ARD dementiert Bild-Bericht über Einsparungen beim „Tatort“

Quoten-Gigant: der „Tatort“ im Ersten
Quoten-Gigant: der "Tatort" im Ersten

Sie kommen nicht nur später als erwartet, es sind auch weniger: Laut der heutigen Bild-Titelgeschichte sollen in der kommenden Saison weniger Folgen des ARD-Sonntagkrimis "Tatort" und "Polizeiruf 110" produziert werden, als im Vorjahr. Grund seien Einsparungszwänge der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Die ARD widerspricht gegenüber MEEDIA allerdings diesen Vorwürfen.

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Wie es in dem Bericht (Bezahlschranke) heißt, habe die ARD 35 neue „Tatort“-Folgen geplant sowie acht Neuproduktionen von „Polizeiruf 110“. Insgesamt sind das 43 Krimi-Erstaustrahlungen, obwohl 48 möglich gewesen wären. Grund dafür seien zum einen Einsparungszwänge der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: Allein beim NDR soll der allgemeine Etat 2015 und 2016 um 37 Millionen Euro gekürzt werden. Auf der Strecke blieben dabei unter anderem zwei „Tatort“-Drehs  – und das, obwohl der Kultkrimi mit einem Zuschauerschnitt von 9,32 Millionen (2013) das Flaggschiff des Ersten sei.

15.500 Euro pro Sendeminute

Wie kostspielig die Krimiproduktionen sind, legte Das Erste im Herbst vergangenen Jahres offen: Eine Neuproduktion kostet demzufolge zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Euro, das sind rund 15.500 Euro pro Sendeminute. Vom Rundfunkbeitrag, den jeder Haushalt in Deutschland monatlich zahlt, fließen letztlich aber nur knapp 15 Cent in die Produktion neuer „Tatort“ – und „Polizeiruf 110“-Folgen.

Zwar verzeichnen die Rundfunkanstalten durch den neuen Rundfunkbeitrag erhebliche Mehreinnahmen. Diese dienen aber lediglich als Rücklage, wie zuletzt unter anderem NDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Lutz Marmor erklärte. Im gleichen Zug versicherte er aber, Spar-Entscheidungen würden nicht zu Lasten des Programms getroffen werden.

ARD dementiert Einsparungen

Eine Sprecherin der ARD dementierte die Einspar-Vorwürfe gegenüber MEEDIA. „Beim ‚Tatort‘ und ‚Polizeiruf‘ wird nicht gesparrt. Wir kündigen jedes Jahr zwischen 43 und 48 Neuproduktionen an. Dieses Jahr sind es eben 43. Ich weiß nicht, wo da der Skandal ist.“ Die Anzahl der Neuproduktionen hänge dabei immer auch von der allgemeinen Programm- und Drehbuchentwicklung ab, so die Sprecherin. So stünden in diesem Jahr allein aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft weniger Krimi-Sonntage zur Verfügung, woran sich letztlich auch die Produktion der Sendungen anpasse.

Tatsächlich gelang es dem Sender bislang nicht komplett, die Bild-Vorwürfe zu entkräften. Andererseits bleibt auch bei der Attacke des Boulevard-Blattes einiges im Unklaren. Fakt ist: Es wären noch mehr „Tatort“- und „Polizeiruf“-Folgen drin gewesen, hätte man die Sommerpause aus produktionstechnischen Gründen nicht verlängert. Gleichzeitig wäre es von Seiten der ARD aber auch ein unkluger Schachzug gerade am Aushängeschild „Tatort“ zu sparen, der nach wie vor Millionen von Zuschauern Sonntagabends vor den Fernseher zieht.

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