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Von „wegen“: warum der Genitiv zu Recht des Todes ist

Beef!, Kleber, Sahner und die Dativ-Genitiv-Grenze
Beef!, Kleber, Sahner und die Dativ-Genitiv-Grenze

Claus Kleber bezeichnet die Leute, die das ZDF-Ranking “Deutschlands Beste” manipuliert haben, als Idioten. Paul Sahner feierte u.a. mit Hans Leyendecker von der SZ seinen 70. Geburtstag, Beef! weckt die Fleischeslust auf einen BMW und wir sorgten wegen einem vermeintlich falsch verwendeten Dativ für grammatische Entrüstung in der Crowd. Oder muss es etwa “wegen eines” heißen ..?

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Die total vermurkste Wahl von “Deutschlands Beste!” ist ein Trauerspiel fürs ZDF und ein handfester Skandal. Der Gipfel war erreicht, als sich an diesem Freitag herausstellte, dass noch nicht einmal nur Doofheit dafür verantwortlich war, sondern absichtliche Manipulation. Das sieht auch “heute journal”-Moderator und Twitter-Gott Claus Kleber so:

Den eigenen Laden öffentlich als Idioten zu bezeichnen – Hut ab, Herr Kleber! Der Skandal rund um “Deutschlands Beste!” hat nun endgültig ADAC-Qualität.

Bunte-Star-Reporter Paul Sahner ist jüngst 70 Jahre alt geworden. Ist Paul Sahner nun eigentlich ein Star-Reporter oder ein Reporter-Star? So genau weiß man das nicht. Aber  für die zweite Interpretation spricht, dass er für seine Fete in der Society-Rubrik von Bunte eine halbe Seite bekommen hat. Gäste bei der Sahner-Sause waren u.a. Media Control-Chef Karlheinz Kögel (der mit dem Deutschen Medienpreis), ein gewisser Bernie Paul, der den angeblich legendären Hit “Lucky” sang und SZ-Investigativkraft Hans Leyendecker. Dass der auf dem Geburtstag von Paul Sahner auftaucht, hätte man als Unbeteiligter auch nicht unbedingt vermutet.

 sahner

Ei, was klebt denn da auf dem appetitlich fettigen Wiener Schnitzel, das das Cover der aktuellen Fleischerei-Fachzeitschrift Beef! ziert? Es ist ein Auto, ein BMW X4 genauer gesagt. Wenn man die obere Schicht des Aufklebers abnibbelt, erhält man die Aufforderung, doch mal auf den Seiten sowieso und sowieso vorbeizuschauen. Dort wartet die doppelseitige Anzeige zur beworbenen Poser-Karre. Nun könnten allzu kritische Geister mäkeln, das “Ja, ich will!” auf dem Beef!-Titel beziehe sich womöglich gar nicht auf das mundwässernde Stück Frittier-Fleisch, sondern auf das Auto. Immerhin klebt der kleine X4 direkt über dem “Will” und das will vielleicht was heißen. Aber wollen wir mal nicht zu beckmesserisch sein. Die Verlage haben es heutzutage nicht leicht und es gab schon dreistere Werbe-Attacken als diese. Die Beef-Eater sollten freilich im Hinterkopf behalten, dass es eine gewisse Grenze gibt, was die Käufer von hochpreisigen Premium-Magazinen an Werbung zu tolerieren bereit sind. Wer 9,80 Euro auf die Ladentheke knallt, um die Beef! mitzunehmen, will vielleicht nicht an jeder Ecke mit allzu aufdringlicher Werbung behelligt werden. Das ist aber nur so ein Gedanke.

beef2-text

Und zum Schluss die beliebte Rubrik “wir über uns”, bzw. “ich über mich”. Diese Woche habe ich bei MEEDIA ein ganz schön dickes Fehler-Ei gelegt. Beim Betexten eines der vielen, vielen ulkigen Kai-Diekmann-Stückchen, die die Medienwoche so hergibt, schrieb ich hastig: “Wegen dem Bart: In diesem Video wird Bild-Chef Diekmann mit einem Obdachlosen verwechselt”. Sofort schrillten die Alarmglocken. Geht nicht! Biste bekloppt? Genitiv! Das muss “wegen des Bartes” heißen! Bei Twitter und Facebook formierten sich programmgemäß die virtuellen Fackelträger und Mistgabelhalter. Ein #genitivgate war geboren.

Schnell, vielleicht zu schnell, wurde die Zeile geändert, um die aufgebrachte Crowd grammatisch zu befrieden. Später dann nochmal in Ruhe nachgelesen. So falsch war das “wegen dem” ja gar nicht! Der Duden lässt den Dativ nach der Präposition “wegen” immerhin als umgangssprachlich etabliert durchgehen. Und auch ansonsten streiten sich die grammatischen Geister, ob nun Dativ oder Genitiv nach dem “wegen”. Und “wegen des Bartes” klingt einfach nun mal doof. Echte Genitiv-Gründe, außer einem beherzten “hammwa immer schon so gemacht”, sind nicht zu finden. Den mit Abstand schönsten Text zum Thema liefert das Sprachblog “Belles Lettres”, das in meinen Augen wunderbar schlüssig herleitet, warum nach einem “wegen” ganz unbedingt und auf jeden Fall ein sinnlicher Dativ folgen muss.

Auszug:

Dativ und Akkusativ sind räumliche Fälle, der Genitiv ist da­ge­gen ein Kasus, der einen ab­strak­ten, gram­mati­kali­schen Bezug beschreibt. Er hat also nach Prä­posi­tio­nen nichts zu suchen. Das ehemals nachgestellte Sub­stan­tiv Wegen wird nun wie die anderen Prä­posi­tio­nen voran­gestellt und steht kor­rek­ter­weise mit dem Dativ.

Auch die Verwendung mit dem Genitiv ist heute noch mög­lich. Es handelt sich aber um nieder­deut­sche Mund­art und auf keinen Fall um beson­ders gutes Hoch­deutsch. Es ist zudem ein gram­matika­lisch nicht mehr korrekter Archa­ismus, denn selbst die Men­schen in Nord­deutsch­land benutzen wegen heutzutage als reine Prä­posi­tion.

Grammatikalisch korrekt und stili­stisch viel bes­ser ist der Dativ: wegen dem Sturm. Besser ist es des­halb, weil es räum­licher und sinn­licher ist und dem Kasussystem des Deutschen entspricht.

Der Genitiv als “niederdeutsche Mundart”. Da geht dem genetivscheuen Südlicht das Herz auf. Aber, liebe Grammatik-Freunde, man sollte das nicht ganz so eng sehen. In diesem Zusammenhang sei einmal mehr auf dieses wunderbare Video von Stephen Fry zum Thema hinweisen:

Ich wünsche ein korrektes Wochenende!

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