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Negativ-Preis des Netzwerk Recherche: ADAC ist Infoblockierer des Jahres

Wenig begehrt: die verschlossene Auster
Wenig begehrt: die verschlossene Auster

Die Verschlossene Auster, der Negativpreis des Netzwerk Recherche, erhält in diesem Jahr der ADAC. Nach den aufgedeckten Manipulationen um den Autopreis Gelber Engel habe der Automobilclub versucht, möglichst viele weitere Informationen zu vertuschen und habe Medien pauschal diffamiert, so die Begründung.

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Es ist einer der unbeliebtesten Preise des Landes. Wohl auch deshalb ist es eher eine Seltenheit, dass Preisträger zur Verleihung kommen. Mit der Verschlossenen Auster „ehrt“ das Netzwerk Recherche jedes Jahr Politiker, Unternehmen oder Organisationen, die sich der Öffentlichkeit gegenüber als Informationsblockierer erweisen. Auf der diesjährigen Jahrestagung des Netzwerks wurde der ADAC mit dem Negativpreis bedacht. Dessen Verantwortliche blieben, wie auch schon Preisträger der vergangenen Jahre, der Veranstaltung fern, so dass die Auster ihre Reise zur Vereinszentrale nach München per Post antreten muss. ADAC-Sprecher Christian Garrels meldete sich aber schriftlich zu Wort und nutzte die Gelegenheit auch für Gegenkritik.

Freilich lässt sich im Fall des größten deutschen Automobilclubs von einem Kommunikationsdesaster sprechen. Als die Süddeutsche Zeitung Anfang des Jahres aufdeckte, dass es beim ADAC-Preis Gelber Engel Manipulationen gegeben hatte, war das nur ein erster Riss in der Fassade des Vereins, dessen komplettes Geschäftsmodell mittlerweile auf dem Prüfstand steht. Nach den Manipulationen beim Preis machte auch die Steuerpraxis des ADAC Schlagzeilen. Der Club schlitterte in eine immer größere Krise. Vor allem auch, weil der ADAC nicht transparent kommunizierte und so Vertrauen von Medien und Mitgliedern verspielte. Statt aufzuklären, habe der ADAC nach den ersten Enthüllungen die Medien pauschal diffamiert, heißt es in der Erklärung des Netzwerk Recherche. Bei der Preisverleihung des Gelben Engels im Januar 2014 hatte der damalige ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair die SZ-Recherchen sogar eine „Schande für den Journalismus“ genannt.

Auch nach späteren Eingeständnissen, einer Entschuldigung und ersten personellen Konsequenzen verpasste die Vereinsspitze die Chance, wirklich reinen Tisch zu machen und behielt weitere Verfehlungen für sich. Der Grund, so das der frühere ADAC-Kommunikationschef und Chefredakteur der Vereinspublikation Motorwelt, Alfons Kifmann, sei eine „maßlose Selbstüberschätzung“ gewesen. Ihn hatte das Netzwerk Recherche für die Laudatio des Negativpreises geladen. Der ADAC sei ein „Image-Phänomen“ gewesen, dass nun den eigenen „Totalschaden“ nicht in den Griff bekomme: „Der Club, der wie kein anderer davon profitierte, eine Art Informationszentrale für Automobilitätsthemen aller Art zu sein, schaltete plötzlich auf stumm. Anfragen blieben in der Regel mit dem Stereotyp ‚kein Kommentar‘ unbeantwortet“, sagte Kifmann. Er war in den 90er Jahren beim ADAC tätig. 

Er sei selbst Zeuge der missglückten Krisen-PR geworden. Wie er in seiner Laudatio erklärte, hätten ihm ADAC-Anwälte schriftlich Unterlassungsbegehren geschickt gedroht, während er für ein Buch über den Club recherchierte. Zudem habe der ADAC die Arbeit der Journalisten durch verweigerte Interviews und Drehverbote erschwert. Damit reihe sich der ADAC nach Sicht des Netzwerks Recherche „souverän in die Reihe früherer Preisträger wie Aldi, dem IOC, der Fifa oder der katholischen Kirche ein.“

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ADAC reagierte schriftlich

Wie schon im Jahr zuvor, blieb auch der ADAC der Preisverleihung der Auster fern, erklärte aber schriftlich die Annahme des Preises. In einem Brief ans Netzwerk Recherche teilte Pressesprecher Christian Garrels mit, die Mahnung ernst nehmen zu wollen. „Wir sind selbstkritisch genug anzuerkennen, dass in der ADAC-Vergangenheit viele, teilweise nicht entschuldbare Fehler gemacht worden sind.“ Der ADAC sei nun dabei, sich „nach Jahren des immensen Wachstums und Erfolgs kritisch mit unserem Selbstverständnis, unserer Struktur und unserer grundsätzlichen Positionierung auseinanderzusetzen“. Die weiterhin kritische Berichterstattung der Medien sei dabei „erforderlich, notwendig und damit letztlich auch hilfreich für die von uns gewünschte Neuausrichtung des ADAC“, so Garrels.

Trotz der Zugeständnisse ermahnte der ADAC-Funktionär die Medien aber auch. In der Krise des ADAC und der berechtigten Berichterstattung hätten Medien oftmals aber auch ihre Sorgfaltspflicht missachtet und gegen das Gebot der Fairness verstoßen. Konkrete Beispiele wollte sich Garrels für den persönlichen Austausch aufheben. Es habe aber Fälle gegeben, in denen Fernsehjournalisten die Beantwortung von großen Fragenkatalogen innerhalb einer Stunde verlangt hätten. Eine Journalistin einer Nachrichtenagentur habe dem Sprecher sogar offen eingestanden, trotz ausbleibender Neuigkeiten etwas über den ADAC zu schreiben, weil ihre Kunden – also Redaktionen – es erwarten würden.

Im vergangenen Jahr erhielt der damalige Bundesinnenminister Friedrich den Negativpreis des Netzwerks Recherche.

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