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So leicht lässt sich das “Recht auf Vergessenwerden” bei Google aushebeln

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Das so genannte “Recht auf Vergessenwerden”, das der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil Nutzern zugesprochen, sorgt in der Praxis für Probleme. Erstens ist das Gesetz an sich umstritten, da es genutzt werden kann, um Verweise auf kritische Artikel zu entfernen. Zweitens lässt sich das “Recht auf Vergessenwerden” mit nur einem Klick aushebeln.

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Entfernt zum Beispiel Google auf Antrag einen Link auf eine Website, wird der Seitenbetreiber hiervon informiert. Zahlreiche Medien, u.a. die BBC und der Guardian nahmen dies zum Anlass, über die Löschung dieser Links zu berichten. Somit wurde erst Recht Aufmerksamkeit auf die Texte gezogen, die die Antragsteller doch am liebsten dem Vergessen anheim gestellt hätten. Mittlerweile gibt es sogar die Seite hiddenfromgoogle.com. Diese Seite hat sich zum Ziel gesetzt, Links zu sammeln und zur Verfügung zu stellen, die aus dem Google Suchindex entfernt wurden.

Das betrifft etwa einen Link auf einen BBC-Artikel über Praktiken bei der Investment-Bank Meryll Lynch oder einen Artikel der Mail Online über ein Paar, das wegen Sex im Zug verhaftet wurde. Der Heißsporn aus dem Zug hat offenbar den Löschantrag bei Google gestellt. Vergessenwerden im Internet? Kannste vergessen!

Auch deutsche Sites sind vom “Recht auf Vergessenwerden” betroffen. So wurde bei Google ein Link auf einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1995 entfernt, in dem es um die Machenschaften der Scientology Sekte geht. Entfernt wurde hier konkret die Link-Verbindung zwischen einem Mann, der bestreitet, etwas mit Scientology zu tun zu haben, aber in dem Artikel vorkommt und dem Artikel. Konkret bedeutet dies: Wer den Namen des Mannes nun bei Google.de eingibt, findet den Spiegel Artikel nicht mehr. Der Artikel selbst ist aber nach wie vor online verfügbar – es geht nur um den Link dahin. Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung.

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Sollte der Mann tatsächlich nichts mit Scientology am Hut haben, würde das “Recht auf Vergessenwerden” hier unter Umständen sogar im Sinne der Richter eingesetzt. Aber: Der Artikel ist ja nach wie vor auffindbar, nur eben nicht so leicht. Wären Persönlichkeitsrechte verletzt worden, hätte die betreffende Person gegen die Urheber des Artikel vorgehen müssen, so dass der Name komplett aus der Veröffentlichung getilgt wird. Dies war aber offenbar nicht der Fall. Mit dem “Recht auf Vergessenwerden” besteht nun die Gefahr, dass ein weitgehend automatisierter Prozess dazu genutzt wird, unliebsame Veröffentlichungen einfach mal so aus dem Google-Suchindex zu entfernen.

Die eigentliche Pointe ist nun aber, dass die Systematik des Internets dies auch wieder verhindert. Eine Seite wie hiddenfromgoogle.com macht deutlich, dass es so leicht mit dem “Vergessenwerden” im Netz dann doch nicht ist. Außerdem gilt das “Recht auf Vergessenwerden” ohnehin nur in der Europäischen Union. Wer etwa von den USA aus mit Google sucht, findet nach wie vor alle Links zu den betreffenden Suchanfragen. Auch jene, die von Google in der EU auf Antrag entfernt wurden.

Und was passiert denn nun, wenn man auf der Google-Startseite einfach Google.com statt Google.de als Suchmaschine einstellt? Überraschung: Auch dann findet Google plötzlich wieder alle Links, inklusive jener, die eigentlich vergessen werden sollten. Dieses Internet hat schon ein ziemliches Elefantengedächtnis.

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