Anzeige

65 Prozent Plus: Apples erstaunliches Börsencomeback

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim Cook Muss an der Wall Street kämpfen

Der Blick zurück erscheint heute fast surreal: Apple im Sommer 2013 – das war ein angeschlagener Tech-Gigant, der offenkundig allergrößte Mühe hatte, den vermeintlich unabwendbaren Gesetzen von Aufstieg und Fall zu trotzen. Die Gewinne brachen weg, die Aktie ein, Apple-CEO Tim Cook wirkte schwer angeschlagen. 12 Monate später hat sich der Kultkonzern aus Cupertino erstaunlich schnell wieder erholt, ohne bahnbrechende Produkte veröffentlicht zu haben.


Anzeige
Anzeige

Splitbereinigt 56 Dollar: Das war tatsächlich der letzte Kursstand, der Ende des ersten Halbjahres 2013 für den lange Zeit wertvollsten Konzern der Welt festgehalten wurde – ein Titel, der Apple auf den letzten Metern des ersten Börsenhalbjahres 2013 auch noch abhanden kam. Das, was da in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres in und dort allem mit Cupertino passierte, kann getrost als das schwärzeste Apple-Halbjahr seit einer Dekade betrachtet werden.

Weil Apples den Phablet-Trend verpasst und einfach keine langerwarteten neuen Produkte wie den mutmaßlichen Apple-Fernseher anzubieten hatte, erodierten die Gewinne völlig überraschend zweistellig. Google tat sich mit seiner PR-Offensive zu Google Glass hervor, auf die Apple nicht entgegenzusetzen hatte – der iPhone-Hersteller wirkte wie der alternde Gigant einer überkommenden Ära, an die er sich mit marginalen Veränderungen seines Bestsellers zu klammern schien.

iPhone bleibt Apples Lebensversicherung

Schlagzeilen und rasantes Wachstum produzierten die Rivalen in Mountain View und Seoul. Vor allem Samsung trieb Apple mit dem Erfolg seiner 5-Zoll-Smartphones vor sich her und verdiente nach einem Jahrzehnt in zwei Quartalen sogar mehr als Cupertino. Das Apple-Imperiuem schien in seinen Grundfesten erschüttert – ich habe in meinem gleichnamigen Buch diese dunkle Ära nachgezeichnet.

Ein Jahr später hat die Apple-Historie eine in der Form nicht unbedingt zu erwartende Wende genommen. Die Talfahrt Cupertinos wurde nicht nur gestoppt – seit dem April-Quartal wächst Apple auch wieder. Erstaunlich dabei: Der Gamechanger ist immer noch nicht die erwartete nächste Produktkategorie in Form der iWatch, sondern weiterhin der Besteller iPhone, der sich auch im siebten Jahr immer  noch robust verkauft – dank des China Mobile-Deals und neuer Provider wie T-Mobile US sogar wieder mit leicht anziehenden Absatzraten.

Anzeige

Carl Icahn hauchte der Apple-Aktie wieder Leben ein

So weit, unspektakulär. Wie ist nun der doch umso spektakulärere Kursaufschwung von enormen 65 Prozent auf nunmehr 94 Dollar, der den Börsenwert um 200 Milliarden auf nunmehr 566 Milliarden Dollar hat ansteigen lassen, zu erklären? Mit einem Investor, auf den Tim Cook zunächst sicher gerne verzichtet hätte: Carl Icahn. Egal, was man von den mitunter brachialen Praktiken und den schier unablässigen öffentlichenen Versuchen der Einflussnahme – von Tweets über Offene Brief, Telefonate bis in zum berüchtigten Abendessen – halten mag: sie haben Wirkung gezeigt. An der Wall Street, aber auch offenbar bei Tim Cook selbst.

Selten, höchst selten hat ein Investor, der mit weniger als zwei Prozent am dann auch noch wertvollsten Unternehmen der Welt beteiligt ist, seine Einflüsterungen dermaßen nachdrücklich durchgesetzt. Wie von Icahn empfohlen, weitete Apple sein Aktienrückkaufprogramm massiv aus, hob die Dividende an, splittete die Aktie und ist inzwischen sogar für milliardenschwere Übernahmen (siehe Beats) offen. Hätte ein Marktkommentator vor einem Jahr diese Prognose gewagt – er wäre verlacht worden.

Doch Carl Icahns Anteil an Apples Börsencomeback könnte größer nicht sein. Icahn brachte den Geist der Wall Street zurück zum Tech-Pionier aus Cupertino, der sich unter der Ägide von Steve Jobs auf dem Kriegsfuss mit der vom Apple-Gründer verhassten Hochfinanz befand. Wenn es sichtbare Ansätze eines neuen Apples unter Tim Cook gibt, dann ist es diese große Transformation zu einem aktionärsfreundlicheren Unternehmen. Allein das ist nur das Fundament: Für den Ausbau des neuen Apples muss Cook in den kommenden Monaten mit den beiden bislang wichtigsten Produktlaunches seiner Amtszeit nun selbst sorgen –  dem iPhone 6 und der iWatch.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*