Fußball-WM lässt Twitter-Aktie fliegen – und treibt die Bilanz unterm Strich in den Keller

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Segen und Fluch zugleich: Die Fußball-WM hat Twitter Nutzerrekorde verschafft und ließ die Werbeerlöse im zweiten Quartal in die Höhe schießen. Entsprechend verhielt sich nach der Bilanz-Präsentation auch der Aktienkurs des Kurznachrichtendienstes: die Twitter-Aktie kletterte um sagenhafte 35 Prozent. Der Höhenflug hat auch eine Schattenseite: Wegen aktienabhängiger Prämienzahlungen krachte der Verlust unterm Strich aber wieder in den dreistelligen Millionenbereich.

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Zahlen, von denen andere nur träumen können: Im zweiten Quartal 2014 steigerte Twitter allein seinen Umsatz mit Anzeigen um satte 129 Prozent auf 277 Millionen Dollar. Mehr als drei Viertel davon, 81 Prozent, hat das Unternehmen im Mobil-Geschäft gemacht. Damit liegt der Kurznachrichtendienst vor Konkurrent Facebook. Insgesamt stehen 312 Millionen Dollar Umsatz in der Bilanzierung (+124 Prozent).

Die massiv gestiegenen Anzeigenerlöse sind auf das Nutzer- und Reichweitenwachstum während der Fußball-WM zurückzuführen. Die Zahl der monatlichen Twitterer kletterte um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und zählt jetzt 271 Millionen Nutzer. An der Wall Street lösen diese Ergebnisse Jubel aus. Nachbörslich schoss die Twitter-Aktie um 35 Prozent nach oben. Mit 52 Dollar ist das Papier derzeit doppelt so viel wert wie beim Börsengang im November vergangenen Jahres.

Segen: Großevent macht Twitter zum Reichweiten-Hit

Besonders freuen dürfte sich Twitter-Chef Dick Costolo, dessen Reichweiten-Strategie zur Fußball-WM Früchte getragen hat. Kein Social-Media-Dienst begleitete das Kicker-Fest in Brasilien so intensiv, wie Twitter. Allein beim Kracher Deutschland – Brasilien habe es 4,4 Milliarden „Tweet-Impressions“ bei Twitter gegeben haben, so Costolo laut Handelsblatt auf der Analysten-Konferenz am Dienstag. Außerdem seien die Kurznachrichten rund zwei Milliarden Mal auf anderen Plattformen, wie Nachrichtenportalen, Websites oder im Fernsehen angesehen worden. Dadurch hätte der Dienst zwei bis dreimal so viele Menschen erreicht, wie er Nutzer hat. Dies allerdings ist eher nett fürs Marketing. In Erlöse verwandeln kann das Unternehmen aus San Francisco lediglich seine Nutzer.

Dafür hat Costolo aber einiges in Bewegung gesetzt. Während der Spiele wies Twitter seine Nutzer immer wieder auf eine eigene Ticker-Funktion hin, verschickte eigene Meldungen zum Anstoß und lieferte Informationen in Echtzeit. Für WM-Twitterer überlegten sich die Mitarbeiter allerlei Spielereien. Insgesamt seien 672 Millionen Meldungen getippt worden – mehr als jemals zuvor bei einem Event. Costolos Strategie könnte sich bei vergleichbaren Veranstaltungen wie der EM oder Olympia erneut auszahlen. „Durch die Entwicklung neuer Produkte wie diese, die wir rund um die Weltmeisterschaft gestartet haben, glauben wir Twitter einem noch breiterem Publikum zugänglich machen zu können“, erklärte Costolo.

Fluch: Börsenerfolg bedeutet dreistelligen Millionenverlust

Gedämpft wird die Stimmung in Kalifornien nur mit Blick auf die Gewinn-und-Verlustrechnung. Weit entfernt von der Wall Street in New York ist sie quasi für einen schmerzhaften Bilanzverlust verantwortlich. Da die Mitarbeiter vom Aktienergebnis profitieren, muss Twitter fast 160 Millionen Dollar aktienabhängige Prämien zahlen. Unterm Strich bleibt somit ein Minus von 125 Millionen Dollar im Vergleich zu 45 Millionen Dollar Miesen im Vorjahresquartal und 132 Millionen Dollar Verlust im ersten Quartal des Jahres. Da enttäuschte das Netzwerk mit schwachen Nutzerzahlen und erzielte auf dem Parkett noch ein Allzeittief.

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