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Zalando: Journalistische Ermittlungen mit Kamerabrille sind nicht strafbar

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Massiver Druck von den Chefs und Arbeiten bis zur körperlichen Erschöpfung: Die Enthüllungen der Reporterin Caro Lobig über die Arbeitsverhältnisse bei Zalando sorgten für Empörung. Der Online-Versender zeigte die Reporterin daraufhin an – jedoch ohne Erfolg: Die Ermittlungen wurden eingestellt.

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Lobig ließ sich Anfang des Jahres unter dem Decknamen Julia Lobig als sogenannte „Pickerin“ im Erfurter Logistikzentrum des Online-Versandhändlers Zalando einstellen, um für RTL mit einer Kamerabrille über die dortigen Arbeitsverhältnisse zu berichten. Begleitet und unterstützt wurde sie dabei von Enthüllungsjournalist Günter Wallraf.

Für einen Stundenlohn, der mit 8,79 Euro nur knapp über dem gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn liegt, musste die Reporterin in dem riesigen Lager die bestellten Artikel aus über 1000 Regalreihen einzeln zusammensammeln. Bis zu 27 Kilometer sei sie pro Tag gelaufen – ohne adäquate Pausen.

Nach drei Monaten flogen ihre Undercover-Ermittlungen auf, sie wurde gefeuert und die Kamerabrille von der Polizei beschlagnahmt. Kurz darauf strahlte RTL die Reportage in der Sendung „Extra“ aus und übte harte Kritik an dem Unternehmen: Die Angestellten seien massiv unter Druck gesetzt und bespitzelt worden und das Unternehmen habe offenkundig gegen das deutsche Arbeitsrecht verstoßen. Die Enthüllungen schlugen hohe Empörungswellen und Zalando erstattete Anzeige gegen Lobig wegen Verdachts der Wirtschaftsspionage.

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Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat die Anklage diese Woche fallen gelassen und entschieden, dass journalistische Tätigkeiten mit einer Kamerabrille nicht strafbar seien. Gegenüber dem mdr erklärte Behördensprecher Hannes Grünseisen, der Verdacht auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen habe sich nicht bestätigt. „Es liegt kein strafbares Verhalten vor“, so Grünseisen.

 

 

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