Dorn, das eine Story zwischen Macht, Medien, Sex und Politik erzählt. Falls also grad keine gute DVD abgearbeitet werden muss und auch sonst nix ansteht – den Film kann man schauen, Langeweile kommt nicht auf. Aber: mit der "echten" Medienwelt hat er nicht viel zu tun.

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Es ist natürlich nichts Ungewöhnliches, dass fiktionale Filme mit der Realität auf Kriegsfuß stehen. Darum überhaupt schauen wir ja Filme, lesen Bücher – um möglichst elegant und stimmungsvoll beschummelt zu werden. Manchmal wünschen wir uns, dass Klischees einfach mal schön auserzählt werden. Im Sinne der guten Unterhaltung.

Männertreu  Matthias Brandt

Zum Beispiel solche Klischees über die Medienbranche, wie sie in „Männertreu“ kolportiert und von Matthias Brandt als Herausgeber der Frankfurter Nachrichten (erinnert an Schirrmacher, aber dieser Vergleich bleibt schon bei wenigen Parallelen im Ansatz stecken) überzeugend verkörpert werden. Da ist im riesigen Verlagshaus alles in kaltes Blau getaucht, da hat der Herausgeber ein handballhallengroßes Büro und einen glatten Schreibtisch ohne Manuskripte, da wird nach TV-Interviews in der Garderobe der Moderatorin gevögelt (auch sonst eigentlich ständig), da ist der Herausgeber ein irgendwie superschlauer Typ (Promotion über die Paulskirche), der sich vom Boulevard absetzen will („darum geht es uns ja noch besser als anderen Zeitungen“), darum soll er zum Bundespräsidenten gewählt werden, stolpert dann über zahlreiche Affären und steht am Ende trotzdem als moralischer Gewinner da. Auch als Gewinner über „die“ Medien.

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So richtig zusammenpassen tut das nicht. Klar, es gefällt natürlich der privat unmoralisch handelnde Herausgeber Georg Sahl. Solche Figuren kommen gut an, schon immer, nicht erst seit „House of Cards“ oder „Mad Men“. Tolle Politiker, tolle Werbefuzzis, Spitzen-Journalisten – aber eben menschliche Schweine. Doch viel eingehender sollte sich der Zuschauer dann mit dem Konstrukt und der Kolportage über Macht und Medien nicht auseinandersetzen. Denn was hängen bleibt, ist eh klar: einflussreiche Journalisten sind machtgeile Säcke, die sich aus jeder noch so beschissenen Lage hinausmanövrieren können. Weil sie gerissen und schlau sind.

Für einen Mittwochabend im Ersten ist das freilich schon mehr, als man erwarten kann.

Was sagen die anderen? Spiegel Online findet den Film „falsch gebaut„, die Süddeutsche fordert einen Filmpreis, „sehenswert“ urteilt die FAZ, die offensichtlich Pate für die „Frankfurter Nachrichten“ stand.

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