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Edition F: Neues Online-Magazin macht Wirtschaftsjournalismus für Frauen

Das neue Online-Magazin EDITION F wirbt für mehr Weiblichkeit im Wirtschaftsjournalismus
Das neue Online-Magazin EDITION F wirbt für mehr Weiblichkeit im Wirtschaftsjournalismus

Gerade noch sieht sich das Wirtschaftsmagazin brand eins im Netz mit einer Genderdebatte konfrontiert, da gibt ein neues Wirtschaftsportal für Frauen seinen Launch bekannt. Edition F positioniert sich zwischen "Lifestyle" und "Business" - eine Gratwanderung, die tatsächlich zum Alleinstellungsmerkmal werden könnte.

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EDITION F, das ist, laut der beiden Gründerinnen Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann, „das digitale zuhause für Frauen, die mehr wollen – im Job und Leben.“ Seit Mai schon konnten registrierte Nutzer an dem sukzessiven Aufbau der selbsternannten Business-Lifestyle-Plattform teilhaben.

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Die EDITION F-Gründerinnen Nora-Vanessa Wohlert (li.) und Susann Hoffmann. Foto: Carolin Weinkopf

Die Idee zu EDITION F kam den jungen Frauen aus dem Gefühl heraus, dass Journalismus für Frauen all zu oft in stereotypische Kategorien gedrängt wird. Dem „Journalist“ sagten die Gründerinnen dazu: „Die Medien sind da vor allem auf Themen wie Mode, Beauty, Diät und Partnerschaft konzentriert. Sobald es um Faktisches geht, um Wirtschaft, um Business, Karriere, wird es häufig sehr männlich.“ Mit ähnlichen Vorwürfen sah sich erst ein paar Tage zuvor das Wirtschaftsmagazin brand eins konfrontiert. EDITION F will diese Lücke füllen – nicht ersatzweise, mindestens aber ergänzend.

Zumindest Investoren konnten die Damen von ihrem Vorhaben bereits überzeugen: Im Mai gaben die Unternehmerinnen den Abschluss ihrer ersten Finanzierungsrunde bekannt. Gemeinsam investierten WestTech Ventures, Vogel Ventures, TV Plus, Factory-Gründer Simon Schäfer und Jan Honsel, ehemaliger Verlagsleiter Gruner und Jahr, einen sechsstelligen Betrag. Zusätzlich zu den Investorgeldern soll sich das Portal über Stellenanzeigen und Native Advertising finanzieren.

Nicht über Frauen schreiben, weil sie Frauen sind

Wie sieht er also aus, dieser Wirtschaftsjournalismus von und für Frauen, was unterscheidet ihn von Wirtschaftsmagazinen wie brand eins, Impulse, Wirtschaftswoche, Capital oder dem Manager Magazin? Im Mai noch konnten Wohlert und Hoffmann darauf keine konkrete Antwort geben: „Am Ende sind es vielleicht nur Nuancen. Die Themen, die man auswählt. Die Optik. Die Bildsprache.“ Wie er nicht sein sollte, das wussten die Gründerinnen aber: Er sollte nicht über Frauen schreiben, nur weil sie Frauen sind.

In der Realität geht es bei EDITION F darum auch nicht ausschließlich um das weibliche Geschlecht: Artikel wie „Programmieren: Zukunftsjob für kreative Frauen“ oder auch „Tinder: Sind weibliche Gründerinnen wertlos?“ thematisieren zwar genderorientierte Aspekte der Wirtschaft. Es werden aber auch Themen wie „Traumjob gesucht? Bloggen als Karrierestrategie“ behandelt, die sich einer solchen Ausrichtung entziehen. Unter den zumeist weiblichen Autoren finden sich ein paar männliche Kollegen und auch die Protagonisten sind nicht durchgängig weiblich.

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Trotzdem wird die Ausrichtung deutlich. Und wie sollte er auch anders funktionieren, ein Journalismus für und von Frauen, der diese nicht ihres Geschlechts wegen zum Thema macht, der aber mehr Platz für weibliche Positionen einräumen möchte? Den Fokus auf weibliche Persönlichkeiten kann man dem Magazin nicht zum Vorwurf machen. Die Interviewpartnerinnen sind durchaus interessant. Leider driften einige Artikel stellenweise zu sehr in Richtung Emotions-Journalismus á la „Wie fühlen Sie sich?“ ab, wie in dem Gespräch mit Künstlerin Tainá Guedes. Den Bezug zur Wirtschaft sucht man hier vergeblich: Wie funktioniert der Beruf einer Künstlerin, wie finanziert sie sich? Etwas weniger „Lifestyle“ eben und dafür mehr „Business“. Ein gutes Beispiel dafür liefert wiederum das Gespräch mit der jungen Unternehmerin Lea-Sophie Cramer.

Emotionalität als Alleinstellungsmerkmal

Ansprechend ist EDITION F dafür vor allem visuell: Eine zumeist schwarz-weiß gehaltene Block-Optik sorgt für die gewisse „magazinische“ Ästhetik und unterscheidet sich von anderen Titeln der Branche. Der Leserin wird gleich deutlich gemacht: Auch Business kann gut aussehen.

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Gleichzeitig könnte das Portal ein gutes Beispiel für Online-Journalismus von heute sein: Eine klar definierte Zielgruppe wird über spezifisch ausgerichtete Inhalte und den intensiven Austausch über eine Community an das Medium gebunden. Den Mehrwert gegenüber anderen Frauen- und Wirtschaftsmagazinen will das Portal vor allem durch eine Jobbörse erfüllen, die registrierten Nutzerinnen passende Stellenangebote übermittelt. Inhalte bekommen Nutzerinnen über einen personalisierten Stream präsentiert, ein Marktplatz soll das Online-Angebot erweitern.

Die Positionierung des Online-Magazins zwischen „Lifestyle“ und „Business“ ist allerdings auch eine Gratwanderung: Die Zeit handelt das Portal eher als Konkurrenz zu „Brigitte“ statt zu „Brand Eins“. Um wirklich als wirtschaftlich ausgerichtetes Medium wahrgenommen zu werden, dürfen Inhalte und Themen daher nicht zu bunt werden und müssen auch harte Themen anpacken. Wenn das gelingt, könnte gerade die emotionalere Herangehensweise an Wirtschaftsthemen ein Alleinstellungsmerkmal von EDITION F werden und damit eine erfrischende Ergänzung zu dem eher trockenen Journalismus der Branche.

 

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