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Geld für nix: Deutsche Crowdfunder von Hollywood-Projekt gehen leer aus

Crowdfunding vs. Geoblocking: Wer in Europa saß, konnte das Vorab-Screening von „Wish I was here“ nicht sehen
Crowdfunding vs. Geoblocking: Wer in Europa saß, konnte das Vorab-Screening von "Wish I was here" nicht sehen

"Scrubs"-Star Zach Braff sammelte das Geld für seinen neuen Film über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein. Am Wochenende sollten die Spender mit einem Online-Vorabscreening belohnt werden. Wer außerhalb der USA, Kanada oder England saß, hatte jedoch das Nachsehen: Geoblocking verhinderte die Teilnahme am Exklusiv-Event.

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Hollywood-Star Zach Braff ist international durch seine Rolle als verträumter Arzt „J.D.“ in der Comedy-Serie „Scrubs“  bekannt. Vor zehn Jahren hatte Braff bereits das Drehbuch zu seinem ersten Film „Garden State“ geschrieben, in dem Regier führte und die Hauptrolle spielte. Der Film spielte 35 Millionen Dollar ein.

Für seinen neuen Film, dessen Drehbuch er gemeinsam mit seinem Bruder geschrieben hat, startete Braff eine Crowdfunding-Kampagne. Zwar hätte er das Projekt auch über klassische Investoren finanzieren können, diese hätten aber auch das Sagen über den „Final Cut“ – den finalen Schnitt und damit die Dramaturgie des Films gehabt. Um sich maximale kreative Freiheit zu sichern, wollte Braff sein Projekt daher von den Fans mitfinanzieren lassen, zusätzlich zu eigenem Kapital. Gleich zu Beginn wurde kritisiert, dass Hollywood nun auch „den Klingelbeutel kreisen lässt“ und damit den kleinen Filmemachern Aufmerksamkeit nehme.

Trotzdem wurde Braffs Film „Wish I was here“ zu einer der erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagnen weltweit. Mehr als 3,1 Millionen Dollar sammelte der Filmemacher von weltweit mehr als 46.000 Spendern ein und übertraf das anfangs angesetzte Finanzierungsziel um rund eine Millionen Dollar.

Am vergangenen Wochenende war es dann so weit: Alle Crowdfunder, die 30 Dollar oder mehr gegeben hatten, sollten den Film exklusiv online bei einem Vorabscreening sehen können. Kurz darauf das böse Erwachen: Spender, die zum Zeitpunkt des Screenings nicht in den USA, Kanada oder Großbritannien weilten, bekamen nicht den Film sondern folgende Meldung angezeigt: „Sorry, this Weekends screening is not available in your region.“

Man kennt das von Musikvideos auf Youtube, das Phänomen heißt Geoblocking. Die Rechte an kulturellen Gütern werden dabei national und international separat verwertet, wodurch Inhalte in manchen Regionen nicht auf allen Kanälen gleichermaßen abrufbar sind.

Braff hatte die internationalen Vertriebsrechte im vergangenen Jahr an die Firma Worldview verkauft. Wann der Film in den einzelnen Ländern gezeigt werden darf, ob online oder im Kino, liegt seitdem nicht mehr in seinen Händen.

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Über Kommentare auf der Kickstarter-Seite des Filmprojekts kritisieren Spender die Kommunikation und das Vorgehen von Zach Braff

Wie bei den meisten US-amerikanischen TV-Serien und Filmen, folgt die Firma auch hier dem Prinzip unterschiedlicher Marketingzyklen, wie es der Digital-Journalist Dirk von Gehlen in seinem Blog erklärt: „Wir alle wissen, dass die finale Staffel „Mad Men“ läuft, im deutschen Fersehen ist sie aber noch nicht verfügbar, weil die Rechte fürs deutsche Fernsehen erst in einem zweiten Zyklus verkauft werden. Das ist auch logisch, in Zeiten des Internets wird es aber schwierig, den Nutzern klarzumachen, warum sie dieses Essen, das schon fertig gekocht ist, nicht essen dürfen und noch drei Monate warten müssen.“

Dass man aber für ein Produkt vorab zahlt, ohne dieses am Ende zu sehen zu bekommen, das ist neu. Auf Kickstarter löste die regionale Schranke verständlicherweise eine Empörungswelle aus. Nicht nur wegen des Geoblockings, auch weil Braff mit der Worldview-Kooperation einen Teil der Kontrolle über das Projekt abgegeben und das Prinzip des Crowdfundings damit quasi ausgehebelt hat. Noch dazu wurde das Problem vorab mit keinem Wort von den Verantwortlichen kommuniziert.

Der Vorfall demonstriert anschaulich, wie Crowdfunding nach hinten losgehen kann, wenn es versucht, klassischen Vermarktungsregeln zu folgen. Mehr noch zeigt es aber, dass diese in Zeiten des Internets prinzipiell überholt sind und die Filmindustrie hier umdenken muss. Denn damit schadet sie sich letztlich selbst, wie von Gehlen resümiert: „Wo man anfängt, Sachen zu blocken, züchtet man sich seine eigene Piraterie heran. Es ist ein Aufeinanderprallen von direkter Kommunikation auf der einen und dem alten Modell von Distribution und Verwertung auf der anderen Seite.“

Zwar soll sich Braff bei seinen Spendern mittlerweile entschuldigt haben und gemeinsam mit dem Team nach einer Ersatzbelohnung suchen. Für die Crowdfunder allerdings, die trotz ihrer Finanzierung Kinotickets kaufen müssen um den Film zu sehen, dürfte das kaum ein Trost sein. Für wirklich kapitalarme Filmemacher bleibt zu hoffen, dass sie trotzdem – oder erst recht – noch Unterstützung „in der Crowd“ finden. Eben, weil sie wirklich alles selbst machen und hoffentlich nichts versprechen, was sie nicht halten können.

 

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