Anzeige

Umfrage-Murks beim ZDF: „Deutschlands Beste!“ waren gar nicht Deutschlands Beste

Johannes B. Kerner präsentierte die Show „Deutschlands Beste!“
Johannes B. Kerner präsentierte die Show "Deutschlands Beste!"

Beim ZDF waren sie noch nicht einmal in der Lage, ihre Umfrage zu "Deutschlands Beste!" richtig zu manipulieren. Zuerst war aufgeflogen, dass die Ergebnisse aus einer begleitenden Online-Abstimmung und Leser-Befragung der Hörzu gar nicht in das Ergebnis der zweiteiligen Rankingshow eingeflossen waren. Nun erklärte das ZDF, dass sie die Zuschauer- und Leserstimmen zwar tatsächlich weglassen wollten. Diese aus Versehen aber doch in das Ergebnis reingewurstelt wurden.

Anzeige
Anzeige

Wie das NDR-Medienmagazin „Zapp“ und Stefan Niggemeier berichteten, beruhte das Ranking von „Deutschlands Beste!“ ausschließlich auf zwei Forsa-Umfragen. Zuschauer-Stimmen, die über den Kooperationspartner Hörzu und beim ZDF online eingesammelt wurden, landeten praktisch im virtuellen Papierkorb. Nur eine Petitesse? Nein, eine echte Frechheit. Das Wort vom Betrug am Zuschauer ist hier angebracht. Gegenüber Stefan Niggemeier bezeichnete ein Sendersprecher die Aktion im Nachhinein als „sendungsbegleitendes Angebot mit Gewinnspiel, in das auch die Stimmen der Hörzu-Leser Eingang fanden“. Man weiß nicht genau, was peinlicher ist: der dreiste Betrug oder die nachträgliche Umetikettierung zum reinen „Gewinnspiel“.

Am Dienstag brauchten sie beim ZDF dann einige Zeit, um sich zu sortieren. Das Ergebnis war am Nachmittag folgende Stellungnahme:

„Deutschlands Beste!“ hatte sich in zwei Sendungen vorgenommen, die beliebtesten deutschen Frauen und Männer zu ermitteln. Dazu gab es drei Umfragen, um die Besten-Liste zu erstellen: eine repräsentative Forsa-Befragung, ein Online-Voting sowie einen Hörzu-Leseraufruf. Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass das Online-Voting durch Fan-Gruppen stark beeinflusst worden war. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Redaktion dazu entschieden, sich auf die repräsentative Forsa-Umfrage zu stützen. Wie sich heute bei einer internen Nachprüfung herausstellte, wurden dennoch Ergebnisse des Zuschauer-Votings mit den Ergebnissen der Forsa-Umfrage vermischt. ZDF-Showchef Oliver Fuchs: „Dieses Vorgehen war methodisch unsauber und somit  falsch. Dafür entschuldige ich mich bei unseren Zuschauern, den Teilnehmern der Sendung und bei allen, die abgestimmt haben. Künftig wird das ZDF bei ‚Deutschlands Beste!‘ auf Internet-Votings verzichten und ausschließlich auf repräsentative Umfragen setzen.“

Anzeige

Im Klartext: Man wollte die Zuschauer- und Leserstimmen zwar wirklich wegschmeißen, hat es aber nicht hinbekommen. Im Endeffekt bedeutet dies, das Ranking von „Deutschlands Beste!“ kam irgendwie zustande, man weiß es nicht. Ein Kuddelmuddel auf Forsa-Umfrage und Online Votings und Hörzu-Postkarten. Es beschleicht einen der Verdacht, dass man davon niemals erfahren hätte, wenn nicht der Bluff bei der Zuschauer-Abstimmung in diesem Fall aufgeflogen wäre. Immerhin sind sie beim ZDF zum Schluss gekommen, dass es unmöglich ist, die Sache zurechtzubiegen und man die Flucht nach vorne antreten muss. Alles zugeben, Augen zu und durch. Künftig will man sich den Ärger mit Online-Umfragen also sparen und nur noch auf repräsentative Umfragen setzen. Bemerkenswerterweise sprach Kerner bei der zweiten Folge von „Deutschlands Beste!“, bei der es um die „besten Frauen“, ging zu Beginn der Show schon gar nicht mehr von einer Online-Abstimmung, sondern nur noch von der Forsa-Umfrage. Hatten die Verantwortlichen hier vielleicht schon gemerkt, dass ihnen die Sache möglicherweise um die Ohren fliegen würde?

Als aufflog,  dass der ADAC seine Leserwahl zu den „Lieblingsautos der Deutschen“ dreist manipuliert hatte, rollten Köpfe. Beim ZDF redet man sich damit heraus, es sei ein Versehen gewesen und fertig. So einfach ist das. Und so beschämend.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*