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Das Wulff-Bullshit-Bingo mit Maybrit Illner, Prantl und Vollmer

Keine Erkenntnis, nirgends: Christian Wulff bei Maybrit Illner
Keine Erkenntnis, nirgends: Christian Wulff bei Maybrit Illner

Christian Wulff hat sich für seinen ersten Fernsehauftritt nach seinem Rücktritt und Prozess die ZDF-Talkshow von Maybrit Illner ausgesucht. Nach der Show, in der auch SZ-Mensch Heribert Prantl und die Grünen-Politikerin Antje Vollmer auftraten, muss man sagen: Das war aus seiner Sicht gut gewählt. Denn Moderatorin und das Schwafel-Gespann Prantl/Vollmer machten eine derart miserable Figur, dass Wulff daneben relativ souverän wirkte. Aber auch nur relativ.

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Christian Wulff musste gar nicht viel machen bei der “Maybrit Illner”-Sendung am gestrigen Donnerstag. Er wiederholte, was er bei der Pressekonferenz zu seinem Buch “Ganz oben Ganz unten” und im Spiegel-Interview diese Woche schon gesagt hatte. Wulff wirkte gefasst aber souverän. Einer, der nichts mehr zu verlieren hat, weil ihm schon alles genommen wurde. Naja nicht wirklich alles. Aber seiner Meinung nach sein Amt, seine Würde, seine Frau, das ganze Elite-Leben. Also eine ganze Menge.

Christian Wulff hat sich offenbar entschlossen, nach der Aufarbeitung seines Falls seine ganz eigene Wahrheit zurechtzubiegen. Das ist menschlich verständlich aber hat mit Fakten in ganz vielen Punkten nichts zu tun. Nun wäre es natürlich schon interessant, diesen Christian Wulff zu befragen. Ihn reden zu lassen. Zu schauen, wo er Fakten beugt, wo die echten Verletzungen sitzen, wo die Medien, die Justiz, die politischen “Freunde”, die Öffentlichkeit ihre Spuren eingegraben haben.

Aber dazu hätte es einer anderen Sendung bedurft. Maybrit Illner war mit dem Thema und den schlecht ausgewählten Bei-Gästen Heribert Prantl und Antje Vollmer von Sekunde eins an komplett überfordert. Zuerst hangelte sie sich am Spiegel-Interview entlang, danach verstrickte sie sich immer wieder in das “Klein Klein” (O-Ton Vollmer) der Vorwürfe von vor dem Prozess. Wulff sagte mit Recht, dass die ganzen Kredit- und Übernachtungs- und Vorteilsgeschichten vor Gericht final geklärt wurden. Illner hörte offenbar nicht zu. Sie wirkte, als sei sie in eine ihrer alten Wulff-Talkshows zurückgebeamt worden, in denen beherzt über Bobbycars und Mallorca-Übernachtungen debattiert wurde. Das hätte sie neben der Kritik an den Printmedien übrigens auch mal thematisieren können: die ebenfalls unrühmliche Rolle der TV-Talkshows in der Sache.

Diesmal saß der Wulff halt mit am Tisch, auch wenn über weite Strecken über ihn geredet wurde, als sei er gar nicht da. “Der Christian Wulff hat dies und das gemacht…” “Das gilt nicht für einen Christian Wulff …” Befremdlich war das und stillos. Dann die ganzen handwerklichen Fehler. Illner versäumte es, auch nur den Hauch von Struktur in die Sendung zu bringen. Die Rolle der Medien, die Justiz, die alten Vorwürfe. Es ging munter durcheinander und drunter und drüber. Ihre beiden anderen Gäste, der selbstgerechte Knödler Prantl und die meist wirr daherschwafelnde Frau Vollmer waren keine Hilfe.

Als Vollmer anfing, die unseligen und nachweislich falschen Rotlichtgerüchte über Wulffs Ex-Frau auch nochmal groß aufzurollen, wäre man am liebsten im Boden versunken. Vollmer schaffte es, den Eindruck zu erwecken, die Bild hätte diese Gerüchte befeuert. Mit ganz viel „hätte“, „wäre“, „würde“. Dann hatte die Illner-Redaktion einen Einspieler vorbereitet, in dem einige Medienfuzzis die sattsam bekannten Vorwürfe an Wulff nochmal herunterleiern durften. Ja, ja, ja: Er hätte gleich “reinen Tisch” machen soll. Die “Salami-Taktik” war schädlich, usw.

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Wulff diagnostizierte nach dem einseitigen Einspieler mit Recht eine gewisse Selbstgerechtigkeit der Medienzunft. Maybrit Illner wies das zurück: Nein, nein. Die gezeigten Kollegen seien auch total selbstkritisch. Das hat man halt bloß nicht gezeigt und so war der Eindruck der Selbstgerechtigkeit auf Journalistenseite übermächtig. Und wenn sie mal nicht weiter wusste, “geben wir die Frage doch mal an Frau Vollmer” weiter. Ausgerechnet. Gerade so, als ob aus dieser Ecke etwas Erhellendes zu erwarten sei. Was für eine jammervolle Performance.

Man konnte die Maybrit-Illner-Sendung damit rumkriegen, indem man Wulff-Bullshit-Bingo spielte. Rotlichtgerüchte? Check. Bobbycar? Check. Hauskredit? Check. Väterlicher Freund? Check. Medien-Exzesse? Check. Demokratie in Gefahr? Check. Diekmann-Mailbox? BINGO!

Alles, was zum Thema Wulff schon sattsam gesagt, geschrieben, kommentiert und moderiert  wurde, wurde hier noch einmal durchgehechelt. Aus dem Umstand, dass man den Mann selbst da sitzen hatte, machten Moderatorin und Redaktion: nichts.

In einer besseren Welt würde man sich wünschen, dass ein Typ wie – sagen wir mal – Roger Willemsen Christian Wulff zwei Stunden im Einzelgespräch befragen könnte. Vielleicht wäre bei so einer Konstellation etwas herausgekommen, das interessant und ein ganz kleines bisschen wahrhaftig gewesen wäre. Vielleicht.

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