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MH17: Sky-Reporter rechtfertigt Taschenwühl-Aktion

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Auf Spurensuche on air: Liveschalte von der Absturzstelle

Die Tücken der Live-Berichterstattung: Colin Brazier, seines Zeichens Reporter bei Sky News, erlangte vergangene Woche weltweite Bekanntheit, nachdem im Web ein Shitstorm losbrach, weil der Journalist sich vor laufender Kamera durch die Habseligkeiten eines Opfers des Absturzes von Flug MH17 gewühlt hatte. Nun äußert er sich erstmals zur Kritik.

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In einem langen Artikel für den Guardian erklärt Brazier, wie es zu dem unglücklichen Moment kam, als er sich durch das Gepäck eines Mädchens wühlte, das bei dem Absturz in der Ukraine ums Leben gekommen war. Brazier erkannte offenbar in dem Moment, als er sich die Tasche des Opfers anschaute, einen Schlüsselring und eine Zahnbürste anfasste, dass er eine Grenze überschritten hatte. “Ich nehme an, wir sollten das hier nicht tun”, sagte er live auf Sendung (hier ein Vine-Video der Schalte).

„Überall lagen Leichen“

Im Web wurde Brazier heftig kritisiert, berichtet der Guardian. “Einfach abstoßend”, kommentierte ein BBC-Radioreporter demnach. Im Guardian wiegelt der Journalist ab. Andere Kollegen an der Absturzstelle hätten sogar Gepäckstücke in die Hand genommen und in die Kamera gehalten. Das hätte er fälschlicherweise übernommen. Das Gebiet hätte zudem an das Set aus einem Horrorfilm erinnert. „Überall lagen Leichen und Leichtenteile“, so Brazier. Er könne sich noch jetzt an den Geruch vor Ort erinnern.

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Bei solche langen Open-End-Reportagen sei die Arbeit ein Drahtseilakt. Einer, bei dem sich Brazier vor laufenden Kameras verstolpert hat. „An diesem Wochenende habe ich Mist gebaut. Gäbe es jemanden, bei dem ich mich persönlich entschuldigen könnte,ich würde es tun“, schreibt Brazier im Guardian.

„Zu spät habe ich realisiert, dass ich eine Grenze überschritten hatte“, erklärt der Sky-Reporter. „Ich dachte laut: ‚Wir sollten das nicht tun…das ist ein Fehler.‘ Es war ein spontanes Eingeständnis, das nur selektiv zitiert wurde von jenen, die in dem was ich tat, ein Beispiel für journalistische Leichenfledderei sehen wollten.“

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