Anzeige

„Der Wettbewerb um Talente wird schärfer“: Wie die Rheinische Post Journalisten ausbildet

Stellvertretender Ressortleiter Sport und Verantwortlich für die Ausbildung des Nachwuchses bei der Rheinischen Post: Martin Beils.
Stellvertretender Ressortleiter Sport und Verantwortlich für die Ausbildung des Nachwuchses bei der Rheinischen Post: Martin Beils.

Ab Oktober bildet die Rheinische Post Mediengruppe jährlich zehn Volontäre in ihrer neu gegründeten Journalistenschule aus. 30 Monate dauert die Ausbildung - das dürfte das längste Volontariat in der deutschen Verlagsbranche sein. Dafür seien die Volontäre am Ende multimedial aufgestellt, erklärt Ausbildungsleiter Martin Beils im Interview mit MEEDIA.

Anzeige
Anzeige

MEEDIA: Wieso braucht es in Deutschland eine weitere Journalistenschule, Herr Beils?
Martin Beils: Unsere Journalistenschule setzt den Schwerpunkt auf eine multimediale Ausbildung in Verbindung mit regionalem und lokalen Journalismus. Diese Fokussierungen sehe ich bei Schulen anderer Verlage nicht.

Welche Redaktionen sind denn neben der Rheinischen Post in die Ausbildung eingebunden?
Die Journalistenschule ist eine der gesamten Rheinischen Post Mediengruppe. Die Ausbildung wird grundsätzlich bei der Rheinischen Post in Düsseldorf stattfinden. Die Volontäre proftieren aber auch von anderen Publikationen unter dem Dach der RP. Insbesondere die Redaktionen der Saarbrücker Zeitung, des Trierischen Volksfreunds und der Lausitzer Rundschau werden eng eingebunden, genau wie Center TV in Düsseldorf. Außerdem stehen wir im Bereich Ausbildung vor einer Kooperation mit der Westdeutschen Zeitung.

Konkret: wie sieht die Ausbildung an Ihrer Journalistenschule aus?
Die Ausbildung baut auf vier Kernkomponenten auf: interne redaktionelle Praxis, theoretische Seminare, externe Praktika sowie eigene Projekte für unsere Redaktionen. Während der Praxiseinsätze innerhalb der Rheinischen Post werden unsere Volontäre von Mentoren, also erfahrenen Journalisten, begleitet. Für die Seminare haben wir neben internen Dozenten auch Leute von extern angeworben und mit Spiegel, Bild, dem WDR und weiteren Medien Zusammenarbeiten für die externen Stationen vereinbart.

Und wie sieht die multimediale Ausbildung aus?
Bisher stand das Zeitungsmachen im Vordergrund unserer Ausbildung. Zusätzlich gab es Volontariatsstellen im Online-Ressort. In den kommenden Wochen werden wir auch unsere Redaktionen reorganisieren und integriert arbeiten, um die Grenzen zwischen Print und Online aufzubrechen. Deshalb wird auch das Multimediale immer wichtiger. Wir brauchen Journalisten, die in allen Gattungen denken können. Deshalb bilden wir den Nachwuchs auch in den Bereichen Video und Audio aus.

Welche Mannschaftsstärke werden die Kurse an der Journalistenschule haben?
Wir starten am 1. Oktober mit zehn Journalistenschülern.

Jedes Jahr zehn Volontäre, die Sie 30 Monate lang ausbilden wollen. Wie rechtfertigen sie eine so lange Ausbildung?
Wir haben einen Ausbildungsplan erstellt und festgestellt, dass wir mit einer 24-monatigen Ausbildung nicht hinkommen würden. Was wir bisher in 24 Monaten ausgebildet haben, ist unserer Ansicht eine gute Ausbildung. Aber das reicht heute eben nicht mehr.

Anzeige

Statt sich auf eine Ausbildung für eine bestimmte Gattung zu konzentrieren, versuchen Sie das Vollprogramm abzudecken. Wird das so etwas wie “ von allem ein bisschen, aber nichts richtig” können?
Es wird sicher nicht so sein, dass alle Absolventen jede Gattung perfekt beherrschen können. Es geht aber darum, sie an alles mal heranzuführen, um sie aufs Berufsleben vorzubereiten. Es geht sicher auch darum, dass die Schüler innerhalb des multimedialen Tätigkeitsfeldes einen Schwerpunkt setzen können. In diesem Fall wird unser Mentorenprogramm mit erfahrenen Journalisten entscheidend, die mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.

Bei zehn Schülern pro Jahr haben sie zwischenzeitlich bis zu 30 Schüler im Umlauf. Das ist eine ziemlich große Zahl. Wo bringen Sie den Nachwuchs unter?
Mit rund 200 Redakteuren ist die Redaktion der Rheinischen Post schon vergleichsweise groß. Unsere Zentralredaktion hat etwa 50 Redakteure, die anderen arbeiten in fast 30 lokalen Redaktionen. Hinzu kommen die externen Stationen. Wir haben also genug Platz.

Sind die Deals mit anderen Medien als externe Stationen für Ihre Schüler denn schon sicher?
Die Chefredaktionen haben feste Deals ausgehandelt. Unsere Journalistenschüler können aber auch Wünsche äußern, in welchen Redaktionen sie außerhalb der Rheinischen Post Mediengruppe arbeiten wollen. Wir sind dann zuständig, ihnen auch gerecht zu werden.

Was verdienen Journalistenschüler der Rheinischen Post?
Wir zahlen eine Aufwandsentschädigung von 1.500 Euro brutto im Monat. Damit liegen wir über dem Durchschnitt, den andere Schulen zahlen.

Und nach der Ausbildung werden ihre Schüler auch innerhalb der Mediengruppe übernommen?
Ich kann natürlich keine Prognose darüber abgeben, wie viele wir in zweieinhalb Jahren übernehmen können. Das Ziel aber ist natürlich die Ausbildung des eigenen Nachwuchses, um auch als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Der Wettbewerb um Talente wird immer schärfer. Da müssen wir nachlegen. Wir werden tatsächlich versuchen, möglichst viele Leute unter dem Dach der Rheinischen Post Mediengruppe unterzubringen. Eine Garantie für zehn Neueinstellungen pro Jahr kann ich aber nicht geben. Wir haben in der Vergangenheit aber schon die Erfahrungen gemacht, dass Leute mit RP-Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben.

Mittlerweile hat fast jeder Verlag eine eigene Schule und bildet Nachwuchs im Akkord aus. Wo sollen die Leute nach der Ausbildung denn unterkommen?
Natürlich besteht ein Konkurrenzkampf, auch schon während der Ausbildung. Die Schüler müssen sich empfehlen. Was die Perspektiven angeht, bin ich beruhigt. Der Bedarf an Nachwuchsjournalisten ist definitiv vorhanden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*