Anzeige

Anke und der Supernerd: So lief das Interview von Anke Engelke mit Julian Assange ab

engelke-assange-02.jpg

Heute Abend kann man im TV sehen, wie Anke Engelke in ihrer WDR-Show "Anke hat Zeit" auf Wikileaks-Gründer Julian Assange trifft. Diese Kombination verspricht, spektakulär zu werden. Das wird sie auch – doch das liegt nur wenig an der Moderation, denn Assange sagt, was er sagen will – ohne Rücksicht auf die Fragen.

Anzeige
Anzeige

Wikileaks-Gründer Julian Assange ist ein begnadeter Redner, ein Mann, der so fesselnd von seinen Überzeugungen erzählt, dass man ihm einfach zuhören muss. Diese Fähigkeit stellt er auch in Anke Engelkes Talkshow „Anke hat Zeit“ unter Beweis. In mehrminütigen Monologen warnt er erneut vor der gefährlichen Macht von Google, Facebook und der NSA– zum Teil komplett unabhängig von den Fragen der Moderatorin.

Die Moderatorin ist nervös, der Gast souverän

Der Zuschauer erlebt eine ungewohnt nervöse Anke Engelke. Diese Anspannung ist mehr als verständlich, schließlich ist nicht nur der Gesprächspartner außergewöhnlich (gegen ihn wird in den USA wegen Spionageverdachts ermittelt und in Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen), sondern auch die Situation an sich: Assange wird über einen kleinen Fernseher aus der ecuadorianischen Botschaft in London zugeschaltet. Anke Engelke gibt zu: „In so einer Situation war ich auch noch nie.“
Der Wikileaks-Gründer wurde von einem weiteren Gast der Sendung ‚mitgebracht‘, der Theater-Regisseurin Angela Richter, die für die Inszenierung ihres Theaterstücks „Assassinate Assange“ am Kölner Schauspielhaus zahlreiche Gespräche mit ihm führte.

Anke Engelke startet das Interview mit der vermeintlich trivialen Frage „Wie fühlen Sie sich momentan?“ Assange antwortet unaufgeregt: „Ich habe viel zu tun und viel, worüber ich nachdenke. Das hält mich geistig aufrecht.“ Die Antwort des Wikileaks-Gründers auf die zweite Frage der Moderatorin („Was würde passieren, wenn Sie jetzt das Gebäude verlassen?“), sorgt für einen kurzen Moment der Entspannung und vereinzelte Lacher im Publikum: „Ich würde einem Polizeibeamten zum größten Erfolg seiner Karriere verhelfen.“ Mit Frage drei wird es dann brisanter:

Engelke: „Wie kommt ein 16-jähriger dazu, das Pentagon auszuspionieren?“
Assange: „Um die Welt zu entdecken. Lernbegierige Menschen zieht es immer hinaus, sie wollen die Welt verstehen.“

Anzeige

„Klappt nicht mit den kurzen Antworten“ – Assange sagt, was er sagen will

Assange ist kein Mann weniger Worte, das ist dem Zuschauer spätestens nach der ersten Hälfte des Gesprächs klar. Nachdem Anke Engelke und Studiogast Angela Richter über die Frage diskutiert haben, ob die „Supernerds“, zu denen Richter Assange zählt, die wahre Avantgarde der Zukunft seien, will Engelke seine Meinung dazu einholen. Diese Gelegenheit nutzt er, um noch einmal vor der großen Gefahr zu warnen, die seiner Meinung nach von Facebook, Google und der NSA ausgehen – und macht Anke Engelke damit für mehrere Minuten ‚arbeitslos‘:
„Manchmal werden wir Opfer unseres eigenen Erfolgs. (…) Was die Supernerds betrifft… Wir haben Google, Facebook und die NSA. Diese drei Titanen werden von Ingenieuren gesteuert und übernehmen sukzessive die Welt. Tagtäglich gehen weitere 1,5 Millionen Geräte ans Netz mit Google-Betriebssystem, vor allem Android-Handys. Diese Geräte schaffen eine Massenüberwachung von eineinhalb Milliarden Menschen über das Internet.“

Anke hat, wie es der Titel ihrer Show verspricht, tatsächlich Zeit. Denn obwohl sie betont, dass es ja mit den kurzen Antworten nicht so recht klappe, lässt sie Assange reden, unterbricht ihn nicht – und das ist gut. So bleibt der Fokus während seiner Monologe ganz auf Assange und der Zuschauer hat Zeit tatsächlich aufzunehmen, was ihnen der „Supernerd“ erzählt.

Zum Abschied fragt Anke Engelke ihn noch, was sie sich für ihn wünschen solle. Assanges Antwort ist ehrlich und – das einzige Mal – knapp: „Etwas anderes außer Freiheit oder der Fähigkeit, Weltfrieden zu schaffen?! Wir könnten jetzt Witze darüber machen. Aber im Ernst: Ich wäre gern wieder in der Lage, meine Familie und meine Kinder zu sehen. Das ist mein sehnlichster Wunsch.“

Sendetermin „Anke hat Zeit“: Dienstag, 15.07.2015, 22:30 Uhr im WDR.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*