„Zutiefst privat“: Corinna Schumacher klagt erfolgreich gegen Bilder in Bunte und Co.

Schutz der Privatsphäre geht vor: Burda-Titel dürfen Corinna Schumacher nicht mehr nach Belieben abdrucken
Schutz der Privatsphäre geht vor: Burda-Titel dürfen Corinna Schumacher nicht mehr nach Belieben abdrucken

Publishing Die Ehefrau des Formel-1-Stars Michael Schumacher muss es sich nicht gefallen lassen, beim Betreten oder Verlassen des Krankenhauses, in dem ihr Mann liegt, von Pressefotografen abgelichtet zu werden. Das entschied ein Münchener Gericht. Bunte, Neue Woche und Super Illu hatten Fotos der Klägerin auf dem Weg ins Krankenhaus gezeigt, fünf Tage nach dem schweren Unfall ihres Ehemanns. Schumachers Anwalt sagte gegenüber MEEDIA, weitere Urteile stünden noch aus.

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Die Bunte hatte kurz nach dem Unfall des Formel-1-Stars unter der Überschrift „Wird ihr Leben jemals wieder so glücklich, wie es war?“ ein Bild von Corinna Schumacher auf dem Weg ins Krankenhaus in Grenoble abgedruckt. Ihr Gesicht beschrieb die Illustrierte als „eine Landschaft des Kummers“. Ähnlich berichteten auch die Burda-Titel Neue Woche und Super Illu. Nachdem sich die drei Blätter geweigert hatten, eine kostenpflichtige Abmahnung zu unterschreiben, ging die Kanzlei von Corinna Schumacher gegen die Titel vor.

In dem noch nicht rechtskräftigen Urteil der Pressekammer am Landgericht München I heiße es, Corinna Schumacher habe weder indirekt noch direkt der Veröffentlichung der Bilder zugestimmt. Die Klägerin sei daher „durch die Bildveröffentlichung in ihren Rechten verletzt; eine Duldungspflicht trifft sie nicht“. Auch handle es sich hier nicht um ein „Bildnis der Zeitgeschichte“. Das berichtet im Detail die Süddeutsche Zeitung.

Das Gericht räumte zwar ein, dass ein öffentliches Interesse am Fall Schumacher bestehe und generell auch zu Unterhaltunsgzwecken darüber berichtet werden dürfe. Allerdings zeigten die Aufnahmen die Klägerin in einem „zutiefst privaten Zweck dienenden Geschehen“, und trügen letztlich nicht zur Faktenberichterstattung bei. Bunte, Neue Woche und Super Illu können gegen das Urteil noch Berufung einlegen.

Der zuständige Anwalt Felix Damm von der Kanzlei Damm in Frankfurt am Main sieht in dem erstrittenen Urteil zwar eher eine Einzelfallbestätigung des bisherigen Schutzkonzeptes von Privatpersonen statt eine Ausweitung des Persönlichkeitsrechts. „Bedeutung hat der Fall jedoch wegen der massenhaften Verbreitung der Bilder“, so Damm gegenüber MEEDIA. Im selben Fall habe man bereits mehrere einstweilige Verfügungen erstritten und warte noch auf weitere Urteile gegen andere Medien.

Die Bilder von Corinna Schumacher beim Gang ins Krankenhaus wurden von zahlreichen Medien gestreut, unter anderem von der dpa. „Agenturen verkaufen Bilder aber niemals mit dem Freibrief, diese auch veröffentlichen zu dürfen“, mahnt Damm an. Die Zulässigkeit der Veröffentlichung müsse vielmehr jedes Medium für sich entscheiden. Auch der Mediendienst turi2 unterzeichnete eigenen Angaben zufolge eine Abmahnung und zahlte 1000 Euro.

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Alle Kommentare

  1. Ein sehr guter Artikel, verständlich und klar geschrieben. Die Verfasserin ist offenbar noch in der Ausbildung, aber die Alten könnten es nicht besser.
    Respekt.

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