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„Sogar gut, dass Merte explodierte“: Pressestimmen zu Mertesacker und Büchler

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“Wat woll’n se? Es ist lange her, dass ein Post-Spiel-Interview einen solchen medialen Widerhall fand, wie das knappe Wut-Gespräch zwischen Per Mertesacker und Boris Büchler. Besorgt fragt die Bild auf ihrer Titelseite "Motzen wir zuviel?". Auch die FAZ und die Zeit arbeiten das Gespräch und die Leistung des ZDF-Reporters noch einmal auf. Nicht zu unrecht sieht die taz einen gefährlichen Trend, dass immer mehr National-Kicker einen Brass auf die Medien haben. Dabei sperrt der DFB diese längst systematisch aus.

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In der Bild erklärt Walter M. Straten warum Mertesacker den ZDF-Mann anpampen durfte, obwohl zuvor 28 Millionen TV-Zuschauer über die Leitung gegen Algerien geflucht hätten. „Weil ein Sportler, dem noch der Schweiß von der Stirn tropft und der voller Adrenalin ist, natürlich eine andere Sichtweise hat als wir Kritiker von der Couch. Lieber ein ehrlicher Wutanfall als die weichgespülten Phrasen, die wir sonst hören müssen.“ Weiter schreibt der Sportchef: „Und weil Mertesacker am Ende sogar Recht hat! Schlechter, als schlecht zu gewinnen ist gut zu verlieren. Wir wollen doch Weltmeister werden. Egal mit welchem Fußball.“

Auch Franz Josef Wagner schreibt an den Verteidiger: „Das federleichte Spiel der Deutschen ist eine Vision, es war, als würden Schmetterlinge Tore schießen. Das Märchen der federleichten Mannschaft begann, als wir 2010 England und Argentinien besiegten. Nichts haben wir gewonnen. Aber wir haben schön gespielt. Wir waren immer Dritter mit Schönspielen“. Weiter irrlichtert Wagner. „Wenn ich schön sein will, gehe ich zum Frisör. Wenn ich beim Fußball gewinnen will, ist es mir scheißegal, wie ich aussehe.“

In der FAZ nimmt Michael Hanfeld auch den Arsenal-Profi in Schutz. So meint er, dass die Fragen von Büchler berechtigt gewesen wären. Er hatte sie nur dem falschen Gestellt. Seiner Meinung nach sollte das ZDF „einmal darüber nachdenken sollte, warum derlei Fragen den nach 120 Minuten Rennerei ausgepumpten Spielern vorgelegt werden, nicht aber dem ausgeruhten Bundestrainer, der mit seiner Mannschaftsaufstellung die deutsche Abwehr aufgelöst hatte“.

„Zu einem der mittlerweile ausreichend beschriebenen Ärgernisse dieser Weltmeisterschaft gehören die Berichterstatter, die als bloße Gratulanten im Kabinengang warten. Reporter relevanzen sich an atemlose Fußballer, um die atemlosen Zuschauer mit atemlos emittierten Sätzen zu versorgen, deren Aussagen sich voneinander kaum unterscheiden. Froh, weil gewonnen. Traurig, weil verloren. Solange dieses Ritual ordnungsgemäß vollzogen wird, ist alles in Ordnung“, schreibt David Hugendick bei Zeit Online. Er meint deshalb: „Gut, dass Per Mertesacker im großen Gefühlsgekübel des Turniers ein ehrlicher Affekt überkommt: der Zorn“.

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Möglicherweise ist es dem DFB – und den weichgespülten KMH-Interviews – vielleicht auch gelungen, die Kicker so effektiv von den Medien zu trennen, dass die Profis schon so lange in ihrer eigenen Campo Bahia-Oase leben und trainieren, dass sie mit leichter Kritik nicht mehr umgehen können.

In der Taz kommt Jürn Kruse zu dem Schluss, dass der Verteidiger nicht der erste Profi im DFB-Team ist, der keine Lust mehr auf die Medien zu haben scheint. „Bastian Schweinsteiger wechselt kein Wort mehr mit den Medien, Toni Kroos fühl sich unter Wert betrachtet und Mertesacker mag jetzt auch nicht mehr. Das deutsche Team hat eine Wagenburgmentalität entwickelt, die von ganz oben vorgelebt wird: erst im Vorbereitungstrainingslager, wo man sich das Volk mal schön vom Hals hielt, dann im Campo Bahia und auf dem Trainingsplatz im Naturschutzgebiet.“

Mertesacker selbst geht mittlerweile mit einer gehörigen Portion Humor mit seinem Interview um. Via Facebook entschuldigte er sich lauwarm. Bei Twitter postet er dagegen.

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