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Quotencharts des Grauens: Das passiert, wenn Deutschland spielt

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Das Leben scheint still zu stehen, wenn das deutsche Team bei der Fußball-WM antritt. Auf den Straßen fahren fast nur noch Taxis, der einzige Lärm, den man hört, ist der von jubelnden oder verzweifelten Nachbarn. Und auch bei den TV-Sendern, die keinen Fußball zeigen, ist nicht viel los. Nur wenige Menschen verirren sich in ihre Programme, bescheren ihnen Minusrekordquoten.

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28,21 Mio. Fans sahen das Achtelfinale gegen Algerien am Montag zwischen 22 Uhr und 0.32 Uhr im ZDF. Der Marktanteil lag damit bei unfassbaren 85,1%. Bei den 30- bis 39-Jährigen gab es sogar einen Marktanteil von 90,1%, bei den Männern einen von 89,2%. Unter 80% fiel der Wert in keiner Altersgruppe der Über-14-Jährigen und selbst die Frauen schauten zu 80,9% Fußball. Interessanterweise gab es die höchsten Zuschauerzahlen – fast 30 Mio. – am Ende der ersten Halbzeit. Selbst die Verlängerung kam an diese Zahlen nicht mehr heran. Wäre das Spiel also früher angepfiffen worden, hätte sich das ZDF über eine wohl noch höhere Zuschauerzahl freuen können.

Überhaupt nicht freuen kann sich die Konkurrenz, wenn ein solches WM-Match mit deutscher Beteiligung ansteht. Was dann passiert, ist am besten in den Minutenzahlen zu erkennen. Ungefähr 20 Minuten vor Beginn des Spiels gegen Algerien setzte eine Massenflucht in Richtung ZDF ein. Sahen um 21.40 Uhr noch 11,58 Mio. die Vorberichte zum Deutschland-Spiel, waren es bei Anpfiff um 22 Uhr plötzlich 25,06 Mio. – die Zuschauerzahl hatte sich mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig verloren sämtliche anderen Sender massiv an Zuspruch: Das Erste rutschte in diesen zehn Minuten von 2,81 Mio. auf 1,08 Mio., Sat.1 von 1,42 Mio. auf 820.000, ProSieben gar von 1,22 Mio. auf 470.000 und das rbb Fernsehen, das zwischen 20.15 Uhr und 21.45 Uhr noch mit einem alten „Tatort“ glänzte, fiel von 21.40 Uhr bis 22 Uhr von 970.000 Sehern auf nur noch 90.000, büßte also 90% seiner Zuschauer ein. Kein Sender mit halbwegs relevanten Marktanteilen gewann Konsumenten hinzu – und das, obwohl sich das Gesamt-TV-Publikum in den 20 Minuten nur von ca. 33 Mio. auf 36 Mio. vergrößert hatte.

Werfen wir einen Blick auf die TV-Programme, die komplett gegen Deutschland-Algerien antreten mussten, die also frühestens um 22 Uhr begannen und spätestens um 0.32 Uhr zu Ende waren. Hier sind extreme Zahlen zu beobachten. Keine einzige der Sendungen erreichte einen Marktanteil von 2% – alle blieben darunter. Selbst die „Tagesthemen“ kamen als stärkster Fußball-Konkurrent mit ganzen 640.000 Zuschauern auf 1,8%. Zum Vergleich: Vier Wochen zuvor, also vor der Fußball-WM, sahen an einem normalen Montag noch 2,44 Mio. die Sendung – also fast viermal so viele. Auch die anderen großen Sender mussten sich mit Mini-Marktanteilen zufrieden geben: „Extra – Das RTL-Magazin“ erzielte bei RTL 1,7%, das „Nachtjournal“ später ganze 0,6%. Viele Sender wie n-tv, Phoenix, der Disney Channel oder Viva erreichten in weiten Teilen gar nur 0,0% bis 0,1%.

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Doch es gibt auch kleine positive Überraschungen. So sprangen insbesondere zwei ansonsten kleinere Sender auf das Niveau der Größeren. Bei RTL Nitro sahen z.B. 400.000 Leute ab 22 Uhr „Anwälte der Toten – Rechtsmediziner decken auf“. Der Marktanteil von 1,1% lag damit gar nicht weit entfernt von den Normalwerten der vergangenen Monate – 1,2% bis 1,4%. Das SWR Fernsehen schaffte sogar mit zwei Sendungen den Sprung in die Top Ten der Fußball-Konkurrenz: „Sag die Wahrheit“ kam mit 430.000 auf 1,2%, die „Meister des Alltags“ danach mit 390.000 auf 1,1%. Marktanteile von bis zu 5,2% gab es bei den 14- bis 29-Jährigen für die ProSieben-Serie „The Big Bang Theory“ – in keiner Zielgruppe waren abseits dieser Serie solch vergleichsweise großen Zahlen zu beobachten.

Doch trotz dieser kleinen, zarten Positiv-Beispiele dürfte es für die Mehrheit der Sender keinen Unterschied machen, ob man gegen ein WM-Spiel mit deutscher Beteiligung einen Krimi, eine Show, Nachrichten oder eine Serie zeigt – oder ganz einfach das Testbild reaktiviert.

TV-Quoten: Top-10-Konkurrenten des WM-Spiels Deutschland-Algerien am 30. Juni 2014
Platz Sendung Sender Zeit Mio. MA
1 Tagesthemen Das Erste 22.25 0,64 1,8
2 Extra – Das RTL-Magazin RTL 22.15 0,61 1,7
3 The Big Bang Theory ProSieben 22.40 0,55 1,6
4 CSI: NY Vox 22.10 0,51 1,4
5 Horrordroge Crystal Meth Das Erste 22.55 0,47 1,4
6 Sag die Wahrheit SWR Fernsehen 22.00 0,43 1,2
7 The Big Bang Theory ProSieben 22.15 0,41 1,1
8 Anwälte der Toten – Rechtsmediziner decken auf RTL Nitro 22.00 0,40 1,1
9 Meister des Alltags SWR Fernsehen 22.30 0,39 1,1
10 The Big Bang Theory ProSieben 23.10 0,38 1,2
Quelle: ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1
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