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Tagesspiegel an Ex-Leserin: „Sie sind ein bedauernswertes Opfer der russischen Propaganda“

Eine Leserin hat die Antwort des Tagesspiegel auf ihre Abo-Kündigung bei Facebook veröffentlicht
Eine Leserin hat die Antwort des Tagesspiegel auf ihre Abo-Kündigung bei Facebook veröffentlicht

Eine Leserin kündigt ihr Tagesspiegel-Abo, weil ihr die Berichterstattung der Zeitung über Russland und die Krim-Krise scheinbar nicht ausgewogen genug ist. Der Tagesspiegel antwortet und bezieht ungewohnt deutlich Stellung zu den Vorwürfen.

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Im Journalismus ist Objektivität das höchste Gebot, nur so kommt man möglichst nah an die Wahrheit heran. Heißt es. Spätestens seit Ausbruch der Krim-Krise aber ist in die Diskussion darüber, wie Objektivität gelingen kann, ob sie überhaupt möglich ist, neuer Schwung gekommen. Westliche Medien sahen sich mit Vorwürfen konfrontiert, die Krise durch eine „West-Brille“ hindurch zu betrachten und antirussische Propaganda zu betreiben.

Auch eine Leserin des Tagesspiegels war offensichtlich unzufrieden mit dessen Darstellung der Ereignisse. Wie die Zeitung gegenüber MEEDIA bestätigt, erhielt man eine Abo-Kündigung, in der die Leserin ihre Gründe für die Kündigung erklärt: eine einseitige Russland-Berichterstattung, die den Einfluss faschistischer Kräfte auf dem Maidan verleugne. Wie beim Tagesspiegel im Falle redaktionell bedingter Abo-Kündigungen üblich, antwortete die Redaktion. Das Schreiben veröffentlichte die Leserin daraufhin auf Facebook.

Gerd Appenzeller, ehemaliger Herausgeber und jetzt Berater der Chefredaktion, schreibt dort: „Ich habe Ihren Brief sorgfältig gelesen und muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie ein bedauernswertes Opfer der russischen Propaganda sind. Die angeblich massenhaft vorhandenen Faschisten, die sich auf dem Maidan und auf der Krim zusammengerottet haben sollen – die gibt es nicht. Russland hat als erster Staat nach dem zweiten Weltkrieg mit der Besetzung der Krim gewaltsam die Grenze eines Landes verändert.“

Appenzeller stellt sich damit klar hinter die Redaktion des Tagesspiegel. Er entschuldigt sich nicht oder weist darauf hin, dass komplexe Themen vieler Wahrheiten bedürfen. Der Brief schließt mit den Worten: „Bleiben Sie Ihrer Auffassung treu, aber Sie haben richtig erkannt: Das passt nicht mit dem Tagesspiegel zusammen.“

Obwohl die Leserin selbst das Antwortschreiben veröffentlichte, löste die meinungsstarke Haltung der Redaktion vor allem Solidaritätsbekundungen aus.

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