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Bernd Runge plant „metroglobales Hochglanz-Magazin für Männer“

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Bernd Runge

Vorhang auf für eine neue Zeitschriften-Unterkategorie! Bernd Runge und Anja Schwing wollen Ende September "das erste metroglobale Hochglanz-Magazin für Männer" an den Kiosk bringen. Noah soll es heißen. Es sei Zeit für neue Konzepte, sagt Runge, einst Top-Medienmann bei Gruner+Jahr und Condé Nast, im Gespräch mit MEEDIA. Seine Priorität bleibe allerdings die deutsche Ausgabe der Zeitschrift Interview.

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Kleine Erinnerung: Anfang 2012 hatte Runge gemeinsam mit dem russischen Unternehmer Vladislav Doronin einen deutschen Ableger des Interview Magazins gestartet; der amerikanischen Interview/Zeitgeist/Lifestyle-Zeitschrift, die einst Andy Warhol erfand. Runge war in den Neunzigern Chefredakteur der französischen Gala, dann kurze Zeit Chef des Jahreszeiten-Verlags und danach über zehn Jahre Deutschlandchef von Condé Nast.

Bei Condé Nast gründete er auch sein bisher größtes Projekt, die deutsche Ausgabe von Vanity Fair als Wochenzeitschrift. Das riskante Unterfangen („das letzte große Print-Abenteuer“) scheiterte, allerdings nach Runges Abschied bei Condé Nast 2009. Die Verluste, die sich Woche für Woche steigerten, waren zu hoch. Auf eine Auszeit von den Medien, die Runge beim Auktionshaus Phillips de Pury verbrachte, folgte der Start von Interview.

Nach einer Reihe von Wechseln an der Spitze des Magazins – zuletzt hatte Lisa Feldmann die Berliner Redaktion nach nur wenigen Monaten wieder verlassen – hat Runge die Chefredaktion nun selbst übernommen. Mit im Team sind u.a. Jörg Rohleder, Peter Praschl, Klaus Stockhausen, Harald Peters und Antje Wewer. Seit Frühjahr firmiert die ehemalige Grazia-Chefredakteurin Claudia ten Hoevel als „Executive Editor Special Projects/Online“.

Auch bei Noah, das zunächst als One-Shot geplant sei, übernimmt Runge die Redaktionsleitung. Geschäftsführerin ist seine Partnerin Anja Schwing. Das Heft soll nicht in der Interview PH GmbH erscheinen, sondern in der Atelier Publications Deutschland GmbH. Die Firma ist bei Interview mit der Anzeigenakquise betraut. Runge sagt, er wolle eine eigene Redaktion aufbauen. Verkaufe sich das Magazin ordentlich – die Druckauflage soll bei etwa 40- bis 50.000 Exemplaren liegen – sei eine vierteljährliche Erscheinungsfrequenz geplant.

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Nun ist es allerdings kein Geheimnis, dass die Kategorie „Männermagazin“ in Deutschland nicht sonderlich erfolgreich ist. Einige – zugegeben eher schlecht gemachte – Zeitschriften wurden eingestellt. Jenseits von Playboy, GQ und Men’s Health, die inhaltlich recht unterschiedlich ausgerichtet sind, gibt es wenig Vorzeigbares. Bernd Runge kommentiert diesen Einwand so: „Es ist Zeit für neue Konzepte, die Zielgruppe Mann wird von Verlagen im anspruchsvollen Segment vernachlässigt und intellektuell unterschätzt.“

Und etwas konkreter: „Wir werden in Noah viel Mode zeigen, wollen aber noch mehr bieten. Inhaltlich werden wir uns von damit von GQ Style stark unterscheiden. Ich darf das sagen, ich habe GQ Style 2002 erfunden.“ GQ Style ist ein Ableger des Condé Nast-Männermagazins GQ. Runges Äußerungen lassen an internationale Magazinformate wie Fantastic Man und Arena Hommes Plus denken. Ob Noah der endgültige Name des Titels ist, lässt Runge offen. Ob es ein digitales Konzept bzw. Geschäftsmodell für das Magazin gibt – ebenfalls noch offen.

Zurück zu Interview: Der Titel wies im ersten Quartal eine verkaufte Auflage von gut 73.000 Exemplaren pro Ausgabe auf, davon 28.508 Abos und 15.157 am Kiosk abgesetzte Hefte. In der Branche zirkulieren immer mal wieder vierstellige, also ziemlich niedrige, Grosso-Zahlen. „Wir sind mit unserer Auflage zufrieden“, sagt Runge. „Ich weiß, das von mir nicht bekannter Seite gerne Verkaufszahlen genannt werden, die nicht stimmen.“ Interview Deutschland sei aber IVW-geprüft. Dazu komme, dass er gar nicht das Ziel habe, „ein Heft mit Riesen-Auflage zu machen, das war nie unsere Priorität. Ich möchte eine außergewöhnliche Zeitschrift machen und das tun wir.“ Ob Interview profitabel arbeitet, sagt Runge nicht.

An Ehrgeiz und Optimismus mangelte es Runge, der sich in den vergangenen Jahren mit öffentlichen Äußerungen über die Branche eher bedeckt hielt, noch nie. Eine „Print-Krise“, von derzeit viele Kollegen sprechen, sieht der Journalist und Zeitschriftenmanager nicht. Aber der Verkauf über den Kiosk sei „nur einer von vielen Wegen“. Es brauche „alternative Vertriebssysteme, um unsere Produkte zum Leser zu bringen“. Mit Noah wollen Runge und Schwing zeigen, wie solche Alternativen auf dem deutschen Markt aussehen könnten.

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